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Glücksgefühle beim Waldbaden

Mit allen Sinnen in den Wald eintauchen, das ist die Idee des Waldbadens. Christina Brunner hat einen Waldbade-Tag im Kloster Esthal in der Pfalz genossen.

Im Sehnsuchtsort Wald dürfen wir uns erholen, aktiv sein beim Waldbaden, träumen - herrlich!

Der Geruch von schwarzer Erde, warm und feucht, ein würziger Hauch von Moos und Fichtennadeln. Das Spiel des Lichtes auf den Blättern, der helle Schimmer, der die Stämme hochkriecht. Vögel schaukeln in den Baumkronen, manchmal durchbricht ihr Ruf die tiefe Stille.

©Hans BrunnerDen Wald beschreiben – das geht nicht. Man muss ihn erleben. Oder in ihm baden. Waldbaden ist ein Trend, manche sagen: ein Hype. Ich möchte wissen, was dahintersteckt. Und deshalb gehe ich mit Jasmin Schlimm-Thierjung und den SchülerInnen ihrer Waldbaden-Akademie in den Wald. Doch halt: Gehen ist falsch. Wir schlendern. Jeder in seinem Tempo, schweigend. Wenn die Kursleiterin mit ihrer kleinen Zimbel schlägt, bleiben alle für einige Sekunden stehen. Bis wir alle am ersten Sammelpunkt ankommen, dauert es ewig. Und das ist gewollt.

„Beim Waldbaden kommt es nicht aufs Tempo an“, erklärt Jasmin Schlimm-Thierjung. „Man muss auch nicht superfit sein, um mitzumachen. Deswegen ist es auch für Ältere ideal. Wenige Schritte in den Wald hinein reichen, um tolle Erlebnisse zu haben.“ Absichtslos unterwegs zu sein – das ist die erste Aufgabe für Waldbadende. Für drei Kilometer Weg werden wir an diesem Tag drei Stunden brauchen. Und nie wird mir langweilig werden.

Heilung im Wald

Die Idee stammt aus Japan. In den 60 Heilwäldern Japans treffen sich Hunderttausende und suchen Erholung vom Stress des Alltags. In Deutschland gibt es bisher nur einen ausgewiesenen Heilwald: in Heringsdorf auf Usedom.

©Christina Brunner2018 haben Annette Bernjus und Jasmin Schlimm-Thierjung ihre Deutsche Akademie für Waldbaden gegründet. Hier lernen Frauen (und immer mehr Männer!), die danach eigene Kurse anbieten wollen. Manager und Physiotherapeutinnen, Metzger und Landwirte buchen die siebentägige Ausbildung und die Aufbauseminare, sogar Pfarrer und eine Nonne waren schon dabei.

Ob und wie der Wald heilt, untersuchen jetzt auch Forscherinnen am Fachbereich für Medizinische Klimatologie, Kurortmedizin und Prävention an der Uni München. Ihr Auftrag: die Kurkliniken in Bayern zu beraten, ob Waldbaden als Therapiemöglichkeit ins Reha-Programm aufgenommen werden sollte. Jasmin Schlimm-Thierjung bildet seit Jahren Personal von psychosozialen Kliniken aus und ist sich sicher: „Waldbaden reduziert die Stresshormone, der Blutdruck sinkt und das Herz wird entlastet.“ Winterwald- Baden ist außerdem heilsam für Allergiker und hilft bei der Burn-out-Prophylaxe. Und selbst für Kinder und Jugendliche mit ADHS gibt es spezielle Angebote.

Zusammenarbeit mit Förstern

Seriöse Waldbaden-Kursleiter arbeiten immer mit den Forstämtern oder Waldbesitzern zusammen. Sie holen Genehmigungen für das Betreten des Waldes zu kommerziellen Zwecken ein, lassen sich beraten, wo schöne Ecken sind und welche Bereiche man nicht betreten darf. Sie gehen nur in kleinen Gruppen los und bleiben auf den Wegen. Vom Gebot der Achtsamkeit soll schließlich nicht nur der Mensch profitieren.

©shutterstock_KinusaraViele der Kurse, die die Akademie für Waldbaden anbietet, finden in Klöstern statt, denn „die Einfachheit des Waldes und des Klosterlebens passen gut zusammen“, findet Bea von Borcke. „Klöster sind ja oftmals umgeben von Wäldern. Das gibt so einen bergenden Charakter. Im Kloster entschleunigt man irgendwie automatisch.“ Doch Bedingung für ein gelungenes Waldbaden ist die Klosterstille nicht. Und auch die tiefen Wälder der Pfalz müssen es nicht sein. „Raus ins Grüne kann man überall. 10 oder 15 alte Bäume im Stadtpark reichen schon.“

Nach drei Stunden gehen wir in Zweiergruppen zurück zum Kloster. Wir kaspern herum, rennen, sind albern – das Glück des Grüns macht übermütig. Und am Abend trifft sich spontan die Hälfte des Kurses in der Klosterkapelle zum Singen. Im Gotteslob stehen viele Lieder, die auch Waldbadende singen können, die „es mit der Kirche nicht so haben“, wie eine Teilnehmerin gesteht. Bea von Borcke singt auch mit, sie wünscht sich den alten Kanon aus dem Baltikum: „Wechselnde Pfade, Schatten und Licht. Alles ist Gnade, fürchte dich nicht.“

Die ganze Geschichte lesen Sie bei uns im Heft.

Christina Brunner

Juli 2020

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Waldbaden

Die KursleiterInnen für Waldbaden, die bei der Deutschen Akademie für Waldbaden ausgebildet wurden, haben sich in einem Netzwerk zusammengeschlossen. Unter netzwerk-waldbaden.de finden Sie mithilfe Ihrer Postleitzahl die Angebote in Ihrer Nähe. Auch Volkshochschulen und Gesundheitszentren bieten oft Waldbaden an.