Interview

"Gott wird an meiner Seite sein"

Die Schriftstellerin Tanja Kinkel ist überzeugte, aber auch kritische Katholikin. Ein Glaubensgespräch

Schriftstellerin Tanja Kinkel

Was bedeutet es Ihnen, zu glauben?
Für mich ist der Glaube ein Teil von mir. Er gibt mir Antworten auf viele Fragen.

Fürchten Sie sich vor dem Sterben?
Nein, ich glaube, dass ich im Augenblick meines Todes nicht allein bin, Gott wird an meiner Seite sein.  

Was, glauben Sie, kommt nach dem Tod?
Geliebte Menschen, die ich verloren habe, werde ich wiedersehen. Ich glaube aber auch, dass ich mich all dem, was ich getan oder unterlassen habe, noch einmal stellen werde.

Wann ist Gott Ihnen besonders nah?
Für mich ist die Kommunion ein heiliger Moment. Hier spüre ich die Nähe Gottes ganz besonders, Gemeinschaft im Glauben wird erfahrbar. Aber auch, wenn ich den Menschen im Erich-Kästner-Kinderdorf zuschaue, wie sie den Kleinen ein neues Zuhause, neue Hoffnung geben. Wie die Kinder, denen wirklich Schlimmes widerfahren ist, nicht nur Mut schöpfen, sondern auch wirklich bereit sind, sich wieder auf Vertrauen und Liebe einzulassen. Menschen, die in der Lage sind, so viel von sich zu geben, auf andere zuzugehen, sind das beste Beispiel dafür, was ich unter Christentum verstehe.

Gibt es auch Momente des Zweifels?
Ja, besonders bei schlimmen Ereignissen wie Naturkatastrophen, Anschlägen oder Schicksalsschlägen.  

Wie gehen Sie damit um?
Ich werde weder lethargisch noch schaue ich weg. Man sollte nicht den Fehler machen und denken, dass alles sinnlos ist. Jeder kann im Kleinen wirken und die Welt dadurch ein kleines bisschen besser machen. Das ist für mich so sinngebend, dass ich auch in Momenten des Zweifels weiter nach vorne schaue.

Im Vaterunser heißt es: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Können Sie gut verzeihen?
Hin und wieder fällt es mir wirklich schwer. Mit zeitlichem Abstand ist es manchmal leichter.

Denken Sie an eine bestimmte Situation? Zwischen 13 und 15 bin ich mit meinen Klassenkameraden absolut nicht ausgekommen. Ich war eine Einzelgängerin, wurde häufig schikaniert. Letztlich bin ich in die Parallelklasse gewechselt. Später in der Oberstufe hatte ich teilweise wieder mit den gleichen Leuten zu tun. Wir haben uns neu kennengelernt: Ich war nicht mehr so empfindlich, und die anderen sind auch reifer geworden. Umgekehrt habe ich es aber auch erlebt, dass jemand meine Mutter verbal sehr verletzt hat. In diesem Fall habe ich heute noch Schwierigkeiten, an die betreffende Person ohne Ärger und Groll zu denken.

Eine Einzelgängerin sind Sie heute nicht mehr.
Eins von den vielen Dingen, die ich als Autorin gelernt habe ist, auf andere Menschen zuzugehen. Sei es bei der Recherche zu einem Buch oder auf Lesereise.  

Mehr auf der Internetseite der Autorin: www.tanja-kinkel.de

Melanie Fox

Juni 2018

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Zur Person

Die Schriftstellerin historischer Romane, 48, ist Schirmherrin der Bundesstiftung Kinderhospiz, engagiert sich für das Erich-Kästner-Kinderdorf und ist Mitgründerin der Hilfsorganisation "Brot & Bücher e.V.". Ihre Bücher gibt es in mehr als ein Dutzend Sprachen. "Die Puppenspieler", eines ihrer bekanntesten Werke, wurde bereits fürs Fernsehen verfilmt.