Brauchtum

Hoch zu Ross

Segen für Pferd und Reiter erbitten die Piesendorfer beim Leonhardi-Ritt. Rund um den 6. November finden an vielen Orten in Salzburg Pferdesegnungen und Reiterspiele statt.

Auch die Priester begleiten die Prozession hoch zu Ross

Im Tal liegt noch Nebel, aber über den schneebedeckten Gipfeln der Hohen Tauern strahlt schon die Sonne am tiefblauen Himmel. Die Wälder sind bereits bunt verfärbt. Ein herrlicher Spätherbsttag kündigt sich an. In Piesendorf im Salzburger Pinzgau rüstet man sich für den Leonhardi-Ritt, der hier schon Ende Oktober, kurz vor dem Festtag des Heiligen am 6. November, stattfindet. 

Schon seit den Morgenstunden herrscht auf den Höfen von Piesendorf und Umgebung geschäftiges Treiben: Gilt es doch die Rösser für den Leonhardi-Ritt gehörig herauszuputzen. Das Fell wird gestriegelt, bis es glänzt, die Mähnen gekämmt, die Hufe ausgeputzt und Schweife zu Zöpfen geflochten. Auch das Pferdegeschirr wird von den Pferdebesitzern poliert, bis es glänzt. Der Atem der Tiere dampft in der kühlen Luft. Geduldig lassen die schweren schwarzbraunen Noriker, die Haflinger und Ponys die ausgiebige Morgentoilette über sich ergehen. Als wüssten sie, dass heute ein ganz besonderer Tag für sie ist!

Am späten Vormittag nehmen die Reiter und Rosse im Ortsteil Aufhausen bei der Filialkirche zum Heiligen Leonhard Aufstellung zur Prozession. In Piesendorf ist es Tradition, dass auch die Vertreter der Kirche „hoch zu Ross“ am Ritt teilnehmen. Toni Fersterer, Sepp Wedenig und Wolfgang Bartl, die Diakone von Kaprun, Uttendorf und Piesendorf, sowie Norbert Ronacher, Praktikant im Pfarrverband, sitzen sicher im Sattel.

© Walter Schweinöster

Nach der Prozession um die Kirche finden Feldmesse und Pferdesegnung auf einer Wiese oberhalb der Kirche statt. Brav stehen die Rösser mit ihren großen und kleinen Besitzern in Reih und Glied und warten auf die Segnung mit Weihwasser. Mit ihnen auch Verena aus Piesendorf, die mit ihrem Pony Heike gekommen ist.

Der liturgische Teil des Leonhardi-Ritts ist zu Ende, doch das Fest geht noch lange weiter. Denn nach dem Gottesdienst messen sich die Reiterinnen und Reiter in diversen Geschicklichkeitsspielen. Bei einem Parcours müssen unter den Anfeuerungsrufen der Zuschauer Hindernisse übersprungen, ein Kranzl mit einem Stecken von einem Galgen geholt und eine Glocke zum Klingen gebracht werden. Viel Beifall gibt es auch für die Teilnehmer am Sesselreiten: Ähnlich wie bei der „Reise nach Jerusalem“ wird immer ein Sessel weniger aufgestellt, als es Reiter gibt. Wer beim Umreiten keinen Sessel mehr findet, auf den er sich setzen kann, muss ausscheiden.

© Walter Schweinöster

Leonhard und Barbara
Nicht nur in Piesendorf findet im Gedenken an den Heiligen Leonhard ein Fest statt. Auch in den anderen Salzburger Regionen gehört der Leonhardi-Ritt zum Fixpunkt im Herbst. Im ehemaligen Bergbaudorf Leogang im Pongau wird der Leonhardi-Ritt am 6. November nach alter Bergbautradition abgehalten. Beim Ritt um die Kirche wird der Zug dabei von einem Reiter und einer Reiterin begleitet, die den Heiligen Leonhard und die Heilige Barbara, die Schutzheiligen der Bergleute, darstellen. Die Leonhardikirche in Leogang ist die einzige Leonhardikirche in Salzburg, die noch mit einer eisernen Kette umspannt ist – in Erinnerung an den „Kettenheiligen“.

Und auch im südlichen Landesteil, dem Lungau, ehren die Bauern Sankt Leonhard. Die Prozession zur hoch über Tamsweg gelegenen Leonhardskirche hat eine lange Tradition. In früheren Zeiten nahmen daran nicht nur Menschen und Pferde teil, sondern auch das übrige Vieh aus dem Stall. Weil der alte Weg im November oft schon vereist war, musste die Rosserer Wallfahrt früher oft ausfallen. Seit die Gemeinde eine neue, weniger abschüssige Straße gebaut hat, ist der Ritt hinauf leichter. Der steile Anstieg verlangt Pferden und Reitern trotzdem einiges ab. Angenehmer haben es die Festgäste, wie Pfarrer und Bürgermeister, die in Kutschen zur Kirche rollen.

Angeführt wird die Prozession traditionell von den „Klöckern“ oder „Schnalzern“. In den Steigbügeln stehend, halten sie sich mit einer Hand an der Mähne ihres Pferdes fest und lassen mit der anderen Hand die vier Meter lange Peitsche durch die Luft sausen

Ursula Mauritz

November 2017

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