Interview

"Ich fühle mich von Gott gehalten"

Ein Gespräch mit dem sympathischen und mehrfach ausgezeichneten Liedermacher, Sänger und Autor Klaus Hoffmann

Ihr Lieblingslied auf Ihrem neuen Album „Ich selbst allein“ beschreibt, wie wichtig es ist, mit sich selbst befreundet zu sein. Trifft das auch auf Sie zu?

Ich denke schon. Als Kind fand ich es unangenehm, alleine zu sein, es hat mir zuweilen sogar Angst gemacht. Heute kann ich sehr gut alleine sein.

Was ist Ihre schönste Kindheitserinnerung?

Ein harmonisches Gefühl, das ich mit meiner Familie und meinen Freunden verbinde. Meine tollste Errungenschaft war das Fahrrad – mit meinen Freunden durch die Gegend zu fahren, hat mir immer eine Menge Spaß gemacht.

Kommen wir zum Thema Glauben. Welche Rolle spielt er in Ihrem Leben?

Schon als Kind haben mich Glaubenssätze wie: „Wo tiefe Dunkelheit ist, wird auch immer ein Licht sein“, „Eine Hand wird da sein, wenn du sie suchst“ fasziniert. Ich bin zwar nicht fromm, dazu bin ich vielleicht auch mit 67 Jahren immer noch zu rebellisch – der Besuch einer Kirche gehört für mich aber dazu, wenn auch nicht unbedingt an Festtagen. Ich fühle mich von Gott gehalten, erinnere mich zuweilen jedoch zu wenig daran.

Beten Sie?

Ja, jeden Morgen und Abend.

Was gibt Ihnen das Gebet?

Da spüre ich, dass Gott bei mir ist.

Welche Beziehung haben Sie zur Bibel?

Als Kind hat mir meine Oma aus dem Alten Testament vorgelesen, die Texte haben mir auch Angst gemacht. Trotzdem habe ich diese Erfahrungen und Texte wohl unbewusst aufgegriffen, und sie finden sich stellenweise in meinen Liedern wieder. Der Schriftsteller Simon Beckett hat mal gesagt: „Die Bibel ist die beste Geschichte, die wir auf Erden haben.“ Viele Geschichten haben sich in mir festgeschrieben.

Welche Werte prägen Ihr Leben?

Liebe, Hoffnung, Gottvertrauen, Vertrauen, Freundschaft und Moral.

Was bedeutet Liebe für Sie?

Ich würde da eher eine Gegenfrage stellen: Kann ich lieben, ohne geliebt zu werden? Es ist sehr schön, geliebt zu werden, und es ist schön, in der Lage zu sein, lieben zu können.

Wie haben Sie sich mit dem Älterwerden verändert?

Mit dem Alter bin ich vorsichtiger geworden, ich stelle sozusagen die Welt in mir auf den Kopf. Ich überdenke vieles neu und traue dem Zauberer und Träumer in mir dadurch mehr zu.

Was schätzen Sie am Älterwerden?

Nicht viel, da ich es nicht gut finde, der Endlichkeit immer näher zu kommen. Ich habe mehr erlebt, werde also nicht mehr so schnell übers Ohr gehauen. Älterwerden bringt viel innere Klapprigkeit mit. Aber ich kann aus meiner Erfahrung schöpfen, dass der, der hinfällt, auch wieder aufstehen kann, so die Gesundheit es noch zulässt.

Ihr Vater starb, als Sie zehn Jahre alt waren. Welche Rolle spielt der Tod in Ihrem Leben?

Eine große. Mittlerweile sind viele Menschen verstorben, die mich auf meinem Weg begleitet haben. Meinen Vater habe ich sehr vermisst, mir immer einen Menschen gewünscht, der mir sagt wo es langgeht. Der Tod machte mir schon
immer Angst.

Melanie Fox

Februar 2019

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Zur Person

Er zählt zu den bekanntesten Liedermachern im deutschsprachigen Raum. Klaus Hoffmann, 67, war zunächst auch Schauspieler („Die neuen Leiden des jungen W.“). Im Laufe seiner Musikkarriere hat er mehr als 40 Alben eingespielt. Mit seiner Frau, der Malerin Malene Steger, lebt er in Berlin.