Steyler Welt

"Ich stecke andere mit meinem Glauben an"

Pater Herbert Scholz ist in seinem Leben als Missionar viel herum gereist und hat vor allem in der Ausbildung künftiger Theologen auf den Philippinen mitgewirkt. Damit hat er einen wichtigen Beitrag zur missionarischen Prägung des Landes geliefert. Der Steyler Pater war fast 30 Jahre dort und erzählt in unserer Serie "Der Schatz der Alten" aus seinem Leben

Pater Herbert "Bubi" Scholz wurde 1938 in Gelsenkirchen geboren und 1965 auf den Philippinen zum Priester geweiht. Schon seit seinem Ordenseintritt wurde er nur "Bubi" genannt.

Manchmal frage ich mich, ob ich ein wirklicher Missionar war. Ich habe keine Brunnen in irgendeinem Hinterland gebaut, keine Schulen oder Kapellen. Dies war das typische Bild eines Missionars. Doch so einer war ich nie. Ich habe eher im Hintergrund gewirkt, denn meine Mission war es, am Aufbau einer einheimisch geprägten Kirche mitzuhelfen.

Die ersten Jahrzehnte meines Ordenslebens habe ich an Hochschulen verbracht. Zunächst als Student, später als Dozent. Ich kam 1962 zum Studium auf die Philippinen. In der Gruppe der philippinischen Seminaristen fiel ich durch meine Ohren und die lange Nase doppelt auf, was aber nie ein Nachteil war. Man erinnerte sich an mich, und das war in manchen Situationen hilfreich.

Nach meinem Doktorat in Rom wurde ich 1972 Dozent der Theologischen Hochschule der Steyler in Tagaytay. Ich bin überzeugt, dass unser Ausbildungsprogramm einen wichtigen Beitrag zum Aufbau und zur missionarischen Prägung der Kirche auf den Philippinen liefert. Denn wir haben viele einheimische Theologen ausgebildet, und sie sind schließlich die Basis. Ebenso die vielen ehrenamtlichen Katecheten, die ich anleiten und begleiten durfte. Kirche kann nur funktionieren, wenn sie ein gutes Fundament hat.

An den Wochenenden genoss ich es, in Pfarreien zu helfen, heilige Messen in den Außengemeinden zu feiern. Ein Weihnachtsfest ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben: Auf dem Weg in eine Außenstation sind wir in einem nassen Reisfeld stecken geblieben. Um den Jeep zu befreien, mussten wir alle anpacken. Ich habe Jesu Geburt in Sandalen und einer dreckigen Hose gefeiert. Gestört hat es niemanden.

Schon während meiner Zeit auf den Philippinen durfte ich Exerzitien und Kurse für Bibelpastoral geben. Das Wort Gottes ist Grundlage meines Lebens, und das möchte ich gerne teilen. Bei einem Kurs für ältere Mitbrüder überlegten wir gemeinsam, wie Abraham, Simeon oder Hanna Vorbilder für unseren Lebensabend sein können.

Nach fast 30 Jahren auf den Philippinen folgte ich © privatdem Ruf nach Rom, um im Generalat der Steyler Missionare mitzuarbeiten. Um nicht nur am Schreibtisch zu sitzen, half ich in der Seelsorge bei den philippinischen Gastarbeitern mit. Wir trafen uns zur Sonntagsmesse,  machten Ausflüge. Ich habe Paare verheiratet und Kinder getauft. In Rom leben fast 40 000 Filipinos.

Völlig unerwartet wurde ich im Jahr 2000 in den Generalrat gewählt. Im Laufe der sechsjährigen Amtszeit brach ich immer wieder zu Visitationen auf: nach Ghana, Deutschland, Indonesien, Irland, Kolumbien, Ecuador und auch nach China und Argentinien. Die Reise nach China war die bemerkenswerteste. Ich durfte nirgendwo offiziell auftreten. Zur Sicherheit mussten alle Besuche bei chinesischen Mitbrüdern im Geheimen stattfinden. Mir wurde sehr deutlich, was meine Mitbrüder auf sich nahmen, die in China arbeiteten. Bewundernswert!

Bei Treffen mit Mitbrüdern oder Laien zu besonders spannungsgeladenen Themen bat ich Gott oft darum, mir die richtigen Worte einzugeben. Bei einem Gottesdienst in Buenos Aires wurde mir sehr schmerzlich bewusst, wie schwierig es ist, die Herzen der Menschen zu erreichen, wenn man ihre Sorgen und Freuden, ihre Geschichte und Kultur nicht näher kennt – ganz abgesehen von meinen begrenzten Sprachkenntnissen.

Ich blieb noch weitere Jahre in Rom und kümmerte mich ums Generalarchiv, bevor ich 2017 nach 50 Jahren im Ausland zurück nach Deutschland kam. Ich fühlte mich wie ein Fremder. Ich musste mich erst daran gewöhnen, dass Religion in Deutschland eher im Verborgenen stattfindet und etwas sehr Persönliches ist. Die Filipinos gehen sehr natürlich mit ihrer Religiosität um, sie gehört zum Alltag. Der Glaube wird oft spontan zum Ausdruck gebracht, für alle sichtbar. Eine Abschlussfeier in der Schule ohne heilige Messe? Unvorstellbar auf den Philippinen.

Meine Zeit hier in Steyl verbringe ich mit liturgischen Diensten, kleinen Aufträgen für unser Generalat und beantworte Anfragen von unseren SVD-Studierenden, deren Texte ich übersetze. Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, war es ziemlich gewöhnlich, finde ich. Aber immer reich an Segen und Liebe zum Wort Gottes. Und wenn ich damit andere anstecken konnte, freue ich mich darüber und bin Gott dankbar.

Aufgezeichnet von Steffi Mager

Mai 2019

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Bisherige Beiträge

Jeden Tag werden in der drittgrößten Stadt der USA zwei Menschen ermordet. Meist sind sie schwarz. Die Steyler Missionare wollen eine bessere Zukunft...

[weiter...]

Schon als Kind hat Sr. Marianeldis „Nonne gespielt“ und früh gespürt, dass ihr das religiöse Leben zusagte. Die Steyler Missionsschwester war 55 Jahre...

[weiter...]

Bisherige Folgen der Serie

In unserer Serie "Der Schatz der Alten" stellen wir Ihnen jeden Monat einen besonderen Schatz aus der Steyler Ordensfamilie vor. Hier finden Sie die bisherigen Folgen:

Sr. Tarcildis SSpS

Br. Heinz Helf SVD

P. Gerhard Lesch SVD

Sr. Marianeldis SSpS