Interview

„Ich versuche, mich selber nicht zu ernst zu nehmen!“

Romanautorin Dora Heldt begeistert mit ihren Büchern Millionen. Mit stadtgottes-Redakteurin Melanie Fox hat sie über Glaube, Träume und Zweifel gesprochen

Dora Heldt hatte zu ihrer verstorbenen Großmutter ein enges Verhältnis. Von ihr hat sie gelernt, sich selbst nicht so ernst zu nehmen

In Ihren Romanen schauen Sie hin und wieder mit einem Augenzwinkern auf Ihre Tochter-Vater-Beziehung. Wofür sind Sie Ihren Eltern dankbar?

Ich hatte eine unglaublich heile Kindheit, es gab überhaupt keinen Stress. Außer vielleicht in meiner Pubertät ... Meine beiden Geschwister und ich wurden zur Selbstständigkeit erzogen. Unsere Eltern haben uns eine Grundanständigkeit vermittelt, Werte wie Ehrlichkeit, Zurückhaltung und Pünktlichkeit waren wichtig. Aber sie forderten nichts, alles geschah immer freiwillig.

Sie sind oft umgezogen. Wo ist Ihre Heimat?

Das ist auf jeden Fall Sylt. Sylt ist der einzige Ort, an dem ich immer denke, hier bist du richtig. Hier muss ich keinem etwas erklären, hier gehöre ich hin.

An was glauben Sie?

Da habe ich wohl immer noch einen eher kindlichen Glauben: Ich glaube an den Gott, der mir im Kindergottesdienst nahegebracht wurde.

Halten Sie denn Zwiesprache?

Ich sende immer mal wieder ein Stoßgebet zum lieben Gott, sei es als Bitte oder um Danke zu sagen.

Wie begegnet Ihnen Gott im Alltag?

Als meine Großmutter beerdigt wurde, hatte es den ganzen Tag geregnet. Dann kamen wir aus der kleinen Kapelle in List (Ort auf Sylt, Anm. der Red.) und tatsächlich: Die Sonne schien, und ein wunderschöner Regenbogen war vom Friedhof bis zu der Straße, in der wir wohnten, zu sehen. Die Pastorin sagte damals: „Ich glaube, sie ist mit meiner Predigt einverstanden gewesen.“ Dieser Satz hat sich bei mir festgesetzt.

Inwiefern?

Als ich zum Beispiel vor Jahren eine Wohnung kaufen wollte, mir aber noch nicht ganz sicher war, sah ich auf dem Rückweg einen Regenbogen. Daraufhin habe ich sofort zugesagt. Tatsächlich begleitete mich bei größeren Entscheidungen stets ein Regenbogen. So weiß ich: Meine Großmutter ist bei mir und leitet mich. Wenn ich ihr Grab besuche, spreche ich mit ihr und spüre diese ganz besondere Verbindung.

Geht das auch anderen in Ihrer Familie so?

Ja, meine Schwester und meine Kusine haben ähnliche Erfahrungen gemacht.

Gibt es auch Momente des Zweifelns?

Die habe ich schon. Eine Sportkollegin ist mit 48 Jahren an einem Aneurysma verstorben, war vorher nie krank, und sie hinterlässt ein kleines Kind. Ist das nicht grausam? Das sind dann schon Momente, in denen ich zweifle.

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Klar, diesen Wunsch hat man doch! Ich hoffe und glaube, dass wir uns wieder begegnen werden.

Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?

Keinen mehr. Ich hatte immer den Traum von einer eigenen Wohnung auf Sylt. Das ist vor drei Jahren wahr geworden. Ich habe eine kleine Wohnung in der Nähe meiner Eltern gefunden. Nah genug, um mal eben hinzugehen, wenn irgendetwas ist, und weit genug weg, dass meine Mutter nicht zum Putzen kommt (schmunzelt).

Melanie Fox

August 2019

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Zur Person

Dora Heldt, 57, schreibt Romane, die Millionen begeistern. Ihre Bücher werden regelmäßig verfilmt. Dora Heldt ist gelernte Buchhändlerin und lebt in Hamburg und auf Sylt.