Titelthema

Im Auftrag des Herrn

Für viele Christen ist Mission ein schwieriges Wort. Und höchstens erlaubt für den Einsatz in Afrika. Doch viele junge Katholiken wollen sich missionarisch engagieren und Menschen für Jesus gewinnen

"Nightfever" im Kölner Dom: Hunderte Kerzen brennen vor dem Allerheiligsten am Dreikönigsschrein

Sophies Mission beginnt mit einer Kerze im Wind. Frierend steht sie an diesem Samstagabend in der Dunkelheit, ein paar Teelichter in der Hand, und spricht mit einem freundlichen Lächeln die Passanten an: „Möchten Sie eine Kerze im Dom anzünden?“ Die meisten hasten vorbei, murmeln eine Entschuldigung: „Nee, keine Zeit!“ „Am Anfang hatte ich schon Hemmungen, die Leute anzusprechen“, gibt die junge Frau zu. „Ich wollte meinen Glauben lieber für mich privat leben. Ich war begeistert von Jesus und seiner Botschaft, aber ich habe nie überlegt, davon etwas abzugeben.“ Doch irgendwann habe es Klick gemacht: „Viele Leute wissen ja gar nicht, was der Glaube für ein Geschenk ist!“

Eine Kerze als Geschenk
Und deshalb steht sie jetzt an ihrem 19. Geburtstag auf der Domplatte in Köln, friert und lächelt und verschenkt eine Kerze mit einer Einladung für einen kurzen Besuch im Dom, wo vor dem goldenen Dreikönigsschrein das Allerheiligste ausgesetzt ist. Viele junge Leute knien davor, andere sitzen still im Chorgestühl, zwei Musiker singen leise Lobpreislieder. Und der Strom der Kerzenbringer reißt nicht ab. Mit Tüten bepackt, Kinder an der Hand, manche erkennbar Muslime, stehen sie in der Schlange, um ihre Gabe vor den Altarstufen abzustellen.

„Nightfever ist ein einfaches Angebot“, erklärt Hubert Gatzweiler, 24 Jahre jung und der Verantwortliche für das Projekt. „Bei uns muss man keine Glaubensinhalte lernen oder den Katechismus glauben. Wir verschenken eine Kerze und laden ein, in die Kirche zu kommen. Was die Leute da tun, kontrollieren wir nicht. Sie haben die Möglichkeit, Gott zu begegnen. Und Gott hat die Möglichkeit, ihnen zu begegnen!“ Die meisten stellen ihre Kerze ab und gehen wieder. Aber viele bleiben. Abseits vom Trubel sitzen zwei Priester bereit für ein Gespräch oder die Beichte, auch da ist die Schlange lang. „Anbetung und Beichte – wer hätte gedacht, dass diese alten Formen wieder eine Renaissance erleben?“, sagt Hubert nachdenklich.

Ein Manifest für mehr Mission
Das Projekt Nightfever ist 2006 nach dem Weltjugendtag in Köln entstanden, aber längst ist es nicht mehr auf Deutschland beschränkt. Ob Basel oder Salzburg, London oder Lourdes – in 27 Ländern laden junge Christen Menschen auf der Straße ein, in die Kirche zu kommen. In Köln jeden Monat einmal, bis Mitternacht, auch wenn es stürmt und schneit. Für Sophie und Hubert ist das Mission. „Gott hat mich berührt. Alle Leute müssten doch die Sehnsucht haben, Gottes Liebe zu erfahren!“, meint Hubert. „Deshalb wollen wir Räume aufmachen, in denen Menschen Gott begegnen können.“

Hubert und Sophie sind Teil eines Trends, der gerade in der Kirche aufbricht. Das Thema Mission ist wieder aktuell. Im Januar 2018 veröffentlichte eine Gruppe von Katholiken einen Aufruf mit dem Titel „Mission Manifest“. Ihre Thesen sind scharf: „Nach menschlichem Ermessen wird die Kirche in Deutschland, Österreich und der Schweiz in wenigen Jahren kaum mehr eine gesellschaftlich wahrnehmbare Rolle spielen. Das ist weniger schade um die Kirche als schlimm für die Menschen, die Gott verlieren oder Jesus nie kennenlernen“, schreiben die Autoren, zu denen der YouCat-Herausgeber Bernhard Meuser und der Präsident von missio Österreich gehören. Auch der Schweizer Martin Iten hat unterzeichnet. In ihren Thesen fordern sie: „Es ist nicht mehr genug, katholisch sozialisiert zu sein. Die Kirche muss wieder wollen, dass Menschen ihr Leben durch eine klare Entscheidung Jesus Christus übergeben. Wir wollen, dass Mission zur Priorität Nummer eins wird. Und zwar durch eine Fokussierung der finanziellen und personellen Ressourcen der Kirche auf die Evangelisierung.“

Dabei geschieht schon viel. Denn das „Zugehen auf die Fernstehenden“ steht inzwischen in den Pastoralplänen selbst kleiner Pfarreien. „Wie können wir die Jugendlichen wieder für die Kirche gewinnen?“, fragen sie und merken gar nicht, dass es nicht um das Wieder, sondern das „Überhaupt-erst-Mal“ gehen müsste. „Viele können mit Kirche überhaupt nichts anfangen“, hat Hubert Gatzweiler, der Nightfever-Leiter in Köln beobachtet. „Sie sind so weit weg, dass sie gar keine Vorurteile mehr haben!“

Lesen Sie den ganzen Text in der Aprilausgabe der stadtgottes. Bestellen Sie sich hier ein kostenloses Probeheft.

 

Christina Brunner

April 2019

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Bisherige Beiträge

Er ließ Kinder staunen und Prominente schweben: Für Pater Hermann Bickel war das Zaubern ein missionarischer Auftrag. In unserer Serie "Schatz der...

[weiter...]

Sie ist Soldatin bei der Bundeswehr und das aus Überzeugung. Nicht immer einfach, schließlich sind die Streitkräfte umstritten....

[weiter...]