Steyler Welt

Immer wieder Neues beginnen

Der neue indonesische Generalsuperior der Steyler Missionare ermutigt Mitbrüder und Laien und wagt einen Blick in die Zukunft

Studierte in Österreich und Deutschland und war Seelsorger in der Schweiz: der neue Generalsuperior Paulus Budi Kleden zwischen dem Provinzial der mitteleuropäischen Provinz, Stephan Dähler SVD und Pater Franz Helm

Welche Erfahrungen aus Ihren Einsatzgebieten bringen Sie für Ihre neue Aufgabe mit?
Aus meinem Einsatz in den deutschsprachigen Ländern bringe ich die Sensibilität für die Glaubenssuchenden, außerdem die missionarische Kreativität, neue Wege für die Vermittlung des Glaubens zu suchen und die Bescheidenheit, mit wenigen Leuten etwas Neues anzufangen mit. Viele Jahre habe ich in Indonesien gearbeitet. Dort setzen wir Steyler uns für die sozialen Probleme der leute und der Umwelt ein. Interkulturell zu leben und mit anderen Religionen ins Gespräch zu kommen, ist hier sehr wichtig.  In den letzten sechs Jahren war ich in der Leitung der SVD. Diese Zeit in Rom hat mir das Herz und die Augen geöffnet, die weltweite Realität der Gesellschaft zu sehen, zu schätzen und zu lieben.

Seit vielen Jahren sind Sie für die Ausbildung der jungen Mitbrüder in Indonesien zuständig.
Ich sehe die Notwendigkeit, die missionarische Ausrichtung der Ausbildung immer wieder zu stärken. Wir Steyler sind Missionare, das heißt: Wir müssen verwurzelt sein in unserer Beziehung mit Gott und die Schritte wagen, zu den Menschen zu gehen.

Welche großen Herausforderungen sehen Sie?
Ich glaube, alles steht und fällt mit der Ausbildung unserer Leute. Nicht nur die Grundausbildung, sondern auch die Einführung der neuen Missionare und die permanente Ausbildung. Die Ausbildung bereitet uns vor, in interkulturellen und internationalen Kommunitäten zu leben und zu arbeiten. Unser Ausbildungsprogramm soll uns helfen, im Wort Gottes verwurzelt und nahe bei den Menschen zu sein. Ein Missionar darf sich nicht nur in den geschützten Wänden seines Klosters zu Hause fühlen, sondern auch bei den Menschen, vor allem bei den Armen und Benachteiligten. Ein Missionar hat nicht nur die Aufgabe, die Messe zu feiern und Sakramente zu spenden, sondern auch den Leidenden beizustehen und den Benachteiligten zu ihrem Recht zu verhelfen. Die Grundausbildung sollte uns darauf vorbereiten, und die permanente Ausbildung sollte unsere Fähigkeit dafür verbessern. Unser Kapitel in Nemi hat über die Erneuerung beraten. Neues ist nur möglich, wenn wir bereit sind, uns immer wieder fragen und befragen zu lassen, persönlich wie auch in Gemeinschaften: Was sollten wir ändern oder einführen, damit wir eine tiefere Beziehung mit Gott haben und unsere Solidarität mit den Menschen konstanter leben?

Interkulturelles Zusammenleben und arbeiten ist ja für die Steyler sehr wichtig…
In den letzten Jahren haben wir die Interkulturalität neu entdeckt und vermehrt schätzen gelernt. Wir haben gemerkt, wie wichtig dies für die Kirche und die Gesellschaft von heute ist. Viele Ordensgemeinschaften sehen in uns diesbezüglich ein Vorbild. Aber ich sehe zwei Herausforderungen: Das eine ist die größere Möglichkeit – bedingt durch die Kommunikationstechnologien und die Mobilität der Menschen –  mit den Menschen aus der eigenen Herkunftskultur mehr und intensiver zu kommunizieren und in Kontakt zu bleiben, als mit denen aus anderen, neuen Kulturen. Man ist in einem anderen Land, aber man bewegt sich mehr im Kreise seiner Landsleute. Das zweite ist der Rückgang der Berufungen in einigen Ländern, vor allem aus Europa. Wenn es so weiter geht, besteht die Gefahr, dass wir in der Zukunft keine Mitglieder mehr aus bestimmten Ländern haben. Dies ist sicherlich eine Verarmung für die Steyler Missionare, und damit auch eine Verarmung für die Kirche and Welt.

Haben Sie auch die Zusammenarbeit mit den Laien im Blick?
Diese Zusammenarbeit gehört von Anfang an wesentlich zu unserer Ordensgemeinschaft. Der heilige Arnold Janssen hat seine missionarischen Werke nur mit der Mitarbeit der Laien verwirklichen können. Heute und in der Zukunft geht es uns darum, die Initiativen der Laien zu unterstützen. Unsere Aufgabe ist es, das missionarische Bewusstsein der Laien zu stärken. Und wenn sie aus diesem Bewusstsein heraus etwas unternehmen, unterstützen wir sie. Wir begleiten die Laien, unsere gemeinsame missionarische Berufung zu verwirklichen. Wir Steyler sind eine der größten Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche. Als eine missionarische Gesellschaft sollten wir uns nicht damit begnügen, mehr und mehr Pfarreien zu betreuen. Von uns erwartet die Kirche zu Recht, dass wir auch wissenschaftliche Beiträge vor allem im Bereich der Mission leisten.

Eine große Herausforderung ist auch die Finanzierung unseres Lebens und unserer Werke. Ein großer Teil unserer Mitbrüder lebt und arbeitet in Ländern, wo die finanziellen Mittel nicht ausreichen, um ihr Leben und ihre Arbeit zu finanzieren. Auch haben wir den größten Teil unserer neuen Berufungen in solchen Ländern. Ihre Ausbildung braucht Geld. Während wir weiter versuchen, die finanziellen Quellen in diesen Ländern zu stärken, sind wir weiterhin abhängig von der Großzügigkeit der Spender und Spenderinnen aus Europa und Nordamerika.

Wo sehen Sie die Steyler in 20 Jahren?
Das große Ziel muss sein, dass wir weniger um uns selbst besorgt sind, sondern besorgt um die Menschen und ihre Nöte. Wichtig ist auch, dass wir gut vernetzt sind mit  kirchlichen wie weltlichen Organisationen, die fähig sind, auf Probleme der Menschen zu antworten: nämlich auf die Vereinsamung und Verarmung der Menschen und die Ausbeutung der Natur.

Franz Helm SVD/Christina Brunner

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