Steyler Welt

In Indonesien traf ich begeisterte Christen

„Es geht darum, dass wir als Steyler Missionare das Wort Gottes verkünden und mithelfen, dass es sich entfaltet!“

Pater Hermann Josef Kaiser, 79, kommt aus Grammastetten (Linz/Österreich) und besuchte das Internat der Steyler in St. Rupert/Bischofshofen. 1960 begann er in St. Gabriel mit der Vorbereitung auf das Ordensleben. Es folgten ein Studium der Philosophie und der Theologie. 1967 legte Hermann Kaiser seine Ewigen Gelübde ab. Zwei Jahre später, 1969, erhielt er die Missionsbestimmung für Timor/Indonesien. Seit 1991 lebt und arbeitet Pater Kaiser in Bozen/Südtirol.

Was für eine Freude: Ich durfte nach Indonesien. Das ist das Land, das mich von Anfang an fasziniert hat. Ich kam nach Kupang, in die Provinzhauptstadt auf der Insel Timor. Meine Aufgabe war es, eine neue Pfarrei aufzubauen. Der Bischof zeigte mir mein neues Zuhause, eine einfache Hütte, und sagte: „Keine Angst, die Menschen hier werden sich um dich kümmern und dich mit Essen versorgen.“ Und so kam es auch. Alle waren neugierig auf mich, den jungen Pfarrer aus Europa, und schauten, was ich so tat. Und wirklich, sie vergaßen mich nicht. Jeden Tag kam jemand mit einem Topf überraschender Speisen: in Salz gewälzte Krebse und Fische, getrocknete Bananen. Ich fühlte mich unter den Menschen schnell wohl. Spielen doch in der indonesischen Gesellschaft „Gotong Royong“, also Gastfreundschaft und Verantwortung füreinander, eine sehr große Rolle. Ich spürte, dass ich willkommen war.

@privatMeine Aufgabe hat mir sehr gut gefallen. Es geht ja darum, dass wir als Steyler Missionare das Wort Gottes verkünden und dass es sich entfaltet. Die Menschen zeigten Interesse am katholischen Glauben, viele kamen zu den Gottesdiensten. Bald konnte ich mit den Gläubigen Kirchen bauen, ein Bildungszentrum wurde gegründet, eine Klinik und eine Handwerksschule entstanden.

Naturreligionen noch präsent

Natürlich habe ich auch Skurriles erlebt: Viele Timoresen sind Anhänger der Naturreligion. Bei ihnen spielen außergewöhnliche Gegenstände eine wichtige Rolle. Die Timoresen nennen sie Leu Leu. Es sind auffällig gefärbte oder geformte Steine mit Löchern, aber auch Knochen von Mäusen oder Vögeln – und ihnen werden magische Kräfte zugeschrieben. Vor allem aber, so ist man überzeugt, bringen sie Krankheit oder Unglück. Erwachsene, die getauft werden wollten, mussten diese Gegenstände zum Zeichen ihrer Umkehr bei mir abgeben. So hatte ich im Laufe der Zeit einen großen Beutel voller Leu-Leu-Gegenstände gesammelt. Aber ich musste das stets geheim halten, sonst hätten die Menschen aus Angst mein Haus gar nicht mehr betreten. Als mich einmal ein hartnäckiger Hexenschuss plagte, sagten meine Mitarbeiter, die von den geheim aufbewahrten Gegenständen wussten: „Siehst du, das kommt von Leu Leu!“

1986 machte ich den Weg frei. Es gab einen Boom an jungen Priestern und geistlichen Schwestern, die meine Arbeit fortführen konnten.

Rückkehr nach Europa

Ich ging zurück nach Europa und kümmerte mich in der Schweiz, in Vorarlberg und in Südtirol um Jugendliche, für die ich Einkehrtage und Exerzitien abhielt. Als Rückkehrer-Missionar habe ich in Schulen von meiner spannenden Zeit in Indonesien erzählt, wie auch von unserem Pater Freinademetz. In Bozen fand ich meine zweite große Lebensaufgabe, das Steyler Missionswerk bekannt zu machen.

@privatIch wünsche mir für die Kirche in Europa, dass wir es schaffen, mehr Laien zu mehr bewusster Mitarbeit zu animieren. Es gibt doch so viele fähige Leute, die bestimmte Aufgaben übernehmen könnten.

Ich freue mich, dass ich mir bei den Steylern meinen Lebenstraum erfüllen konnte. Wie einst in Indonesien sage ich den Menschen auch hier: Gott ist nicht oben, Gott ist hier unter uns. Wenn man Gott entdecken will, findet man ihn unter den Menschen.

Vor sieben Jahren war ich nochmals zu Besuch in Indonesien. Voll Dankbarkeit im Herzen sehe ich heute, dass der Same des Wortes Gottes eindrucksvolle Früchte gezeigt hat.

Aufgezeichnet von Isabel Damm-Jacobs

November 2019

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Bisherige Folgen der Serie

In unserer Serie "Der Schatz der Alten" stellen wir Ihnen jeden Monat einen besonderen Schatz aus der Steyler Ordensfamilie vor. Hier finden Sie die bisherigen Folgen:

Sr. Tarcildis SSpS

Br. Heinz Helf SVD

P. Gerhard Lesch SVD

Sr. Marianeldis SSpS

P. Herbert Scholz SVD

P. Hermann Bickel SVD

Br. Adolf Stegmaier SVD

Br. Franz Xaver Romer SVD

Br. Othmar Jessberger SVD