Jens Söring ist in Deutschland angekommen

Der wegen Doppelmordes verurteilte Deutsche saß über 33 Jahre in einem US-amerikanischen Gefängnis. Dabei hat er immer betont, unschuldig zu sein.

Bereits im Sommer 2011 sprach Jens Söring mit stadtgottes.

Es ist um die Mittagszeit, als das Flugzeug aus den USA mit dem 53-Jährigen Jens Söring am Frankfurter Flughafen landet. „Ich freue mich so sehr, nach 33 Jahren, 6 Monaten und 25 Tagen endlich hier in Deutschland zu sein“, sagte er nach seiner Ankunft vor Journalisten. Söring war verurteilt worden, die Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom am 30. März 1985 ermordet zu haben. Er selbst beteuert seine Unschuld.

Als Häftling 1161655 saß er im Buckingham Correctional Center Virginia, an der Ostküste der Vereinigen Staaten, ein. 14 Mal wurde sein Antrag auf frühzeitige Entlassung abgelehnt. Aber dennoch hoffte Söring „dass ich frei komme. Dass mein Leben wieder etwas bedeutet“, sagte er vor acht Jahren im Gespräch mit stadtgottes. Der Weg dahin war lang. Söring hat im Gefängnis Bücher geschrieben und Meditationskurse für Häftlinge gegeben. Außerhalb des Gefängnisses hat sich ein Freundeskreis für ihn engagiert, Menschen haben ihm Briefe geschrieben. Oft haben sie ein Stück Baumrinde beigelegt, weil er einmal sagte, er wünsche sich, noch einmal einen Baum zu berühren. Doch die Poststelle des Gefängnisses warf die Rindenstücke vorschriftsgemäß weg, ehe Söring die Briefe erhielt.

Nun kann er so viele Bäume berühren, wie er möchte. „Ich bin so froh“, sagte er noch am Frankfurter Flughafen „Das ist der schönste Tag meines Lebens.“

Als 18-Jähriger hatte Söring den Mord an Derek und Nancy Haysom gestanden, da er glaubte, auf diese Weise seiner Freundin Elizabeth, damals 20, das Todesurteil ersparen zu können. Als Sohn eines Diplomaten dachte er fälschlicherweise, selbst über diplomatische Immunität zu verfügen. Heute sagt er, seine Freundin sei die wahre Täterin, er selbst sei nie am Tatort in Bedford County gewesen. Haysom wurde zu 90 Jahren Haft verurteilt, Söring bekam zwei Mal lebenslänglich. Beide wurden nicht begnadigt, sondern auf Bewährung freigelassen und nach Deutschland und Kanada abgeschoben.

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