Steyler Welt

"Kein Mitbruder darf unter die Räder kommen"

Pater Stephan Dähler wurde als Provinzial der Mitteleuropäischen Provinz der Steyler Missionare bestätigt und sieht das interkulturelle Zusammenleben der Ordensmänner als größte Herausforderung und größte Chance für Mitteleuropa – von Kroatien bis Frankreich

Pater Stephan Dähler SVD wird auch von 1. Mai 2019 bis 20. April 2023 die Mitteleuropäische Provinz der Steyler Missionare als Provinzial leiten. Das Generalat in Rom hat die Ernennung für diesen Zeitraum zugestellt.

Der 49-jährige Stephan Dähler SVD leitet die Mitteleuropäische Provinz der Steyler Missionare seit ihrer Gründung im Jahr 2016. Seither gehen die ehemals getrennten Provinzen Österreich, mit einer zusätzlichen Niederlassung in Kroatien, und Schweiz, mit einer Niederlassung bei Paris, gemeinsam in die Zukunft. Das Zusammenwachsen der Provinzteile ist ebenso ein Thema wie das Zusammenwachsen der Steyler Missionare aus unterschiedlichen Kontinenten und Ländern, die in Mitteleuropa zusammenleben und zusammenarbeiten. „Wie läuft es mit der Interkulturalität? Diese Frage ist für uns ganz entscheidend, sie macht mir als Provinzial auch hin und wieder Bauchweh“, erklärt der Schweizer Steyler Missionar unumwunden. Die 120 Provinzmitglieder kommen aus 20 verschiedenen Ländern, aus vier Kontinenten. „Wie wir den Zusammenhalt leben, ist nicht nur ordensintern enorm wichtig, sondern auch unsere große Chance, in den nach rechts driftenden Gesellschaften Europas zu wirken. Von Kroatien bis Frankreich – überall ist Fremdenfeindlichkeit ein Trend und Gemeinsamkeit ein Wert.“

Junge Ordensmänner brauchen Zusammenhalt und Raum zur Entfaltung

Strukturreform ist ein ebenso aktuelles wie sperriges Wort. Aufgrund der demografischen und religionssoziologischen Entwicklung ist sie sowohl in Ordensgemeinschaften als auch in Diözesen notwendig. Aber wie? „Wie kommen wir von größeren Strukturen zu kleineren Strukturen, ohne dass die jungen Mitbrüder dabei unter die Räder kommen?“, fragt sich Provinzial Stephan Dähler mit Blick auf die ambitionierten Steyler Missionare, die vorwiegend aus Asien und Afrika nach Europa kommen. Immer wieder kommt es vor, dass einer den Orden verlässt, weil er seinen richtigen Platz im Orden und in der Kirche nicht finden konnte. „Die zentrale Frage ist, wie die jungen Steyler Missionare ihren Zugang zum Glauben und zur Kirche einbringen können und ob sie Raum zur Entfaltung bekommen, ohne in immer größer werdenden pastoralen Räumen funktionieren zu müssen.“ 98 Prozent seiner Mitbrüder können sehr gut mit Menschen unterwegs sein, weiß der Provinzial aus Erfahrung. „Aber nur fünf Prozent sind super in Organisation und Bürokratie.“ Diese zwei Bereiche wären aber in den großen Seelsorgestrukturen immer mehr gefragt. „Das können sie nicht und wollen sie nicht – und das ist nicht die Zukunft der Kirche“, ist der Steyler Provinzial überzeugt.

Miteinander Schwerpunkte setzen

Wie das große Gebilde der Mitteleuropäischen Provinz der Steyler Missionare sinnvoll in die Zukunft geführt werden kann, hänge auch damit zusammen, wie sehr die einzelnen Niederlassungen ihre Eigenverantwortung wahrnehmen würden. Außer im niederösterreichischen Missionshaus St. Gabriel, wo über 40 großteils ältere Missionare zusammenleben, gibt es in der ganzen Provinz verstreute kleine Niederlassungen. Die Steyler Missionare arbeiten in Mitteleuropa unter anderem in der Pfarrseelsorge, in der fremdsprachigen Seelsorge und in anderen Seelsorgebereichen Seelsorge. Der Einsatz für die Weltkirche ist ihnen ein Herzensanliegen. Im Jänner 2019 treffen sie sich zu einer Provinzversammlung in St. Gabriel. „Es ist uns sehr wichtig, dass wir miteinander besprechen, welche Schwerpunkte wir ganz konkret in unserem Wirkungsbereich setzen und wie wir weitergehen.“

Vier bewegte Jahre stehen bevor

Im März 2018 konnte Provinzial Stephan Dähler das neue Seminar- und Hochzeitshotel Gabrium in Maria Enzersdorf eröffnen, im September übergab er das Missionsprivatgymnasium St. Rupert in Bischofshofen an die Vereinigung von Ordensschulen Österreichs. Am Rande von Paris haben die Steyler Missionare weitere Pfarren übernommen und leisten dort als Migrantenorden einfühlsame Seelsorge vorwiegend unter Migranten und Migrantinnen. Die Mitteleuropäische Provinz der Steyler Missionare ist in einem Wandlungsprozess, ebenso wie die Gesellschaft und die Kirche. Bis 30. April 2023 wird Stephan Dähler die Geschicke der Provinz leiten, dann werden die Steyler Missionare wieder Wahlkarten einsenden und das Generalat in Rom wird aufgrund dessen einen neuen Provinzial ernennen.

Monika Slouk

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