Ratgeber - Rat in der Glaubenspraxis

"Keiner ging verloren" – was heißt das?

Im Johannesevangelium (Kapitel 17) kommt der Satz vor: „Keiner ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens.“ Was oder wer ist da gemeint?

Um es kurz zu sagen: Mit dem „Sohn des Verderbens“ ist im Johannesevangelium Judas Iskariot gemeint. Er hat, laut den evangelischen Schriften, Jesus Christus verraten und somit an die Obrigkeit zum Prozess und zur daraus resultierenden Kreuzigung ausgeliefert. Die Stelle Joh 17,12 bezieht sich zunächst einmal auf Joh 10,28, wo es heißt: „Ich gebe ihnen („meinen Schafen“, Anm.: gemeint sind die, die mir anvertraut sind) ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen.“ Diese Stelle gehört zu einem Streitgespräch, das Jesus mit Juden am Tempelweihefest führt.

Dort ist es ihm wichtig, seine Stellung gegenüber Gott zu betonen und seiner Sorge um die Seinen Ausdruck zu verleihen. Zu den Seinen gehören natürlich diejenigen, die zu seinem Jüngerkreis zählen. Judas Iskariot gehört ebenfalls zu diesem inneren Kreis. Er hat dort die Stelle des Verwalters inne. In Joh 13,21 lesen wir: „Einer von euch wird mich verraten.“ Und weiter in 13,26: „Der ist es, dem ich den Bissen Brot, den ich eintauche, geben werde. Dann tauchte er das Brot ein, nahm es und gab es Judas, dem Sohn des Simon Iskariot.“ Dieser verlässt daraufhin das Abschiedsmahl und verrät Jesus. Somit hat er sich ganz klar und eindeutig gegen seinen Meister gewandt. Nach johannäischem Verständnis hat sich Judas so selbst ins Abseits gestellt. In Joh 13,30 lesen wir: „Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, ging er sofort hinaus. Es war aber Nacht.“ Diese Erwähnung der „Nacht“ ist ein untrügliches Zeichen für Gottferne.

Gerade bei Johannes werden Licht und Dunkelheit gleichgesetzt mit Werken, die gottgefällig sind oder eben nicht. Das zu Anfang erwähnte Zitat Joh 17,12 – keiner ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens – erhält noch den Zusatz „damit sich die Schrift erfüllt“. Hier wird auf Psalm 41,10 angespielt: „Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot aß, hat gegen mich geprahlt.“

Jesus versucht in seinen Abschiedsreden (Joh 13–17) deutlich zu sagen, dass alle, die an ihn glauben und ihm vertrauen, behütet und geborgen sind. Verständlich, dass der, der ihn dann doch verrät und ausliefert, davon ausgenommen ist. Andere haben sich auch nicht richtig verhalten. Petrus hat ihn verleugnet, und auch die anderen Jünger waren nicht bis zum Ende bei ihm. Im Letzten wird es Gottes Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sein, die über Heil und Verderben entscheidet. 

Januar 2019

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Bisherige Beiträge

Seit sie 16-jährig gefirmt und anschließend Ministrantin wurde, möchte sie sich ganz in den Dienst der katholischen Kirche stellen: Jacqueline Straub...

[weiter...]

Uta Slotosch, 51, aus Berlin arbeitete für sechs Wochen mit den Steyler Schwestern im Hochland von Papua-Neuguinea. Ihr Fazit: wahrnehmen, nicht...

[weiter...]