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Klimastreik statt Weltreise

Fridays-for-Future-Aktivistin Maira Kellers wünscht sich eine klimafreundliche Politik. Dafür streikt sie und verzichtet auch auf viele Annehmlichkeiten

Sie organisiert Demonstrationen, beantwortet Presseanfragen und versucht die Klimapolitik der Regierung zu verändern: Die 14-jährige Maria Kellers engagiert sich bei "Fridays for Future" in Köln.

Maira Kellers steht auf dem Alter Markt im Herzen Kölns. Hier streikt die örtliche Fridays-for-Future-Bewegung jede Woche. Immer mittendrin: Maira. Die zierliche 14-Jährige demonstriert nicht nur, sie organisiert und koordiniert die Protestmärsche auch und ist zudem die örtliche Pressesprecherin. Ein volles Pensum für die Neuntklässlerin. Doch wer Maira Kellers einmal dabei zugesehen hat, wie sie mit energischen Schritten über den Alter Markt eilt, der zweifelt nicht daran, dass sie sich mit ganzer Kraft der Klimarettung widmet.

Klimaschutz contra Schule

Dafür nimmt sie auch persönliche Nachteile in Kauf. Ihre Schulnoten leiden unter den langen Stunden, die sie in die Organisation der Demonstrationen steckt. Früher schrieb die Gymnasiastin Einser, heute sind es Vieren. Das ist Maira nicht egal, sie würde lieber zur Schule gehen als zu demonstrieren. Doch der Klimaschutz ist ihr wichtiger. Dafür nimmt sie es in Kauf, später vielleicht keinen gut bezahlten Job zu haben. Solange die Umwelt dann nicht mehr gefährdet ist, ist das für Maira in Ordnung.

Bei so viel Aktivismus kommen Schlaf und Freizeitaktivitäten schon mal zu kurz. Doch Maira lässt es nicht bei ihrer Tätigkeit bei Fridays for Future bewenden. Sie fährt viel Fahrrad, und wenn das nicht geht, nimmt sie die öffentlichen Verkehrsmittel. Geflogen ist sie in ihrem Leben nur einmal – da war sie fünf.

Die Weltreise fällt aus

Ihre Ernährung ist vegetarisch, vegan gar, wenn es geht. Trotzdem sagt sie: „Man kann ziemlich wenig selbst tun.“ Denn der Klimaschutz solle nicht alleine davon abhängen, was jeder Einzelne tut. „Es sollte nicht so sein, dass wir uns einschränken müssen“, erklärt sie. Sie spricht sehr schnell, beinahe überschlägt sich ihre Stimme. Man hört, wie sehr sie für die Umwelt brennt. Die Natur nicht zu belasten sei teuer und häufig kompliziert, so Maira. „Es ist ein Privileg, klimafreundlich zu leben.“ Genau das dürfe es aber nicht sein. Es sei die Aufgabe der Politik, den Klimaschutz nachhaltig zu gestalten. Denn Maira erwartet von niemandem, ein Zugticket für 200 Euro zu kaufen, wenn der Flug 17 Euro kostet.

„Das Problem ist die Politik, die auf die Konzerne hört“, findet sie. Besonders eine Energiewende ist ihr wichtig, da der Einzelne gerade hier kaum persönlich gegensteuern könne. Bei anderen Aspekten wie etwa der Ernährung gehe das schon eher.

Sie und die Fridays-for-Future-Bewegung fordern daher, dass Deutschland sich an das Pariser Klimaabkommen hält, an einen Kohleausstieg bis 2030 und an eine Versorgung aus 100 Prozent erneuerbaren Energien bis 2035. Das Klimapaket der Großen Koalition von Ende 2019 bezeichnet sie als „lächerlich“. Es reiche nicht.

Eigentlich würde sie gerne nach dem Abitur eine Weltreise machen. Das wird schwer ohne Flugzeug. „Dann fahre ich eben nach Frankreich und nicht nach Thailand“, sagt sie. Das ist es ihr wert.

Nadine Vogelsberg

März 2020

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