Brauchtum

Kräuterbüschel zu Mariä Himmelfahrt

Die duftenden Buschen sind am „Hohen Frauentag“, Mariä Himmelfahrt, nicht wegzudenken. Im Salzburger Pinzgau werden die Heilkräuter mit viel Hingabe gepflückt, gebunden und in der Kirche gesegnet.

Die riesigen Kräuterbuschen der Bauern in St. Martin bei Lofer (Salzburger Land) sind Kunstwerke.

Roswitha Schmuck aus dem Salzburger Land freut sich jedes Jahr auf das Pflücken der Pflanzen zu Mariä Himmelfahrt. Dabei bezieht sie auch ihre Familie mit ein „weil dieses Ritual eine starke Bindungskraft zwischen allen Beteiligten entwickelt.” Sie holt die frische Minze, die Schafgarbe und die Königskerze von der Weide. Ringelblumen kommen aus dem eigenen Garten. Arnika, Wermut, Johanniskraut, Kälberkuhkraut und den langstieligen roten Pannonischen Enzian bringen die Familienmitglieder von den Bergwiesen herab. Auch Wasserdost, Kamille und Goldrute kommen bei der Bäuerin traditionell in den Buschen.

Kräuter für die Muttergottes

So entsteht beim Thurnbauern im Salzburger Pinzgau jedes Jahr wieder ein prächtiger Kräuterbuschen. Einen halben Meter im Durchmesser, so groß, dass ihn die Landwirtin kaum mit den Armen fassen kann. Zwei Tage vor dem Marienfeiertag am 15. August macht sie sich zusammen mit ihrem Mann, der Schwägerin und „dem Opa“ auf, um die Kräuter auf den Wiesen im Tal oder auf den Berghängen zu pflücken. „Wir kennen die Plätze, an denen die Kräuter zu finden sind. Der rote Enzian zum Beispiel wächst auf der Loferer Alm.“

©Christine und Walter SchweinösterAm 14. August beginnt Roswitha mit dem Rollen des Buschen. Dazu legt sie eine Decke auf einen Tisch, darauf kommt eine Lage Kräuter nach der anderen. „Ich beginne mit der helllila blühenden Minze, die dann außen alles zusammenhält. Die gelbe Königskerze gebe ich gerne in die Mitte. Dazu kommen bei mir auch noch ein paar Zweige vom Haselnussstrauch“, erzählt Schmuck. „Das soll an die Legende erinnern, dass die Gottesmutter Maria, als sie übers Gebirge ging, unter einem Haselnussstrauch gerastet hat.“

Mit dem Kräuterbusch zum Segen

Um den Strauß zusammenzurollen, braucht sie die Unterstützung ihres Ehemanns. „Da muss man zu zweit sein!“ Sepp umwickelt die Stiele fest mit Kordel, damit der Buschen gut zusammenhält.

Am Morgen des 15. August nehmen Roswitha und ihr Mann den großen Buschen zur Festmesse in die Pfarrkirche mit. Fast alle Gottesdienstbesucher haben größere und kleinere Kräuterbuschen dabei. Am Ende der Messe segnet der Priester die Buschen mit Weihwasser und Weihrauch.

Die ganze Geschichte lesen Sie bei uns im Heft.

Christine Schweinöster/Ursula Mauritz

Juli 2020

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