Interview

"Liebe ermöglicht ein reicheres Leben"

Der Schauspieler Wanja Mues hat bei seinem Vater eine ablehnende Haltung zum Glauben erlebt. Dennoch bekennt sich der 45-jährige zum christlichen Glauben und ließ sich im Erwachsenenalter taufen. stadtgottes-Redakteurin Melanie Fox hat mit ihm gesprochen

In Ihren Rollen schlüpfen Sie in viele unterschiedliche Lebenswelten. Wie ist das?

Besonders spannend ist es in Rollen zu schlüpfen, die mir persönlich sehr fern sind. Beispielsweise Menschen darzustellen, die böse sind. Ich glaube nicht daran, dass jemand böse geboren wird, im Kern sind wir Menschen alle gleich. Und diesen Kern in der Arbeit freizulegen macht meinen Job besonders interessant. 

Kommen Sie da an Ihre Grenzen?

Klar. Bei diesen Figuren deren Charakter und Handlungen mir total fern liegen, versuche ich mir eine Situation vorzustellen, die bei mir ähnliche Gefühle auslösen würde. Wichtig ist mir auch, die Rolle nicht „mit nach Hause zu nehmen“, sondern sie beim Abschminken quasi in der Maske zurückzulassen.

Sind Sie ein religiöser Mensch?

Mein Vater war Atheist, wollte mit Glaube nichts zu tun haben, also wurde ich als Kind nicht getauft. Meine Mutter hat uns Kindern aber beigebracht, an etwas zu glauben.

An was denn?

Dass uns eine Kraft, eine Energie beiseitesteht. Ich bin mit dem Gefühl aufgewachsen, dass auf jeden Fall noch was anderes existiert als das, was wir sehen und begreifen können. Auch bin ich davon überzeugt, dass Schutzengel mir in schwierigen Situationen zur Seite stehen.

Was verbinden Sie mit der Bibel?

Eine meiner ersten Hörspielproduktionen war die Figur des Jesus im Matthäus-Evangelium. Auf diese Rolle habe ich mich sehr intensiv vorbereitet. Ich wäre aber fast daran gescheitert, da ich zu Anfang die Begeisterung, diese besondere Aura des Jesus, nicht vermitteln konnte. Es hieß von Regieseite immer „Wanja, Du musst den Jesus nicht nur spielen, Du musst Jesus sein, sonst wird das nicht überzeugend“. Aber wie ist man Jesus? Ich habe viele Tage und Nächte mit mir und der Rolle gerungen, bis es dann schließlich doch ganz toll geworden ist.

Als Erwachsener haben Sie sich dann doch taufen lassen ...?

Meine Frau, die katholisch erzogen wurde, wollte gerne kirchlich heiraten. Mit dem örtlichen Pfarrer habe ich dann mehrere Gespräche geführt. Ich wurde dann evangelisch getauft, wir haben kirchlich geheiratet.

Warum evangelisch?

Ich kann mehr mit der Glaubensvermittlung der evangelischen Kirche anfangen. Weil ich sie als nicht so reglementiert und strikt wie die katholische Kirche wahrnehme. Weltliche Fragen, wie zum Beispiel von gleichgeschlechtlicher Liebe sind für mich nachvollziehbarer.

Wie stehen Sie zum Papst?

Anfangs war ich ein großer Fan von Papst Franziskus, bis bestimmte Dinge dann doch wieder sehr altmodisch anmuteten. Aber zumindest hatte ich die Hoffnung, dass sich mehr tut, als sich bis jetzt getan hat. Mir gefällt die einfache Weise, wie er sich den Menschen nähert und öffnet.

Was missfällt Ihnen?

In bestimmten Bereichen ist die katholische Kirche immer noch sehr weltfremd. Die Überbevölkerung und bestimmte Krankheiten, wie zum Beispiel Aids, sind ein Problem, da gibt es naheliegende Lösungen, die von der Kirche nicht immer mitgetragen werden.

Begegnen Sie dem Glauben im Alltag?

Für mich ist wichtig, dass unsere Kinder (12 und 13 Jahre) sich neutral mit Kirche und Glaube beschäftigen und nicht wie ich durch meinen Vater eine ablehnende Haltung erfahren.

Sie haben Ihre Eltern durch einen tragischen Unfall verloren. Wie sind Sie damit fertig geworden?

Mein Anliegen nach ihrem Tod war, meinen Kindern und allen Menschen, die mir nahestehen, zu sagen: Befasst euch frühzeitig mit dem Tod. Der Tod wird zum Feind erklärt, obwohl er doch ein Freund ist – er ist Anfang und Ende. Ich glaube auch nicht, dass nach dem Tod nichts mehr kommt.

Also hoffen Sie, dass Sie Ihren Eltern wieder begegnen?

Das hoffe ich nicht nur, ich bin mir sicher.

Wofür sind Sie Ihren Eltern dankbar?

Für die viele Liebe, die sie mir geschenkt haben. Ich glaube, dass ein Mensch, der mit viel Liebe aufwächst, ein reicheres Leben führt, als jemand, der in der Kindheit mit den Härten des Alltags konfrontiert ist.

Melanie Fox

Juni 2019

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Zur Person

Wanja Mues, 45, stand schon mit elf Jahren vor der Kamera. Er ist regelmäßig in Film und Fernsehen zu sehen, spielt Theater und ist Hörbuchsprecher. Seit 2014 spielt er den Privatdetektiv Leo Oswald im ZDF-Krimi „Ein Fall für zwei“. Auch in internationalen Produktionen wie „Die Bourne-Verschwörung“ oder „Der Pianist“ wirkte er mit. Wanja Mues ist verheiratet und hat zwei Kinder.