Kultur

Maria in China

Christliche Themen in traditioneller chinesischer Malweise – das erleichterte den Menschen dort den Zugang zu der für sie fremden Religion

Die "Madonna mit den vielen Engeln" malte der Künstler Wang Su-Ta, 1937

Helle, porzellanweiße Haut, tiefschwarze, hochgesteckte Haare und eine anmutige Figur: Maria ist Chinesin. Das Bild ist Teil einer Ausstellung chinesischer christlicher Bilder, der sogenannten „Ars Sacra Pekinensis“, die zurzeit im Museum der Steyler Missionare in Sankt Augustin zu sehen sind.

In den 1930er- und -40er-Jahren begannen chinesische Künstler an der Katholischen Fu-Jen-Universität in Peking damit, christliche Geschichten und Themen in traditioneller chinesischer Malweise darzustellen. So trägt die Madonna des Künstlers Chen Yuandu nicht nur chinesische Gesichtszüge oder die landestypische Kleidung. Das Jesuskind in ihren Armen ist gebettet auf einer Decke aus Vogelfedern. Damit weist der Künstler auf die überirdische Herkunft des Kindes hin: Es ist nicht nur Mensch, sondern auch Gottessohn.

Auf vielen Bildern der Ausstellung sind chinesische Traditionen und Vorstellungen mit biblischen Geschichten verwoben. Sich auf diese fremde Welt einzulassen, ermöglicht dem Betrachter neue Zugänge und Ideen zu altbekannten Geschichten. Bilder oder andere Kunstgegenstände aus fremden Kulturkreisen regen dazu an, die eigenen Vorstellungen zu relativieren und zu erweitern.

In dem Bild „Mariä Aufnahme in den Himmel“ führen Vögel, wohl Tauben, die Gottesmutter hinauf in den Himmel. Tauben stehen in China für Treue und Langlebigkeit. Für den Künstler Lu Hongnian unterstreichen sie möglicherweise zwei wichtige Aspekte der theologischen Vorstellung, die zu diesem Dogma führte: Maria lebt weiter im Angesicht Gottes. Sie ist mit Leib und Seele aufgenommen in den Himmel. Das ist nur möglich, weil sie in unvergleichlicher Treue ihr Leben Gott weihte. Und: Gott selber ist treu. Er nimmt Maria auf in sein Reich.

© SVDDie Kunstabteilung der Katholischen Fu-Jen-Universität in Peking widmete sich ursprünglich weniger der religiösen Kunst, sondern vielmehr profanen Themen. Dennoch gelang es den Lehrenden, einige Studenten für christliche Themen und Motive zu interessieren. Eine wichtige Rolle spielte dabei der Steyler Missionar Bruder Berchmans Brückner (1891–1985), der die Abteilung für westliche Malerei an der Fu-Jen-Universität leitete. Er begeisterte seine meist nicht-christlichen Studenten zunächst für Weihnachtsdarstellungen, die sehr erfolgreich in verschiedenen Ausstellungen gezeigt und auch verkauft wurden.

Biblische Inhalte und Themen wurden in chinesischer Umgebung und mit chinesischen Symbolen dargestellt. Das erleichterte den Menschen den Zugang zu dieser fremden Religion. Der Erfolg führte dazu, dass die christliche Malerei als eigenständige Malschule in China etabliert wurde. Mit dem politischen Umbruch im Land 1949 und der Schließung der katholischen Universität ging die Kunstrichtung der Ars Sacra Pekinensis zu Ende.

Angesichts der aktuellen Debatte um die „Sinisierung“ der Religionen in China, also deren Anpassung an die chinesische Kultur, könnte diese Darstellung biblischer Szenen und Motive im „chinesischen Gewand“ wieder neue Bedeutung erlangen.

Monika Schell/ Barbara Hoster

Mai 2019

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Zur Ausstellung

Die Ausstellung ist noch bis Ende Juni im Haus Völker und Kulturen in Sankt Augustin zu sehen

www.haus-voelker-und-kulturen.de