Steyler Welt

"Meine Mission ist Zaubern"

Er ließ Kinder staunen und Prominente schweben: Für Pater Hermann Bickel war das Zaubern ein missionarischer Auftrag. In unserer Serie "Schatz der Alten" erzählt er, wie er Zuschauer glücklich machte und Geld für die Armen sammelte

Pater Hermann Bickel wurde 1938 in Rheine (Münsterland) geboren und besuchte dort das Gymnasium St. Arnold der Steyler Missionare. Nach seinem Studium kam er 1977 als Lehrer für Religion und Pädagogik zurück nach St. Arnold und blieb dort bis 2008. Zunächst als Studiendirektor und nach seiner Pensionierung als Schulseelsorger. „Als Erinnerung habe ich mir einen Stuhl aus der Kapelle mitgenommen, das verbindet mich bis heute mit meiner Quelle.“

Meine Reise mit den Steyler Missionaren fing im Missionshaus St. Arnold bei Rheine an. Ich kam als Internatsschüler und ahnte damals noch nicht, dass ich fast mein ganzes Leben in St. Arnold verbringen würde. Ich bin Gott noch heute dankbar für diese Fügung. Was die Missionare dort vorlebten, war lebendiger Glaube. Es ging nicht darum, ‚die Seele des Einzelnen zu retten’, wie es in der Amtskirche gerne noch hieß. Diesen Egoismus gab es nicht. Nein, es ging immer schon darum, alle Menschen gleichermaßen ‚zu retten’. So stand mein Entschluss fest, dass ich Steyler werde.

© Münsterländischen Volkszeitung RheineIch träumte von Afrika oder Asien, doch meine Gesundheit machte mir immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Irgendwann habe ich akzeptiert, dass meine Mission eine andere werden würde: das Zaubern. Als ich in jungen Jahren sehr krank war, vertrieb ich mir die schlaflosen Nächte mit Karten- und Seilkunststücken. Noch vor meiner Priesterweihe habe ich die Aufnahmeprüfung für den Magischen Zirkel bestanden. Die Kombination ist perfekt: Ich bin Ordensmann bei der Gesellschaft des Göttlichen Wortes, und als Mann des Wortes wurde ich Sprechzauberer.

Ich reiste mit meinem Zauber-Mobil durch Deutschland, hatte fast 100 Auftritte im Jahr. Und in den fast 60 Jahren als Zauberpater hatte ich wahrlich berühmte Assistenten: Rudi Carrell, Hape Kerkeling oder Frank Elstner. In über 50 Fernsehauftritten traf ich auch auf Jörg Pilawa. Der wollte, dass ich ihn in seiner Show schweben lasse. Habe ich gemacht. Hat geklappt. Zum Glück. Denn diesen Trick kann ich nur sehr schwer kaschieren. Wenn bei Kinderaufführungen etwas schiefging, konnte ich immer sagen, dass ich wohl zu wenig oder zu viel Zaubersalz verwendet hätte.

Durch meine Zauberei kam ich mit sehr vielen Menschen in Kontakt. Natürlich auch mit solchen, die der Kirche fernstanden. Besonders froh machte es mich, wenn nach der Vorführung Menschen zu mir kamen und sagten, dass sie durch mich der Kirche, Religion und dem Glauben anders begegnet seien. Dabei war Zaubern war für mich nie ein Medium der Glaubensverkündigung. So möchte ich meine Zauberei nicht verstanden wissen. Wenn ich ein Gewand trug und die heilige Messe feierte, war ich Priester und wollte im Dienst der Frohen Botschaft ein Zeichen der Hoffnung setzen. Trat ich als Zauberer auf, wollte ich den Menschen Freude machen, ihnen eine unbeschwerte Stunde schenken. Getreu meinem Motto: „Es macht Freude, Freude zu machen; es ist gesund, sich krankzulachen.“

Durch meine Auftritte konnte ich sehr viele Spenden für fast 100 verschiedene Projekte in aller Welt sammeln und die Steyler Missionare bekannt machen. Gerne hätte ich einen Nachfolger gehabt. Doch mein zwischenzeitlicher Zauberlehrling ist aus dem Orden ausgetreten. So wird die Zauberei mit den letzten großen Auftritten beim Klosterfest (15. und 16. Juni in Sankt Augustin, Anm. d. Red.) für mich zu Ende sein. Schon seit meinem Umzug nach Sankt Wendel im Jahr 2016 habe ich meine Auftritte deutlich reduziert. Wobei ich mir den Schalk und die Freude an der Sprache erhalten habe.

Mit über 80 ist mir klar, dass die nächste Station der Friedhof ist. Angst habe ich nicht. Ich freue mich darauf. Denn ich glaube daran, dass das Beste ja dann erst losgeht. Und wenn ich diese Hoffnung durch mein Wirken ein wenig verbreiten konnte, ist meine Mission erfüllt.

© zVg

Aufgezeichnet von Steffi Mager

Juni 2019

Kommentare (1)

  • Zauberpater Hermann B!CKEL SVD
    Zauberpater Hermann B!CKEL SVD
    am 27.05.2019
    DANK an Steffi Mager und an die stadtgottes-Redaktion. Herzliche Segenswünsche und zauberhafte Schimmel-Grüße aus St.Wendel
    Hermann (Zauberpater Schimmel - Steyler Missio-"Narr")

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Bisherige Folgen der Serie

In unserer Serie "Der Schatz der Alten" stellen wir Ihnen jeden Monat einen besonderen Schatz aus der Steyler Ordensfamilie vor. Hier finden Sie die bisherigen Folgen:

Sr. Tarcildis SSpS

Br. Heinz Helf SVD

P. Gerhard Lesch SVD

Sr. Marianeldis SSpS

P. Herbert Scholz SVD