Interview

„Meinen Lebensabend möchte ich gerne im Altenheim verbringen“

Anne Gesthuysen kennen viele aus ihrer Zeit als Moderatorin des ARD-Morgenmagazins. Im stadtgottes-Interview spricht sie über Glaube und Glück.

Anne Gesthuysen moderierte von 2002 bis 2014 das ARD-Morgenmagazin.

Was bedeutet Glück für Sie?

Glück ist vor allem ein Zustand von Zufriedenheit. Zufriedenheit mit sich selbst ist sehr wichtig, sonst wird das nichts mit dem Glück. Glücklich macht mich meine Familie, sie ist mein größter Anker. Ich lebe in einer funktionierenden Beziehung – was will ich mehr?

Was macht Ihre Beziehung so glücklich?

Eine grundsätzliche Übereinstimmung. Wir schauen mit dem gleichen Blick auf das Leben. Das macht es auch nicht langweilig, ganz im Gegenteil. Früher gab es nicht viel mehr als die eigene kleine Familie, heute stehen wir im ständigen Austausch mit anderen Menschen. Da ist es sehr angenehm, nach Hause zu kommen und dort Ruhe zu finden, sich nicht permanent beweisen zu müssen.

Sie kommen aus einem katholischen Elternhaus am Niederrhein. Hat Sie die katholische Erziehung geprägt?

Oh ja, manchmal mehr, als mir lieb ist. Es gibt Momente, da will ich lieber nichts glauben, stelle dann aber fest, dass ich das nicht kann.

Woran glauben Sie?

Ich glaube, dass man die Talente und Fähigkeiten, die einem gegeben wurden, nutzen muss, für sein Leben einen Sinn suchen sollte. Der christliche Glaube zeigt auf, wie wichtig Gemeinschaft und Mitmenschlichkeit sind. Mein Glaube ist in mir verankert und somit ist es für mich nicht vorstellbar, mein Leben sinnlos zu gestalten.

Glauben Sie denn an einen Gott?

Ja, weil ich mir das Nichts nicht vorstellen kann. Ich denke nicht, dass alles, was ich denke und tue und was passiert, purer Zufall ist.

Halten Sie Zwiesprache mit Gott?

Weniger mit zunehmendem Alter. Als Kind habe ich häufig Bitten losgeschickt, das mache ich heute noch manchmal. Gleiches gilt fürs Danken, was mir um einiges leichterfällt.

Wie erziehen Sie Ihren Sohn?

Im Sinne der christlichen Werte. Er ist katholisch getauft, wird mit zur Kommunion gehen. Abends vorm Einschlafen erzähle ich ihm von seinem Opa, den er nie kennengelernt hat, erzähle ihm, dass er nicht weg ist, solange wir an ihn denken.

Wo gedenken Sie der Verstorbenen außerdem?

Wenn wir eine Stadt besuchen, gehen wir häufig in eine Kirche, zünden eine Kerze zum Gedenken an, halten einen Momente inne.

In Ihrem Buch „Mädelsabend“ beschreiben Sie das Leben in einem Seniorenheim. Welche Art von Lebensabend wünschen Sie sich?

Ich wünsche mir, im besten Fall mit zwei oder drei befreundeten Paaren ins Altenheim zu ziehen, zu einem Zeitpunkt, an dem man noch fit ist. Man trifft sich auf dem Flur, unternimmt etwas zusammen – das stelle ich mir schön vor.

Welche Rolle spielt der Glaube am Lebensende?

Meine Mutter und auch meine Tante sind beide sehr jung gestorben, aber in einem langen Prozess. Beide hatten Krebs und wussten auch irgendwann, dass sie diesen Krebs nicht besiegen können. Der Glaube hat ihnen Halt gegeben. Vielleicht wäre das bei mir auch so, ich mag das nicht ausschließen. 

Melanie Fox

November 2019

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Zur Person

Anne Gesthuysen, 50, war Moderatorin des Morgenmagazins. Heute schreibt sie Romane, die alle zu Bestsellern avancierten. Ihr Buch „Wir sind Schwestern“ wurde bereits fürs Fernsehen verfilmt. Mit ihrem Mann Frank Plasberg hat sie einen Sohn und lebt in Köln.