Interview

„Menschen, die ich liebe, geben mir Kraft“

Erfrischend gibt die Hautärztin Yael Adler im Fernsehen und Radio Experten-Rat. stadtgottes-Redakteurin Melanie Fox hat mit ihr über Privates gesprochen

Yael Adler, 46, studierte Medizin und ist erfolgreiche Autorin. In ihrem Buch „Darüber spricht man nicht“ erzählt sie humorvoll von Tabuzonen des Körpers. Sie lebt mit Ehemann und zwei Kindern in Berlin.

Sie sind Ärztin aus Leidenschaft. Was ist Ihre Motivation?

Es ist ein Beruf, den man überall ausüben kann. Außerdem ist er vielseitig und nie langweilig. Und: Ich bin Hypochonderin. Schon immer hatte ich Angst vor Krankheiten, ein Grund, warum ich Medizin studiert habe. Ich will genau wissen, ob ich wirklich krank bin oder nicht. Die Angst vor Krankheiten oder gar dem Tod ist für mich auch die beste Motivation, auf meine Gesundheit zu achten: Ich rauche nicht, trinke maßvoll, ernähre mich gesund, treibe Sport, schlafe und liebe. Das Leben ist ein Geschenk, Gesundheit ist ein großes Geschenk. Deswegen finde ich es auch manchmal schade, dass viele Menschen so oft wegen Kleinigkeiten mit sich hadern.

Sie sagen, Sie haben Angst vor dem Tod ...

Ich versuche, den Tod nicht als Tagesthema zu haben, man lebt ja auch gut mit Verdrängung. Ich weiß, dass ich durch meine Kinder weiterlebe, das tröstet. Außerdem wird die Angst kleiner, wenn man seine Träume und Wünsche kennt und sie auch umsetzt. Man sollte das Beste aus seinem Leben machen – und das versuche ich!

Sie können stolz auf sich sein!

Es ist mehr das Gefühl, erfüllt zu sein. Bei meinen Ideen, Wünschen und Träumen bin ich wie ein Langstreckenläufer. Ich laufe und laufe und freue mich, wenn ich dem einen Ziel näher komme oder ich unterwegs kleine Zwischenziele erreiche. Ich kann mich an meinem Beruf, meiner Familie und an den kleinen schönen Dingen, die mir im Leben widerfahren, sehr erfreuen

Ihr Vater ist Religionswissenschaftler, Sie sind mit dem jüdischen Glauben aufgewachsen. Was schätzen Sie an den Religionen?

Die Wertevermittlung, sei es im Juden- oder Christentum. Werte wie beispielsweise die Mitmenschlichkeit. Ich denke, ich habe ein gutes Herz, denn ich bin ein Mensch, der gerne hilft, wo er kann.

Wofür sind Sie Ihren Eltern dankbar?

Für das Urvertrauen, die Stabilität, den Optimismus, den Biss, an Dingen dranzubleiben, meine Ziele zu verfolgen, nicht aufzugeben. Sich geliebt zu fühlen und ein gutes Selbstbewusstsein zu haben. Nicht immer an mir zu zweifeln. Meine Eltern haben sicherlich, wie alle Eltern, nicht alles richtig gemacht, aber sehr viel. Ich kann lieben und werde geliebt, ich hadere auch zuweilen mit mir, aber nicht zu sehr.

Glauben Sie, es gibt einen Gott?

Als Kind habe ich dies so vermittelt bekommen. Für mich ist es ein unerklärliches Grundgefühl, ich möchte es gerne glauben. Ich finde es schön, wenn Religion den Menschen Halt, Orientierung und Trost gibt. Oftmals sind Religionen aber auch Basis für Streit und Kriege. Dann hat Religion ihren Sinn verfehlt.   

Sie haben zwei Söhne. Wie bringen Sie ihnen den Glauben nahe?

Wir halten uns an jüdische Feiertage, dann gehen wir auch in die Synagoge.

Vieles läuft gut in Ihrem Leben. Haben Sie denn auch schon mal Angst, zu versagen?

Klar, kenne ich Versagensängste. Ich versuche, Fehler zu vermeiden, möchte vieles „richtig“ machen, weiß aber mittlerweile natürlich auch, dass Fehler menschlich sind und dazugehören. Das ist erleichternd. Wenn ich auf Vortragsreise gehe, habe ich immer Sorge, dass die Technik versagen könnte, daher verzichte ich komplett darauf, verlasse mich besser nur auf mich selbst und gestalte meine Vorträge frei ohne Powerpoint, was in der Medizin unüblich ist. 

Wie gehen Sie mit Verlust um?

Außer dem Tod meiner Oma als Kind hatte ich, Gott sei Dank, bisher noch keinen schlimmen Verlust zu verarbeiten. Ich trage die Erinnerung an sie für immer im Herzen. Berufliche Niederlagen sind und waren Stressmomente, aber es gibt immer einen neuen Weg, der sich auftut. Im Unglück das Glück zu finden und zu erkennen, dass Krisen vorbeigehen können und sich daraus neue Wege und Möglichkeiten entwickeln, sind wichtige Erfahrungen. 

Melanie Fox

März 2019

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