Interview

Michael Pink: „Es sind die Menschen, die für mich Heimat bedeuten“

Als der Schauspieler Michael Pink und unsere Redakteurin Melanie Fox für dieses Gespräch telefonierten, war Michael Pink gerade mit seiner Familie in seiner Heimat Kärnten im Urlaub. Was lag da näher, als sich über Heimat und Familie zu unterhalten?

Schauspieler und Musiker: Er singt, komponiert Musik und dreht auch eigene Videoclips.

Welche ist Ihre schönste Erinnerung an Ihre Kindheit in Österreich?

Den ganzen Tag im Freien verbringen zu können! Von unserer Wiese hinterm Haus konnte ich direkt in den Wald gehen, diese Freiheit habe ich sehr genossen. Und dass ich mit meinen Freunden aus der Grundschule ganz eigenständig und unbeschwert den Tag draußen verbringen konnte. Alle Erwachsenen in unserem Dorf kannten mich und ich kannte sie, ich fühlte mich immer beschützt. Es war einfach so überschaubar klein, das war etwas ganz Tolles.

Würden Sie sich als glücklichen Menschen bezeichnen?

Definitiv. Dazu haben meine Kinder viel beigetragen. Erziehung kann mitunter anstrengend sein, Vater zu sein gibt mir emotionalen Auftrieb!

Schon als Kind hatten Sie den Wunsch, nach Berlin zu gehen, ohne jemals zuvor dort gewesen zu sein. Warum?

Diesen Wunsch habe ich als kleiner Junge in mein Tagebuch geschrieben. Viele Jahre später, als ich bereits in Berlin lebte, habe ich das durch Zufall entdeckt und noch mal gelesen. Es muss tief in meinem Innern gesteckt haben, ich habe keine rationale Erklärung für diesen Wunsch.

Was bedeutet Heimat für Sie?

Es gibt viele Orte, an denen ich mich heimisch fühle, zum Beispiel in meinem Heimatdorf: Wo ich als Kind gespielt habe, da ist für mich immer noch ein Stück Heimat. Im Laufe meines Lebens habe ich aber immer mehr gemerkt, dass es besonders die lieb gewonnenen Menschen sind, die für mich Heimat bedeuten. Wenn ich mit meiner Frau und meinen Kindern zusammen bin, fühle ich mich sicher und geborgen. Freunde sind für mich eine erweiterte Heimat.

Für den Film „Die beste aller Welten“ singen Sie den sehr gefühlvollen Titelsong „Fia di“, den Sie auch selbst geschrieben haben im Wiener Dialekt. Welche Gefühle hat es bei Ihnen ausgelöst, in Dialekt zu denken und zu singen?

Der Gedanke war für mich erst mal befremdlich, da ich zuvor nur Texte in Englisch geschrieben und gesungen habe. Doch dann ging es ganz leicht. Am Wiener Dialekt mag ich, dass man auch mal sehr böse sein darf, es sprachlich sehr schräge Bilder gibt, die dann aber dennoch charmant rüberkommen.

Wann sprechen Sie in Ihrer Heimatsprache?

Wenn ich meine Eltern besuche, Freunde aus der Gegend treffe, verfalle ich ziemlich schnell ins Kärntnerische.

Sie sind christlich erzogen worden. Was bedeutet es Ihnen zu glauben?

Für mich ist klar, dass es mehr gibt, als wir sehen. Das tut mir gut und hilft mir. Glaube ist für mich das Gegenteil von Abgrenzung. Eine höhere Dimension, die mich weiterbringt, ohne zu bewerten.

Mehr Fragen und Antworten lesen Sie in unserer Zeitschrift.

Melanie Fox

Oktober 2020

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Zur Person

Der Österreicher Michael Pink, 43, ist Schauspieler, Synchronsprecher und Sänger. Er absolvierte ein Gesangs- und Schauspielstudium am Wiener Franz Schubert Konservatorium.

Einem breiten TV-Publikum ist er bekannt durch seine Rollen in verschiedenen „SOKOs“  und „Tatort“-Verfilmungen  sowie Episodenhauptrollen in den etablierten TV-Reihen „Ein starkes Team“  und „Schnell ermittelt“.

Neben deutschen und österreichischen Kinoproduktionen, wie „Die beste aller Welten“ oder „Wienerland“, wirkte er auch in internationalen Produktionen mit, wie dem James-Bond-Film „Skyfall“.

Er ist verheiratet und lebt  mit seiner Frau und den beiden Kindern in Berlin.