Steyler Welt

Missionar mit dem Pinsel

Bruder Roland Scheid gibt dem Missionshaus in Steyl ein buntes Gesicht

Der „Tänzer mit dem Schirm“ gehört zu Bruder Rolands Lieblingsbildern

Pure Kraft und reine Leichtigkeit. Mit dem Schirm in der Hand springt der junge Mann durch das Bild –mit der Luft gegen den Wind. Wache Augen, alle Muskeln gespannt, und doch sieht es aus, als ob er fliegt. Der Tänzer im Missionshaus St. Michael von Steyl zieht viele Blicke auf sich.

Auch sein Maler mag ihn. „Meine Bilder erzählen vom Suchen. Ich will nicht behaupten, dass ich es schon gefunden habe. Aber ich entdecke immer mehr die Einheit hinter allem.“ Bruder Roland Scheid ist der Rektor des Missionshauses, 30 Mitbrüder leben mit ihm an diesem Ort des Anfangs der Steyler Idee. Der 54-Jährige leitet auch das Gästehaus im Kloster. 8000 Übernachtungen im Jahr, die Zimmer sind auf Jahre ausgebucht. Vor allem die Teilnehmer von Stille- und Besinnungskursen sind froh, dass es nicht in allen Räumen selbstverständlich Beamer und Flipcharts gibt. Bruder Roland hat das Haus weitgehend auf vegetarische Kost umgestellt, es gibt keine Plastikflaschen mehr, eingekauft wird am liebsten regional. „Das hat in der Küche anfangs manche Umstellung nötig gemacht, aber man schmeckt es einfach!“

© Heinz Helf SVD

In vielen Ecken des Missionshauses überraschen die leuchtenden Bilder des Rektors die Besucher

Und weil ihm die Zukunft von Steyl nicht egal ist, plant er mit der Stiftung „Kloosterdorp Steyl“, wie die Zukunft des Klosterdorfes aussehen soll. Denn die Steyler haben alle alten Gebäude rund um ihr Missionshaus abgegeben und freuen sich über neue Bestimmungen. Bruder Roland hat Arbeit genug, und auch das Malen ist für ihn oft Anstrengung. Aber ohne sie will er nicht.

Heute ist der Rektor früh aufgestanden, in seinen weißen Maler-Overall gestiegen, die alten, farbbespritzten Latschen an den Füßen. Bis die Glocke zum ersten Gebet läutet, hat er schon eine Leinwand gestaltet: blaue Pinselstriche, zart, kräftig, dunkel, dazwischen orangefarbene Schimmer. Die sind wichtig, denn „Blau ist meine Lieblingsfarbe, und weil ich das weiß, achte ich darauf, sie nicht ausschließlich zu verwenden!“

Der Hintergrund ist fertig, was noch auf das Bild kommt, weiß er noch nicht. „Die Dinge müssen stimmen“, sagt er. Das braucht einige Konzentration. Manchmal steht er ratlos vor der leeren Leinwand: Wo fängst du bloß an? Das neue Werk mit seinem verschwommenen Hintergrund ist typisch für Bruder Rolands Malerei. „Unser Leben findet auf einem Hintergrund statt, den wir ahnen und nicht genau sehen“, erklärt er. „Es ist in Umrissen greifbar – auf einem himmlischen Hintergrund.“

Schon als Jugendlicher hatte der Junge aus Marpingen im Saarland gemalt. 1990 hörte er damit auf, als es nach dem Noviziat auf die Philippinen ging. Dort lebte er unter anderem sechs Jahre lang mit den Ureinwohnern von Mindoro, den Mangyanen. Von ihnen hat er viel gelernt. Er schätzte das einfache Leben, die Lebensfreude der Menschen, die Einheit mit der Natur und ihre Liebe zum Frieden.

2001 kam er zurück nach Steyl, und ganz im Hintergrund lauerte der Vorsatz: Irgendwann fängst du wieder an zu malen. Es war ein grauer Januartag 2012, der Himmel über der Maas ohne Farbe, Roland Scheid stand am Fenster und spürte, dass es ihm nicht gut ging – da zog er los und kaufte bunte Farben.

Seine Bilder bringen die alten Mauern zum Leuchten

© Heinz Helf SVDSeitdem schmücken viele Bilder die Wände des Missionshauses: manche riesig groß, andere zimmertauglich. Viele lieben seine Motive. „Sie sind so wunderbar farbenfroh, sie verändern das ganze Haus!“, sagt Bruder Heinz Helf, der sein ganzes Leben in dem riesigen Backsteingebäude an der Maas verbracht hat.

Manchmal fragen ihn Gäste, ob er ein Bild verkauft, aber er tut es selten. Die meisten erinnern ihn an gute Momente: die Baumreihe an der Feldkante daheim in Marpingen. Das Meer, seinen Lieblingsplatz. Den Himmel über dem Weg nach Santiago, den er 2011 ging. „40 Tage lang der weite Himmel über mir. Mit jedem Schritt wurde mir klarer: Nimm das Leben nicht so schwer! Der Himmel ist ganz leicht!“

Seine Malerei will diesen Himmel ausdenken. Der Künstler und der Missionar treffen sich da. Roland Scheid, der Steyler Missionar, will die frohen Seiten des Lebens zeigen, die Verheißungen, die auf uns warten. „Der Himmel ist in unserem Leben schon gegenwärtig.“ Daher kommt viel Farbe auf die Leinwand, viel Licht, viel Freude. Der gelernte Krankenpfleger betont immer, dass er Autodidakt ist, es ist ihm wichtig, nicht überschätzt zu werden. Malen ist sein Hobby, er braucht es, wie er die Zeit für die Stille und die Yoga-Übungen in seinem Zimmer braucht.

„Der größte Heiler ist die Stille“, davon ist der kleine, agile Mann, der so viele Pflichten hat und doch nicht gehetzt wirkt, überzeugt. Er sagt von sich selbst, er sei ein glücklicher Mensch. „Gott will nicht, dass wir vor ihm kriechen. Was vor Gott sein darf, darf auch vor mir selbst sein. Es ist Gott, der das Leben aufblühen lässt.“

Manchmal staunt er selbst darüber, wie viel aus seinem Hobby geworden ist. Dass das altehrwürdige Missionshaus so viel bunter geworden ist mit seinen Bildern in den Fluren und mit den Menschen, die darin Platz haben. Das Motto hinter all seinem Tun? Bruder Roland zitiert dafür einen alten Kirchenvater: „Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch!“ Dann lächelt er: „Und natürlich: Der Himmel ist ganz leicht.“

Christina Brunner

September 2019

Kommentare (2)

  • Radek
    Radek
    am 29.08.2019
    Lieber Roland,
    wunderbar. Es ist toll wie du es machst!
    Viele Grüße
    Radek
  • Claudia Heinen
    Claudia Heinen
    vor 5 Tagen
    Gestern am 13/10/2019 durfte ich mit fast 80 weiteren Ostbelgiern in Steyl im Missionshaus bei den Brüdern zu Gast sein. Ein großes Lob für die faszinierenden Bilder. Mein persönlicher Favorit: Die Menschwerdung und Leiden Jesu. Beeindruckend diese Bilder. Sie lassen einen träumen und nehmen einen mit auf eine Reise in die Geschichte und auf einer Reise zu sich selbst! Nur weiter so und weiterhin viel Erfolg. Ich danke aus ganzem Herzen.
    Claudia

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