Steyler Welt

"Mit meinen Fotos habe ich Brücken gebaut"

Bruder Heinz Helf SVD hat mit der Kamera seine Mitbrüder und -schwestern auf der ganzen Welt besucht. Mit den Fotos konnte er Lesern der stadtgottes und Spendern zeigen, wo ihr Geld hinfließt und benötigt wird. Noch heute fotografiert er leidenschaftlich gerne

Bruder Heinz Helf wurde 1934 in Kaiserslautern geboren, trat 1952 in den Orden der Steyler Missionare ein und legte 1960 sein Ewiges Gelübde ab. Neben seiner Arbeit in der Druckerei spielte er Horn und engagierte sich in der Feuerwehr. Noch heute trifft er sich mit seinen Mitbrüdern an der Tischtennisplatte.

Besucher, die ich durch unser Mutterhaus in Steyl führe, stellen mir immer wieder diese eine Frage: ,In welchem Land waren Sie tätig?‘ Ich schmunzle dann, denn ich kann die Frage natürlich verstehen. Wir sind ein weltweiter Missionsorden und jeder erwartet, dass alle Mitbrüder in der Mission waren. Ich nicht. Nicht, dass ich es nicht versucht hätte. Mehrfach habe ich mir die Philippinen gewünscht, doch am Ende blieb es immer bei Steyl. Denn hier wurde ich gebraucht.

© Axel VohnNach meinem Eintritt in den Orden machte ich zunächst eine Ausbildung zum Schreiner. Damals hatten wir sehr viele gute Handwerker und auch Kunsthandwerker in unserem Missionsorden. Viele davon arbeiteten in unserer eigenen Druckerei, wo seit 1878 auch die stadtgottes jeden Monat gedruckt wurde.

Als durch die Industrialisierung die Technik immer weiter fortschritt, ergaben sich neue Aufgaben. Und so durfte ich noch eine zweite Ausbildung machen: zum Reproduktionsfotografen. Ich lernte Fotos zu analysieren und für den Vierfarbentiefdruck vorzubereiten. Ein sehr aufwendiges Verfahren. Als Meister bildete ich später Lehrlinge in diesem Beruf aus. Zur Blütezeit haben wir in Steyl 35 verschiedene Ausbildungsberufe angeboten.

Die Druckerei wurde also mein Zuhause. Neben unseren Zeitschriften haben wir verschiedene Kalender, Bücher und Prospekte gedruckt. Es kamen viele externe Aufträge. Wir waren gut ausgelastet. Die Druckerei war die größte Einnahmequelle des Ordens, und das Geld floss in die über 80 Missionsländer. Lange Zeit war dies ein rein theoretischer Satz für mich.

Bis zu dem Zeitpunkt, als mein Mitbruder Michael Heinz mich fragte, ob ich ihn nicht als Reportage-Fotograf begleiten wolle. Ich war sofort begeistert von dieser Idee. Wir reisten nach Angola und Mosambik, wo wir unsere Mitbrüder und Mitschwestern besuchten, die unter schwierigsten Bedingungen lebten und arbeiteten. Die in Luanda (Hauptstadt Angolas, Anmerk. der Red.) Opfer des Bürgerkrieges medizinisch versorgten. Die nachts in den Kanälen verängstigte und verwaiste Kinder auflasen und ihnen ein Dach über dem Kopf gaben.

Jetzt verstand ich, wie wichtig unser Dienst in der Heimat war. Wie wichtig es war, dass wir Geld einnahmen, damit unsere Mitbrüder den Ärmsten helfen konnten. Mit den Berichten aus der Mission konnten wir in der stadtgottes wiederum den Lesern und Spendern zeigen, dass sie durch den Kauf unserer Produkte Gutes tun bzw. ihr Geld gut angelegt ist. Ich habe mit meinen Fotos also die Brücken bauen können. Das hat mir gefallen.© privat

Es folgten Reisen nach Nairobi, Taiwan, Russland und Kolumbien. Nachhaltig beeindruckt hat mich die Zeit bei den Massai in Kenia. Seitdem ich mich mit der Fotografie beschäftige, sind meine liebsten Motive immer Gesichter. Jedes Gesicht hat für mich seine ganz eigene Schönheit. Die Massai sind stolze Menschen. Das drücken auch ihre Gesichter aus. Diesen Ausdruck mit der Kamera einzufangen, war eine Herausforderung.

Auch heute mit 84 Jahren fotografiere ich noch sehr gerne. Aber nur noch hier in Steyl und der näheren Umgebung. Mein Leben ist ruhiger geworden. Denn natürlich bin ich alt, das darf jeder sehen und wissen. Ich bin oft in der Steyler Unterkirche und bete. Dieser Ort strahlt eine besondere Atmosphäre aus. Dieser besondere Geist, der vom Sarkophag des heiligen Arnold Janssen ausgeht, tut mir und unseren Gästen gut.

Ich empfinde es als großes Geschenk, dass ich mich immer noch in die Gemeinschaft einbringen kann. Durch Gästeführungen zum Beispiel. Ich zeige den Besuchern das Kesselhaus und erkläre ihnen, dass wir hier die Männer und Frauen für die Missionseinsätze ausgebildet haben. Also die Brücken gebaut
haben.        

Und auch, wenn ich nicht im Ausland tätig war, so kann ich doch voller Stolz sagen: Natürlich bin ich auch ein richtiger Missionar.

Aufgezeichnet von Steffi Mager

Februar 2019

Kommentare (1)

  • Lothar G. Schaffrath
    Lothar G. Schaffrath
    am 18.02.2019
    Ja natürlich ist Bruder Heinz ein richtiger , echter Missionar .
    Und er war mein Lehrer und er war ein guter , lieber , verständnisvoller Lehrer . Ich verdanke ihm und allen Steylern sehr viel .
    Vielen Dank !
    Lothar

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