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Nach Halle: Sorge vor Antisemitismus gibt es schon länger

Bei einem Angriff auf eine Synagoge in Halle starben zwei Menschen. Der jüdische Journalist Richard Chaim Schneider warnte bereits vor einem Jahr im stadtgottes-Interview vor den Gefahren des Antisemitismus.

Richard C. Schneider im Gespräch mit der stadtgottes

Während der Feiern zum höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur am Mittwoch versuchte ein Mann in Halle (Saale) in die örtliche Synagoge vorzudringen. Er scheiterte dabei, tötete aber zwei Menschen und verletzte weitere. Dabei habe er sich antisemitisch geäußert, berichtete die ARD. Er wurde im Rahmen eines Autounfalls festgenommen und befindet sich mittlerweile in einem Krankenhaus.

Bereits vor einem Jahr sprach stadtgottes-Autor Thomas Pfundtner mit dem jüdischen Autor und Journalist Richard Chaim Schneider über Antisemitismus. „Ich glaube in der Tat, dass wir in einer Zeit leben, in der die Situation für Juden in Europa grundsätzlich schwieriger geworden ist“, sagte er damals schon. 

Er forderte, dass die Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus in der gesamten Gesellschaft stattfinden müsse. „Hier sind Politik und Staat gefordert. Da passiert viel zu wenig“, so Schneider. Bereits vor einem Jahr habe dies auch Auswirkungen auf Einwanderungen nach Israel gehabt. „Im Moment hat Israel kein Einwanderungsproblem, denn die aktuellen Entwicklungen in Europa und Amerika tendieren ja sehr stark nach rechts.“, urteilte Schneider.  Wenn Israel auf Europa blicke, stehe die Angst vor dem muslimischen Anti-Semitismus oder Anti-Zionismus im Vordergrund, erläuterte er weiter.

Aus seiner eigenen Erfahrung berichtete er, dass er bereits früher als jüdischer Journalist viel antisemitische Post bekommen habe, allerdings anonym. Das habe sich während der vergangenen zehn Jahre verändert. „Die Briefe sind nicht mehr anonym, sondern werden mit Namen, Adresse, oft sogar mit der Telefonnummer oder Email-Adresse verschickt“, so Schneider.

Antisemitismus war nie weg

Er sehe dies als Beweis, dass der Antisemitismus nie verschwunden sei. Schneider: „Das wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nur unterdrückt und verschwiegen. Nach dem Motto: Wir dürfen ja nicht darüber reden...“ Mittlerweile sei viel Zeit vergangen und das Alte sei wieder da. „Ich glaube, Antisemitismus ist ein Teil der kulturellen DNA des Abendlandes“, sagte Schneider im November 2018.

Das vollständige Interview gibt es hier zum Nachlesen.

Kommentare (2)

  • Inken
    Inken
    vor 1 Woche
    Schon vor einem Jahr!! Hat sich etwas getan? Warum müssen erst Katastrophen passieren? Liebe Mitbürger, steht auf gegen die rechten Schreihälse, macht den Mund auf, wenn gegen andere Mitbürger zu Gewalt aufgerufen wird, wenn jemand beleidigt wird. Zwingt eure Politiker endlich Farbe zu bekennen und auch mutig und öffentlich gegen Fanatiker und Gewalttäter zu handeln. Toleranz ist in diesem Fall nicht angesagt! Stärkt Schwächere, setzt euch für sie ein! Warnungen zu überhören, zu missachten - dazu ist keine Zeit mehr!
  • Gaby Bessen
    Gaby Bessen
    vor 1 Woche
    Wir scheinen aus unserer deutschen Geschichte nichts gelernt zu haben und wenn wir jetzt nicht alles dagegen setzen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn sich die schlimmen Zeiten wiederholen.

    Unsere Jugend zeigt uns seit Monaten, welche weiten Kreise Klimademonstrationen ziehen können. Verlassen wir endlichunsere Komfortzonen und stehen ebenfalls auf!

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