Gesellschaft

Passionsspiele von Menschen mit Beeinträchtigungen

Das Ensemble der Kainbacher Passionsspiele in Österreich ist außergewöhnlich. Menschen mit Beeinträchtigung stehen auf der Bühne

Auf der Bühne stehen Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen.

„Hosanna in der Höhe, hochgelobt sei der da kommt!“, singen die Schauspieler in den bunten T-Shirts, die nach und nach hinter dem weißen Lamellenvorhang hervorkommen und die Bühne betreten. Die Musik der Band geht ins Ohr. Die Frauen und Männer bilden einen Kreis um den Jesus-Darsteller, schwenken ihre Arme und jubeln ihm zu. Eine ältere Frau schiebt ein junges Mädchen in einem Rollstuhl, eine Frau bewegt sich alleine in ihrem Rollstuhl zur Mitte, ein Mann hält sich an seinem Rollator fest und setzt langsam einen Fuß vor den anderen. Einzug Jesu in Jerusalem bei der Kainbacher Passion.

Seit 1990 finden im Zwei-Jahres-Rhythmus in der Lebenswelt Kainbach der Barmherzigen Brüder in der Nähe von Graz Passionsspiele statt. In der in Österreich einmaligen Einrichtung werden pflegebedürftige, intellektuell, psychisch und mehrfach beeinträchtigte Menschen begleitet und betreut. Sie leben in kleinen Wohngruppen, zum Teil arbeiten sie in Tageswerkstätten.

Theater als Therapie

Zum umfangreichen Therapie-Angebot zählt auch Theaterspielen. Beim „theater nach draußen“ machen Bewohnerinnen und Bewohner der Lebenswelten, Mitarbeitende sowie weitere Theaterbegeisterte mit. Die Passionsspiele bilden einen Fixpunkt dieser inklusiven Theatergruppe.

©Barmherzige Brüder - Lebenswelten SteiermarkSeit November probt Regisseurin Martina Pusterhofer bereits mit ihrem 40-köpfigen Ensemble. „Sobald die Proben beginnen, herrscht im Haus eine eigene Stimmung. Alle freuen sich auf das Miteinander. Die Begeisterung und dieses ‚Ich-bin-dabei-Gefühl‘ sind spürbar“, erzählt Pusterhofer. Seit 2006 ist die in den Lebenswelten Steiermark tätige Theaterpädagogin für die Passionsspiele verantwortlich. Das Theater-Ensemble ist mit den Jahren gewachsen und formiert sich immer wieder neu, die Kerngruppe bleibt jedoch bestehen. Ein eingespieltes Team, das sich durch viel Humor, gute Laune und einen großen Zusammenhalt auszeichnet. Neben den BewohnerInnen wirken auch zahlreiche Mitarbeitende der Lebenswelten bei der Passion mit.

Andere Theatersprache

Die Regisseurin richtet ihren Blick nicht auf die Defizite der beeinträchtigten Menschen, sondern auf ihre Stärken. „Viele unserer DarstellerInnen haben Probleme mit dem Sprechen. Wir haben eine Theatersprache, die nicht nur am gesprochenen Wort hängt. Bei uns sind es der intensive Körperausdruck, die Gesten, Gebärden, die Musik und die Videos, die zusammen unsere Inszenierungen so besonders machen.“

Mit dabei sind auch Christine Boxan und Günther Pivec. Christine sitzt im Rollstuhl. Sie ist bis jetzt bei jeder Passion dabei gewesen, nur einmal musste sie krankheitshalber pausieren. Sie spielte einen Engel und war bei den keifenden Frauen dabei, die sich über Jesus empören. Noch immer hat sie vor jeder Aufführung Lampenfieber – „aber die anderen unterstützen mich!“

Für Günther, der den Rollator zum Gehen braucht, ist Lampenfieber hingegen ein Fremdwort. Er hat keine Angst vor seinen Auftritten und genießt den Jubel des Publikums am Ende der Aufführungen.

„Die Wertschätzung, die die Darsteller für ihre Leistung erhalten, verändert sie“, betont Martina Pusterhofer. „Sie sind sehr stolz darauf, der Applaus nach den Aufführungen könnte ewig dauern“, lächelt sie. Deshalb legt sie bei ihren Inszenierungen Wert darauf, dass jeder Schauspieler einen Moment bekommt, „in dem er glänzt“.

Die ganze Geschichte lesen Sie bei uns im Heft.

Ursula Mauritz

März 2020

Kommentare (1)

  • Gertraud Peböck
    Gertraud Peböck
    am 03.03.2020
    Zu diesem Projekt gratuliere ich Euch ganz herzlich. Leider bin ich zu weit weg und auch nicht mehr ganz jung (78) sonst würde ich mir das gerne anschauen.
    Ich wünsche Euch ein tiefes Erleben und viel Erfolg. Vielleicht kann ich in der Stadt Gottes einen Bericht über eure Leistung lesen. Eine besinnliche Fastenzeit
    und liebe Grüße Gertraud peböck

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Termine und Karten

28. Februar, 6., 13., 20. und 27. März sowie 3. April, jeweils um 19.30 Uhr in der Freizeit- und Kulturhalle der Barmherzigen Brüder in Kainbach bei Graz.

Einführungen ab 18 Uhr im Seminarzentrum der Lebenswelt Kainbach.

E-Mail: passionsspiele@bbkain.at