Ratgeber - Seelsorge

Pfarreien werden zusammengelegt

Auch unsere Gemeinde wird nun mit zwei anderen Gemeinden zusammengelegt, weil es keine Pfarrer mehr gibt. Ich finde das schrecklich, das ist ja wie eine Massenabfertigung. Was sagen Sie denn als Geistlicher dazu?

Es gibt in der Kirche großen Priestermangel, das Problem wird sich mit der Zeit weiter verschärfen. Da stellt sich mir unwillkürlich die Frage: Ist der Zölibat für den Weltklerus wirklich die einzige Lebensform? Pfarreien werden zusammengelegt, die Räume werden größer. Ich stehe den gegenwärtigen Strukturentwicklungen, ehrlich gesagt, eher skeptisch gegenüber, u. a. weil die Reformbestrebungen von „oben“ kommen, die „unten“ jedoch nicht richtig oder zu wenig einbezogen werden. Strukturen können kein Leben schaffen. Ich will damit nicht sagen, dass alles beim Alten bleiben soll. Veränderungen sind sicher notwendig. Ich meine jedoch, dass sehr behutsam vorgegangen werden muss und nicht alles „über einen Kamm“ geschoren werden soll. Unterschiedlichen Situationen in den diversen Pfarreien muss Rechnung getragen werden, sonst führt das zu großer Verunsicherung bei den Gläubigen.


Für mich ist wichtig, dass die Pfarreien gestärkt werden. Es muss überschaubare Räume geben, sonst ist der Seelsorger irgendwie verloren. Je größer die Räume, desto weniger Nähe zu den Menschen, da besteht kein Zweifel. Mir hat ein Pfarrer vor einiger Zeit gesagt: „Ich habe jetzt zwei Pfarren zu betreuen. Wenn noch eine dritte dazukommt, werde ich nicht mehr mitmachen, sondern in Pension gehen. Das Alter dazu habe ich.“ Ich kann diesen Priester sehr gut verstehen. Ein Wiener Pastoraltheologe meinte letztes Jahr, viele seien als Seelsorger angetreten „und mutieren nunmehr zu Unternehmern pastoraler Mittelbetriebe“. Und das in einer Zeit, in der die Menschen, wenn sie überhaupt etwas von einem Priester wollen, lebensnahe Seelsorge mit „geistlicher Kommunikation“ suchen.

Man spricht schon seit vielen Jahren von der möglichen Weihe von „Viri probati“ (erprobten Männern). In einem Interview der Wochenzeitung „Die Zeit“ äußerte sich Papst Franziskus letztes Jahr im März zur Frage, ob verheiratete, erprobte Männer, sogenannte „Viri probati“, unter bestimmten Bedingungen Priester werden sollten. Er erklärte, es gehe „der Kirche stets darum, den richtigen Augenblick zu erkennen, wann der Heilige Geist nach etwas verlangt“. Weiter sagte der Papst: „Wir müssen darüber nachdenken, ob Viri probati eine Möglichkeit sind. Dann müssen wir auch bestimmen, welche Aufgaben sie übernehmen können, zum Beispiel in weit entlegenen Gemeinden.“

Zurück zur Reform: Bei einer pastoralsoziologischen Untersuchung in der Erzdiözese Wien, deren Ergebnis letztes Jahr bekannt gegegeben wurde, wird die Skepsis über die Änderung der Pfarrstrukturen deutlich: Die Hälfte der teilnehmenden Seelsorger zeigte sich zurückhaltend gegenüber dem Prozess, 22 Prozent haben ihn gänzlich abgelehnt. Jetzt könnten die Verantwortlichen denken, dass die Skeptiker mit der Zeit ihre Meinung schon noch ändern werden. Für mich wäre das eine voreilige Schlussfolgerung, denn dann erspart man sich die Frage, wie sinnvoll die Strukturreform wirklich ist und ob sie richtig angegangen
wurde.

Juli 2018

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