Interview

Sascha Wussow: "Glaube ist für mich Hoffnung"

Den Glauben erlebt Schauspieler Sascha Wussow als Kraftquelle. Wir haben mit ihm über Religion und sein Treffen mit dem Heiligen Papst Johannes Paul II. gesprochen.

Sascha Wussow bei einer Kunstausstellung vor zwei seiner Bilder. Malen ist neben der Schauspielerei sein zweites Standbein.

In Österreich haben Sie Ihren Lebensmittelpunkt. Was schätzen Sie an Österreich?

Österreich ist ein kleines, überschaubares und wunderschönes Land. Viele der größten Schauspieler deutscher Zunge sind Österreicher. Sie haben den Deutschen gegenüber einen unglaublichen Vorteil: nämlich den der Sprachmelodie.

Worüber freuen Sie sich, wenn Sie in Deutschland sind?

Ich freue mich wahnsinnig darüber, dass ich hier mit 15 Jahren meinen ersten Film gedreht habe. Und dass die Menschen mich mit meinen 55 immer noch mögen und meine Vorstellungen besuchen.

Als 2004 die Ordensfrau Anna Katharina Emmerick seliggesprochen wurde, haben Sie eine Lesung im Dom zu Münster gehalten. Was verbindet Sie mit dieser Persönlichkeit?

Sehr viel. Als ich eingeladen wurde, einen Text von Clemens von Brentano zu lesen, habe ich darum gebeten, zwei Tage früher anreisen zu dürfen. Nachdem ich all die Wirkungsstätten von Anna Katharina gesehen habe und wusste, wie sie gelebt hat und was sie ertragen musste, wurde ich immer demütiger und kleiner und ein unglaublicher Fan von ihr.

Die Lesung war wahnsinnig schwer. Dazu kam ein Nachhall von sieben Sekunden im Dom. Das sind Ewigkeiten. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich vor dem Dom stand und zu Anna Katharina Emmerick gesprochen habe: Bitte hilf mir mit diesen sieben Sekunden Hall. Nach der Lesung bekam ich das schönste Geschenk – alle Zuhörer verließen stillschweigend den Dom. Es gab keinen Applaus. Das ist bei so schweren Texten wie ein Ritterschlag.

Sie wurden zur Seligsprechung nach Rom eingeladen, hatten die Gelegenheit, Papst Johannes Paul II. zu treffen, und schenkten ihm ein selbst gemaltes Jesus-Bild. Wie haben Sie diese Begegnung erlebt?

Es war ein vollkommen unwirkliches Gefühl dort zu sein, auf dem Petersplatz zu sitzen und ihn sogar sprechen zu dürfen. Vom Papst habe ich ein kleines Stück des Kopftuchverbandes Jesu erhalten: Es liegt bei mir zu Hause neben einem Bild meiner Mutter. Später saß ich mit meinem Kunstmanager an der Piazza Navona. Wir haben es wirklich geschafft, über zwei Stunden bei einer Flasche Rotwein keinen Ton zu sagen. So bewegt waren wir von diesem Ereignis.

Hat sich Ihr Glaube durch die Begegnung mit Papst Johannes Paul II. noch verstärkt?

Ja. Diese unglaubliche Willens- und Kraftanstrengung, die der Heilige Vater im Glauben durchlebt hat, beeindruckt mich sehr. Es war für mich faszinierend, bedrückend, erdrückend, aber auch erlösend zuzusehen. Das hat durchaus einen anderen Weg in mir eröffnet.

Und welchen?

Ich habe erkannt: Mein Glaube ist immer da, gibt mir täglich Kraft, nicht nur in den schwierigen Episoden meines Lebens. Ich habe in meinem Leben so viele schöne, aber auch schlimme Momente erlebt. Meine Mutter ist in meinen Armen gestorben. Als mein Vater starb, war ich beruflich in Kanada. Jeden Tag musste ich mit der Todesnachricht rechnen. Denn dass er sterben wird, das wussten wir. Dieses Wissen, im Glauben Halt zu haben, hat mir Kraft gegeben.

Was drückt die Person Jesu für Sie aus?

Mutter, Vater, Weg, Ziel. Ein Konvolut von positiven Gedanken und Meinungen. Ich darf mich der Person Jesu annähern, mit ihm sprechen, das tue ich meist in ganz alltäglichen Situationen. Er ist für mich wie ein großer Bruder, ein täglicher Begleiter, der immer da ist. Oft habe ich ihn gefragt: Quo vadis? – Wohin gehst du? Ich will da mitgehen!

Mehr Fragen und Antworten lesen Sie bei uns im Heft.

Melanie Fox

März 2020

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Zur Person

Der deutsch-österreichische Theater- und Filmschauspieler Alexander „Sascha“ Wussow, 55, stand schon früh auf der Bühne und vor der Kamera. Bekannt wurde er durch Rollen in „Das Erbe der Guldenburgs“ und „Die Schwarzwaldklinik“. Seine Eltern waren die Schauspieler Klausjürgen Wussow und Ida Krottendorf. Sascha arbeitet auch als Hörbuchsprecher und Maler. Mit seiner Frau lebt er in Wien.