Umwelt

Schaf-Aktien und Genuss-Scheine

Wer bei Familie Elpons im Südburgenland investiert, bekommt Bio-Lammfleisch in bester Qualität als „Rendite“. Auch andere Landwirte setzen auf neue Vermarktungsmethoden wie Tierpatenschaften, Genuss-Scheine oder Mietkühe 

Die Bioschaf-Bauern Alexander und Julia Elpons mit ihren Kindern

Bildein liegt im herrlichen Naturpark Südburgenländische Weinidylle. Und idyllisch ist die Landschaft hier tatsächlich: Weinberge, Felder und Streuobstwiesen prägen das Bild. Zwischen den alten Obstbäumen weiden die Schafe von Familie Elpons. Julia und Alexander Elpons züchten Krainer Steinschafe, eine vom Aussterben bedrohte Nutztierrasse, ursprünglich im Dreiländereck Kärnten, Slowenien und Friaul beheimatet. 350 bis 400 Schafe halten die Elpons derzeit, 130 Mutterschafe sorgen rund ums Jahr für Nachwuchs. Die Krainer Steinschafe sind genügsam und robust, zutraulich und unkompliziert. Gefüttert werden die Schafe ausschließlich mit Muttermilch, Gras und Heu, auf Kraftfutter wird völlig verzichtet.

Von April bis Dezember sind die Tiere auf der Weide. Drei Border Collies halten die Schafe zusammen, vor allem wenn sie manchmal kilometerweit von Weide zu Weide marschieren. Die Tiere sind auf sechs Herden aufgeteilt, die zwei bis sechs Tage auf einer Weide bleiben. Neben vier Hektar Eigengrund haben die Elpons 65 Hektar Weideland gepachtet. Die Wiesen sind „Restflächen“, die von den Bauern in der Region kaum mehr genutzt werden, weil sie sich für die maschinelle Bearbeitung nicht eignen. Unebene Flächen mit Obstbäumen, steile Weinbergwiesen, aber auch Hochwasserdämme grasen die Schafe ab. „Wertlos“ sind diese Wiesen aber ganz und gar nicht: Sie beherbergen eine unglaubliche Artenvielfalt, seltene Pflanzen wie Orchideen findet man hier genauso wie bedrohte Vogelarten. Durch die Beweidung leisten die Schafbauern einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt und eines vielfältigen Landschaftsbilds, die Verbuschung und Verwaldung werden hintangehalten. Davon profitiert auch der Tourismus im Naturpark Weinidylle.

Alte Arten und Sorten schützen
Dass die Elpons auf Schafhaltung und die Produktion von Bio-Lammfleisch setzten, war eine bewusste Entscheidung: „Mein Mann und ich kommen nicht aus einer Bauernfamilie“, erzählt Julia Elpons. „Als wir uns nach Beendigung unseres Studiums auf der Universität für Bodenkultur entschlossen, einen landwirtschaftlichen Betrieb neu aufzubauen, suchten wir nach einer Möglichkeit, die nicht mit zu großen Investitionen verbunden war.“ Die Streuobst- und Magerwiesen in Bildein und Umgebung waren günstiger und leichter zu pachten als Flächen in anderen Regionen und erwiesen sich als ideal für die Schafhaltung. Denn im Gegensatz zu manchem „Aussteiger“ hatten die beiden aufgrund ihres Studiums keine romantischen Vorstellungen von der Landwirtschaft. „Wir wollten mit Tieren arbeiten und suchten nach einer Nische, die es uns ermöglicht, unsere Philosophie von Landwirtschaft umzusetzen, aber auch von unseren Produkten leben zu können.“ Julia und Alexander Elpons ist es wichtig, schützens- und erhaltenswerte Rassen und Sorten – „den Schatz unserer Vorfahren“ – zu bewahren. Neben den Krainer Steinschafen tummeln sich auf dem Hof daher auch bunte Sulmtaler Hühner. Im Hausgarten werden bevorzugt Gemüseraritäten angebaut.

Erfolgsgeschichte Schaf-Aktie
Bei der Vermarktung ihres Lammfleisches beschritten die Bioschafzüchter neue Wege. Ein Teil des produzierten Fleisches wird über sogenannte Schaf-Aktien verkauft. „Mit einer Schaf-Aktie im Wert von 60 Euro erwerben die Konsumenten einen Anteilschein an unserer Herde“, erzählt Julia Elpons. „Das Geld erhalten sie mit Verzinsung in drei aufeinanderfolgenden Jahren in Form von Lammfleisch-Paketen zu je 1,7 Kilogramm zurück.“ Geschlachtet wird monatlich, jeweils nur die aufgrund der Vorbestellungen benötigte Menge an Lämmern.

Die Schaf-Aktien sollten neben dem regulären Verkauf ab Hof in erster Linie dazu dienen, auf die aufwändige Pflege der Kulturlandschaft hinzuweisen, haben sich aber mittlerweile zu einem richtigen „Renner“ entwickelt. 100 Aktien werden pro Jahr neu aufgelegt, insgesamt 300 Aktienpakete ausgegeben. Die Nachfrage ist größer, heuer musste der Verkauf der Aktien schon zu Ostern gestoppt werden. Immer mehr Menschen entscheiden sich gegen Lebensmittel aus Massenproduktion und für den Kauf nachhaltiger, regionaler Produkte. Sie wollen wissen, wo und wie die Nahrungsmittel erzeugt werden.

„Der Vorteil der Schaf-Aktien für uns ist, dass wir im Vorhinein wissen, wie viele Lämmer fix verkauft sind“,  erklärt Elpons. „Die Konsumenten strecken uns das Kapital vor.“ Mit den Probierpaketen gelingt es außerdem, neue Kunden zu gewinnen. „Durch die eigene Schlachtung und die Direktvermarktung haben wir das Produkt selbst in der Hand und sind unabhängig vom Handel“, erklärt die Landwirtin. Für Julia Elpons ist der direkte Kontakt zu den Konsumenten wichtig: „Wir bekommen viele Rückmeldungen, wie super das Fleisch schmeckt.“ Der Gedanke, dass im Vetrieb über den Handel das Fleisch, das übrig bleibt, „womöglich weggeschmissen wird“, ist für sie unerträglich. „Es ist für mich eine Frage der Achtsamkeit und des Respekts vor dem Tier, dass alles verwertet wird, wenn ich ein Schaf schlachte.“

www.bioschaf.at

Schaf-Paten

Im Vorarlberger Montafon können interessierte Menschen für etwa 200 Euro pro Jahr „Schafpate“ werden. Im Gegenzug erhalten Sie dafür Fleisch oder Wollprodukte. Die 50 Züchter der Montafoner Steinschafe wollen mit Hilfe dieser Aktion die schon fast ausgestorbene Rasse, ihre Wolle und ihr Fleisch bekannt machen. Ende der 1980er-Jahre gab es nur mehr wenige Montafoner Steinschafe, eine Gruppe idealistischer Montafoner begann die Tiere wieder zu züchten. Heute grasen 650 Montafoner Steinschafe auf den Bergwiesen. Das feinfasrige Fleisch ist begehrt. Aus der Wolle werden Lampenschirme, Kissen, Bettdecken und Teppiche gefertigt.

Crowd füs Kraut

Auch im Rheintal setzt man auf Kundenbeteiligung: Der Vetterhof liegt zwischen Dornbirn und Lustenau und hatte eine Vorreiterrolle im Biolandbau in Westösterreich. Auf den Feldern wachsen viele unterschiedliche Gemüsesorten, die ab Hof, in Gemüsekisten und am Wochenmarkt angeboten werden. Außerdem hält Familie Vetter Rinder und Freilandschweine. Unter dem Titel „Krautfunding“ bietet Landwirt Simon Vetter Genussscheine zur „Unterstützung der bäuerlichen Unabhängigkeit“ an. Wer einen Genussschein über 500 Euro kauft, bekommt innerhalb von fünf Jahren Gutscheine für am Hof erzeugte Waren im Wert von 525 Euro.

 

Investion in Sonnenschweine

Ganz ähnlich ist das Konzept des Biohofs Labonca im steirischen Lafnitztal, der für seine artgerechte Freilandhaltung von Sonnenschweinen, Bergschecken-Rindern und Weide-Hühnern vielfach ausgezeichnet wurde. Mit der Investition in Labonca-Genussscheine unterstützen Konsumenten diesen Weg. Wer einen Genussschein im Wert von 1000 Euro erwirbt, kann 10 Jahre lang Waren im Wert von 130 Euro aus dem Labonca-Angebot wählen. Auch am Labonca-Hof setzt man auf Kontakt und Information der Kunden. Bei Führungen können sie sich ein Bild vom „sauguten“ Leben der Tiere machen.

 

Kuh zum Mieten

Am Milchhof Wurzinger im südsteirischen Fehring gibt es unter dem Motto „Kuh for you“ (übersetzt: Kuh für dich) Kühe zu mieten. Derzeit warten Heidi, die schwarzweiße „Läutkuh“, die junge Milchkuh Herta sowie Friederike und Molly auf Paten. 150 Euro kostet eine Mietkuh im Jahr, dafür bekommen die Paten viermal im Jahr ein Paket mit Käse, Joghurt, Topfen, Aufstrichen usw. Familie Wurzinger setzt seit 20 Jahren auf die Direktvermarktung der Milch. Ewald Wurzinger, dessen Eltern den Milchhof führen, hat „Kuh for you“ weniger aus wirtschaftlichen Motiven ins Leben gerufen. Ihm geht es darum, „die Tiere ins rechte Licht zu rücken“ und dem Produkt Milch „ein Gesicht zu geben“. Er sagt: „Viele Kinder wissen ja gar nicht mehr, wo die Milch herkommt.“

Derzeit sind 55 der 80 Milchkühe vermietet. Die Interessenten kommen vor allem aus den umliegenden Bezirkshauptstädten, aus Graz und Wien. Familien mit Kindern sind darunter, aber auch bei runden Geburtstagen oder Hochzeiten werden Mietkühe gerne verschenkt. Selbst in Norddeutschland, Finnland und Australien gibt es stolze „Kuh-Paten“. Schon bald soll ihnen eine Webcam im Stall ermöglichen, nach ihrer Kuh zu sehen.

 

Ursula Mauritz

September 2018

Kommentare (2)

  • Alfred Coenen
    Alfred Coenen
    am 28.08.2018
    Eine großartige Idee.Jedoch wie verläuft die Vermarktung:z.B.Wie hoch sind die Versandkosten?
  • Ursula Mauritz
    Ursula Mauritz
    am 30.08.2018
    Sehr geehrter Herr Coenen,
    ich freue mich, dass Ihnen unser Artikel über Schafaktien und andere neue Vermarktungsformen in der Landwirtschaft gefällt!

    Zu Ihrer Anfrage:
    Für jede Schafaktie im Wert von 60 Euro erhalten die Kunden in den kommenden drei Jahren jeweils ein Mischpaket (1,7 Kilogramm) mit Biolammfleisch. Das Fleisch kann zu bestimmten Terminen im Hofladen bei Familie Elpons abgeholt werden. Es gibt auch Abholmöglichkeiten in Wien. Eine Voranmeldung ist notwendig, da nur die jeweils benötigte Anzahl Lämmer geschlachtet wird.
    Weitere Informationen finden Sie auf www.bioschaf.at!

    Herzliche Grüße aus der Redaktion
    Ursula Mauritz

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Landwirtschaft in Österreich

  • In Österreich gab es 2016 rund 162 000 land- und forstwirtschaftliche Betriebe. Ein Großteil der Betriebe (147 000) sind bäuerliche Familienbetriebe im Haupt- oder Nebenerwerb.
  • Jährlich geben ca. 3 Prozent der konventionell wirtschaftenden Betriebe auf. Anders der Trend bei Bio-Betrieben: Hier gibt es um 8 Prozent mehr als 2013.
  • Etwas mehr als 20 Prozent der österreichischen Landwirtschaftsfläche werden biologisch bewirtschaftet, weltweit der zweithöchste Wert nach Liechtenstein. 16 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Österreich erzeugen nach „Bio“-Richtlinien.
  • Die ÖsterreicherInnen konsumieren ca. 8 Prozent der Lebensmittel in Bioqualität. Verglichen mit der Produktion hinkt der Konsum somit hinterher.