Steyler Welt

Schwester Coelia Traudes: Mission muss anderen etwas bringen

Fast 40 Jahre verbrachte Schwester Coelia Traudes auf Timor. In unserer aktuellen Folge der Serie "Der Schatz der Alten" berichtet sie von ihrer Arbeit dort und sagt: "Ich habe mein Leben nicht verplempert".

Schwester Coelia Traudes wurde 1935 in Oberhausen geboren und wuchs ab 1950 in Duisburg-Meiderich auf. Die heute 85-Jährige engagierte sich schon früh in der katholischen Jugend. Mit dem Jugendkaplan besuchte Schwester Coelia mehrfach Steyl, daher stand für sie fest: „Wenn ich in einen Orden eintrete, dann nur bei den Steyler Missionsschwestern, wo die Schwestern so begeistert von ihren Einsätzen in der Mission erzählten.“

Kochen und gutes Essen sind bis heute meine Leidenschaft. Egal, wo ich in meinem Leben war, meine Mission war es, Menschen für Jesus zu gewinnen, und übers gemeinsame Essen und Kochen ging das immer. Ich wagte den Schritt ins Kloster, obwohl ich zweifelte, kämpfte und nicht glaubte, dass das Leben im Orden meine Berufung sei. Aber ich probierte es, denn ich spürte, dass der Herr etwas mit mir vorhatte. Ich blieb. Schließlich wollte ich in die Welt hinaus. Ich hatte mich nach dem Noviziat extra für eine Ausbildung in Hauswirtschaft entschieden. Denn damit kamst du eigentlich immer weg. Aber zunächst musste ich in Steyl bleiben. Das schmeckte mir überhaupt nicht.

©privatMeine damalige Provinzoberin bemerkte meinen Unmut, und schließlich durfte ich 1970 nach Timor. Der Anfang war schwer. Jeder hatte mir eingeredet, dass die Menschen ‚dort‘ mich brauchten, dass sie quasi nur auf mich warteten. Und was war? Du kommst hin und stellst fest, die brauchen dich nicht. Ich dachte, ich will den Leuten helfen, an Gott zu glauben. Angetroffen habe ich Menschen, die vielleicht noch mehr glaubten als ich. Außerdem war mir gesagt worden, es würde reichen, dass ich Niederländisch könne. Timor war früher niederländische Kolonie. Aber die jungen Leute, mit denen ich arbeiten sollte, sprachen natürlich nur Indonesisch. Das machte mich wütend. Also lernte ich heimlich Indonesisch. Hinter meinem Rücken wurde getuschelt, dass ich die Sprache der Einheimischen nicht sprechen könne. Denkste. Ich gab und gebe bis heute nichts darauf, was andere über mich sagen oder denken. Irgendwann überraschte ich sie, und das Thema war durch.

Mission muss anderen etwas bringen

Gearbeitet habe ich an einer Mittelschule im Süden der Insel. Zunächst habe ich nur Hauswirtschaft unterrichtet, später auch Religion. Nach zehn Jahren sah ich meine Mission dort als beendet an. Den Kindern von der Mittelschule stand eine gute Zukunft bevor. Ich wollte lieber den Mädchen helfen, die nicht ausreichend Schulbildung bekamen, die bald verheiratet werden würden. Sie werden bald Mütter sein, habe ich immer gesagt, die müssen gefördert werden, um sich und ihre Kinder voranzubringen. Das ist für mich Mission: wenn es anderen etwas bringt. Man muss nicht immer etwas Großes tun, um etwas zu bewirken.

©privatMit 63 wurde ich Prokuratorin auf Timor. Gemeinsam mit Schwester Agnes, einer Timoresin. Eine spannende Zeit. Ich habe Leute angelernt, die 2004 meine Stelle übernahmen. Ich blieb bis 2007 auf Timor. In dieser Zeit erlebte ich hautnah die Unabhängigkeitsbewegung Osttimors (offiziell wurde Osttimor 2002 unabhängig). Angst hatte ich nie. Der Heilige Geist wird es schon richten, dachte ich.

Mein Ende auf Timor war schmerzlich. Ich wurde krank, ein Arzt sagte mir, es könnte zu einer Lähmung kommen. So flog ich zurück nach Deutschland und ließ mich untersuchen. Der Verdacht bestätigte sich nicht. Heute bin ich 85 und froh und dankbar, dass ich mich noch so gut bewegen kann. Aber es war eine schwere Zeit, sich nach fast 40 Jahren wieder in Deutschland einzuleben. Mein Verstand hat richtig entschieden, mein Herz musste zurückstecken. Aber im Nachhinein bereue ich nichts. Ich habe mein Leben nicht verplempert. Ich habe das tun können, womit ich anderen helfen und anderen eine Freude machen konnte, dafür bin ich dem Herrn dankbar.

Die ganze Geschichte lesen Sie bei uns im Heft.

Aufgezeichnet von Steffi Mager

Juni 2020

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