Ratgeber - Pastoralpsychologie

Sie brachen in ihren Häusern das Brot?

Wenn es stimmt, was die Bibel und auch Jesus lehren, dass Gott, „der ich bin da“, immer und überall gegenwärtig ist, dass nichts ohne ihn geschieht und dass auch Jesus allezeit bei uns ist: Wozu braucht es dann extra ausgebildete, besonders geweihte und beauftragte Männer – also Priester – die seine Gegenwart herbeiführen oder gegenwärtig setzen müssen?

Vielen Dank für Ihre Frage. Es ist gut, dass Sie sich in einer Zeit des Priestermangels mit dieser Frage beschäftigen. Zusammenfassend stellen Sie die Frage: „Wozu braucht es dann extra ausgebildete, besonders geweihte und beauftragte Männer, die Christi Gegenwart herbeiführen oder gegenwärtig setzen müssen?“ Sie haben recht: Gott ist überall gegenwärtig. Deshalb braucht es in dem Sinne keine Männer, „die seine Gegenwart herbeiführen“, wie Sie schreiben. Aber schon im Judentum gab es Männer, die als Synagogenvorsteher oder Hohepriester im Tempel eine besondere Aufgabe erfüllten. Auch beim Sabbat-Mahl in der jüdischen Familie sprach (und spricht bis heute) der Hausvater den Segen über Brot und Wein. Dies setzte sich zunächst in den Häusern der ersten Christen so fort, auch wenn das Mahl einen neuen Sinn bekam. Im 2. Jahrhundert zeichneten sich in einer sich mehr und mehr strukturierenden Kirche spezielle Dienste (Dienstämter) ab, die durch Handauflegung ausgewählten Männern aufgetragen wurden: Bischöfe, Priester, Diakone, Dienste, die bis heute in der Kirche gelten. Bis heute steht ein Priester der Eucharistie vor, der durch seine Weihe dazu bestellt ist, Christus in dieser Feier zu repräsentieren und im Namen der Gläubigen den Heiligen Geist anzurufen, er möge die Gaben von Brot und Wein verwandeln in Leib und Blut Christi. Nach der Überlieferung beauftragte Jesus auch seine Jünger bei der Einsetzung des Abendmahls mit den Worten: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (Lk 22,19). So gibt es neben dem Priestertum aller Getauften eben auch das Weihepriestertum, durch welches bestimmten berufenen Männern ein besonderer Dienst in der Kirche übertragen wird.

Was Sie sagen, dass wir alle das allgemeine Priestertum besitzen, stimmt. „… Das gemeinsame Priestertum der Gläubigen aber und das Priestertum des Dienstes, das heißt das hierarchische Priestertum, unterscheiden sich zwar dem Wesen und nicht bloß dem Grade nach. Dennoch sind sie einander zugeordnet: Das eine wie das andere nämlich nimmt je auf besondere Weise am Priestertum Christi teil. Der Amtspriester nämlich bildet kraft seiner heiligen Gewalt, die er innehat, das priesterliche Volk heran und leitet es; er vollzieht in der Person Christi das eucharistische Opfer und bringt es im Namen des ganzen Volkes Gott dar; die Gläubigen hingegen wirken kraft ihres königlichen Priestertums an der eucharistischen Darbringung mit und üben ihr Priestertum aus im Empfang der Sakramente, im Gebet, in der Danksagung, im Zeugnis eines heiligen Lebens, durch Selbstverleugnung und tätige Liebe“ (Lumen Gentium 10).

Das Priestertum des Dienstes beschränkt sich nicht allein auf die Spendung von Sakramenten. Es geht auch um Lehre und Verkündigung sowie die Sorge um die ihnen anvertrauten Menschen. Dies bedarf einer entsprechenden gründlichen Ausbildung, so wie auch andere Berufe und Berufungen von Menschen ausgeübt werden, die dazu befähigt sind (Ärzte, Lehrer etc.).

Wenn es schließlich um das Glaubensleben in der Familie geht, so spricht das letzte Konzil von der Familie als „Hauskirche“, dem ersten und natürlichen Ort, wo christliche Familien ihr Christsein und ihre Christusnachfolge leben können.

Selbstverständlich dürfen wir uns Veränderungen wünschen und dafür auch beten. Dennoch denke ich, dass wir oftmals im Kleinen etwas anfangen können; dass wir in kleinen Gemeinschaften, wie Sie erwähnt haben, uns treffen können und den Glauben lebendig werden lassen können, auch wenn dies nicht immer gleich mit Eucharistiefeiern verbunden ist. Ich wünsche Ihnen Gottes Segen und Kraft für Ihre Bemühen.

November 2019

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