Kultur

Spazieren Sie mit uns durch Basel

Wenn man die spitzen Türme und das kolossale Münster aus rotem Sandstein erreicht, dann hat man es geschafft, dann hat man die unattraktiven Industrieanlagen am Rande Basels hinter sich und ist in der charmanten Altstadt angekommen. Und da gibt es wirklich viel zu sehen.

Das Wahrzeichen der Stadt Basel: das Münster

Angefangen beim Münster selbst, dem Wahrzeichen Basels, mit den romanischen und gotischen Bauteilen und den bunten Dachziegeln. Auf dem Münsterhügel haben schon etwa 1000 v. Chr. Kelten gesiedelt, das erste Gotteshaus soll es hier schon im Frühmittelalter gegeben haben. Das heutige Gebäude entstand von 1019 bis 1500. Eigentlich hatte das Münster fünf Türme, aber nach einem schweren Erdbeben 1356 wurde es nur noch mit zweien wieder aufgebaut. Gehen Sie unbedingt um das Münster herum, der Blick von der hoch oben liegenden Terrasse, der Pfalz hinter dem Münster, über den Rhein bis zu den Vogesen und das gegenüber liegende Ufer bis zum Schwarzwald ist großartig!

Aber natürlich gibt es auch im Münster viel zu sehen: Die dreischiffige Kirche ist 65 Meter lang und 32,5 Meter breit, die farbigen Glasfenster stammen aus dem 19. Jahrhundert.  Es gibt einen Taufstein von 1465 und eine Kanzel im gotischen Stil von 1486. Die Orgel von 2003 ist zweigeteilt, damit das schöne Fenster nicht verdeckt wurde. Der Humanist Erasmus von Rotterdam, der lange in Basel gelebt hat und schließlich dort gestorben ist, wurde – obwohl katholischer Geistlicher – im reformierten Münster beigesetzt, denn man schätzte den großen Denker in der Stadt am Rhein.

Vom Münsterplatz nimmt man dann die Rittergasse zum St. Alban Graben und damit zum Kunstmuseum, einem großzügigen Bau der Architekten Rudolf Christ und Peter Bonatz von 1936. Weil die Basler nicht nur recht kunstsinnig, sondern auch spendabel sind, bekommt man dort hervorragende kubistische Werke und interessante Sonderausstellungen zu sehen. Und im Bistro gibt es ausgezeichneten Kaffee!

Das historische Rathaus von Basel aus dem Jahr 1514Wer weiter in Kunst schwelgen möchte, der überquert die Wettsteinbrücke und folgt der Grenzacher Straße bis zum Tinguely Museum, das der Stadt von der Hoffmann-La Roche AG 1996 geschenkt wurde und das sich ganz dem Werk des in Basel aufgewachsenen Künstlers Jean Tinguely (1925 bis 1991) widmet. Mit seinen bizarren, sinnfreien Maschinen gilt er als Hauptvertreter der kinetischen Kunst.  Das schlichte Museum ist übrigens ein Bau des Tessiner Architekten Mario Botta, der auch am Aeschenplatz eine Bank gebaut hat: einen spektakulären Rundbau mit zweifarbig gestreifter Natursteinverkleidung.

Noch mehr Kunst? Also gut, dann zurück über die Brücke, mit der Tram Nr. 3 bis zum Marktplatz und umsteigen in die Nr. 6. Die bringt einen recht gemütlich hinaus nach Riehen, einem schicken Vorort von Basel. Und dort steht eines der schönsten Museen überhaupt: Die Fondation Beyeler residiert in einem faszinierenden Gebäude des italienischen Architekten Renzo Piano mitten in einem englischen Landschaftsgarten des 19. Jahrhunderts mit Seen und Brücken. Das Galeristen-Ehepaar Beyeler hat seine umfangreiche Sammlung aus Kubisten, Impressionisten, Expressionisten und Pop Art der Stadt gestiftet. Hier gibt es so viel zu sehen, den Rest des Tages wird man dann sicher in der Fondation verbringen.

Wer heute nicht nach Riehen rausfahren will, der geht vom Kunstmuseum durch die Freie Straße und dann gleich links zum Barfüsser Platz.  Der „Barfi“ war einst vorübergehend Marktplatz mit Obst-, Gemüse- und Fleischständen und wird deshalb gern im Dialekt Seibi (Sauenplatz) genannt. Hier pulsiert auch heute noch das Leben. Also nehmen Sie Platz in einem Straßencafe und genießen Sie das bunte Treiben. Oder Sie gehen in die legendäre Rio-Bar, die schon morgens um neun öffnet.

Durch die Schnabelgasse geht’s jetzt zum Spalenberg. Für das Schaufenster von Nr. 14 braucht man einige Minuten: Bei Johann Wanner weihnachtet es nämlich – und das auch im Sommer. Gehen Sie hinein und berauschen Sie sich an Engeln und Kugeln, an Sternen und Lichterketten, in Weiß und Silber, in Rot und Gold, einfach unglaublich und längst legendär. Nebenan gibt es ähnlich Spannendes zu sehen. In Nr. 12 residiert das winzige Theater Fauteuil, dessen Einrichtung und Treppenhaus vom spanischen Star-Architekten Santiago Calatrava entworfen wurde.

Wenn Sie jetzt den Nadelberg entlang schlendern und dann rechts ins schmale Imberggässlein einbiegen, stehen Sie bei Nr. 3 vor einem unscheinbaren Haus, das auf 1303 datiert wird und das große Erdbeben von 1356 fast unbeschadet überstanden hat. Hier haben mal Gewürzhändler gewirkt, die auch Ingwer verkauften, daraus entstand der Name Imberg.

Jetzt sind Sie gleich wieder am Marktplatz, der von dem eindrucksvollen Rathaus von 1514 dominiert wird. Falls es gerade Donnerstagabend ist, sollten Sie das Rathaus besichtigen, das wird nämlich nur einmal wöchentlich geöffnet. Falls nicht: Suchen Sie sich einen Platz vor dem Café Schiesser und lassen Sie sich einen Aperitif servieren.

Christiane Osterhof

Mai 2018

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