Steyler Welt

Steyler Pater Konrad Dreyer: „Kirchen zu bauen war mein Hobby“

Pater Konrad Dreyer erzählt in unserer Serie "Der Schatz der Alten" von seiner Zeit in Ghana. Dort kümmerte er sich um den Kirchenbau und vor allem die Jugendlichen.

Pater Konrad Dreyer wurde 1938 in Altenmelle geboren. Nach seiner Ausbildung zum Bau- und Möbelschreiner überwog der Wunsch, Missionar zu werden. Er machte 1964 das Abitur nach, trat anschließend ins Noviziat in Sankt Augustin ein. 1970 legte er die Ewigen Gelübde ab und wurde im Oktober 1970 zum Priester geweiht. Das Theologiestudium an der Hochschule Sankt Augustin schloss Pater Dreyer 1971 ab. 1972 wurde er nach Ghana berufen. Seit einigen Monaten lebt er in Steyl.

Der Abschiedsgottesdienst in Ashaiman berührte mich tief, denn hier hatte ich die meisten Jahre als Priester gearbeitet, viele Freunde gefunden. Und alle waren gekommen, mir Lebewohl zu sagen. Nach 48 Jahren als Missionar in Ghana hieß es im Januar für mich: zurück nach Deutschland. Kein leichter Schritt, aber aus gesundheitlichen Gründen leider notwendig. Mein Interesse an der Missionsarbeit begann schon früh. Als Jugendlicher las ich die spannenden Geschichten darüber in der stadtgottes, war fasziniert von den Erzählungen eines Missionars, den ich damals kennenlernte. Nach einer Lehre als Schreiner entschied ich mich dann, das Abitur nachzuholen und Missionar zu werden. Meine handwerkliche Ausbildung sollte mir noch von großem Nutzen sein.

©privat1972 begann ich meine Arbeit in Ghana. Meine erste Station war Nima, der Slum der Hauptstadt Accra, in dem ich als Kaplan arbeitete. An die extreme Armut musste ich mich gewöhnen – an die kleinen Wellblechhütten, in denen die Familien lebten, den Dreck in dem Gewirr der Gassen, die fehlende Kanalisation. Als ehemaliger Pfadfinder lag mir die Jugendarbeit besonders am Herzen. Ich spielte mit den Jugendlichen Fußball und Volleyball, wir sangen, tanzten, diskutierten. Mit selbst gebastelten Requisiten führten wir sogar die Passion auf. 65 Personen nahmen daran teil, etwa die Hälfte davon als römische Soldaten ausgestattet mit Helmen, Brustwehr, Schwertern und Schilden.

In Ashaiman, dem größten Slum Ghanas nahe der Hafenstadt Tema, wo ich ab 1974 wirkte, war es eine meiner wichtigsten Aufgaben, die Spannungen zwischen den unterschiedlichen ethnischen Gruppen zu glätten und für gegenseitige Toleranz zu werben. Mir war es aber auch wichtig, dass die Kirche die ghanaische Kultur und ihre Traditionen fördert. So tanzte in meiner Gemeinde eine Gruppe traditionell gekleideter Mädchen in der Osterfeier um die Osterkerze. Diese Art der Verehrung Jesu begeisterte die Gläubigen sehr. Der Gottesdienst auf Englisch wurde von Katecheten in die unterschiedlichen Stammessprachen übersetzt. Auch die Ausbildung der Katechisten war mir sehr wichtig.

©privatDamals entdeckte ich auch meine Begeisterung für das Schreinern und Bauen aufs Neue. Mein Vorgänger hatte ein Grundstück gekauft, auf dem früher eine Müllkippe war und illegale Schweineställe standen. Dort wollte er eine Kirche errichten. Ich veränderte den schon fertigen Bauplan, vergrößerte die Kirche, damit sie mehr Personen fassen konnte. 1977 wurde Sankt Augustin – so heißt sie – eingesegnet. Das war der Anfang meiner Tätigkeit als Kirchenbauer. Insgesamt entwarf ich fünf Gotteshäuser, zwei baute ich um. Eine „meiner“ Kirchen erinnert in ihrer Form an ein Schiff. Die Gemeinde bezog ich in meine Planungen immer ein.

Nach mehreren Jahren als Vizeprovinzial, in denen ich viel reisen musste, kehrte ich 1991 nach Ashaiman zurück. Die Gemeindearbeit mit den engagierten Gläubigen verlief durchweg harmonisch. Ich baute eine Schule mit Kindergarten, ein Pfarrzentrum, gründete drei neue Gemeinden. Dagegen hatte ich es in meiner letzten Station in Abeka, einem anderen Stadtteil von Accra, recht schwer. Es gab erhebliche Spannungen zwischen den ethnischen Gruppen, die Gebäude der Gemeinde waren vernachlässigt. Auch hier musste viel um- und neugebaut werden.

Seit 2019 bin ich im Ruhestand, lebe nun in Steyl. So schön es hier ist – ich vermisse Afrika, die Menschen mit ihrer Großzügigkeit, Hilfsbereitschaft und Fröhlichkeit. Was bleibt, sind Erinnerungen und der Dank, dass ich dort sein durfte.

Aufgezeichnet von Ulla Arens

Mai 2020

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Bisherige Beiträge

Die Armut treibt junge Mädchen aus dem Norden Ghanas in die Hauptstadt Accra. Auf dem Markt finden sie Arbeit und werden gnadenlos ausgenutzt. Die...

[weiter...]

Nicht immer erschließt sich der Inhalt der Bibel beim ersten Lesen. Darum haben wir den Steyler Pater Michael Kreuzer gebeten, sie uns zu erklären.

[weiter...]