Steyler Welt

Stille Beterinnen

In dem kleinen Konvent der Rosa Schwestern in Lincoln/USA leben nur neun Schwestern. Frauen aus der Stadt unterstützen sie im Alltag und im Gebet.

Ihre Mission sehen die Schwestern darin, ihr Gebet vor Gott zu tragen.

Louise Mary konnte nicht widersprechen. Mit offenem Mund saß sie auf dem Zahnarztstuhl, während ihr Gegenüber über die Rosa Schwestern sprach. Es war nicht das erste Mal, dass sie vom Leben dieser Ordensgemeinschaft, offiziell Dienerinnen des Heiligen Geistes von der Ewigen Anbetung, fasziniert war. 25 Jahre später ist Louise Mary selbst eine Rosa Schwester und erinnert sich mit Vergnügen an das Berufungserlebnis beim Zahnarzt.

Eintritt ins Kloster

„Ich wollte schon immer Nonne werden“, erzählt die 56-Jährige Oberin der neun Schwestern. „Das war kein Problem für meine Eltern, denn meine Tante war auch im Kloster – aber meine Eltern wollten mich in einem aktiven Orden sehen.“ Also fragte die junge Frau bei den Steyler Schwestern einfach für beide Wege an. Aber das wunderschön-friedliche Foto einer Anbetungsschwester vor dem Allerheiligsten in Steyl, das sie gesehen hatte, ging ihr nicht aus dem Kopf. Sie beendete ihr Studium mit dem Master in Bibliothekswissenschaften – und landete dann bei eben jenem Zahnarzt, der ihr zeigte, wohin sie wirklich wollte.

@Jörg BöthlingSeit 2001 lebt die Filipina in dem kleinen Konvent von Lincoln im Mittleren Westen der USA. „Anfangs war es nicht leicht, ich vermisste mein gewohntes Essen, und es war so kalt hier!“

Tag und Nacht vor dem Allerheiligsten zu knien, wie es die Ordensregeln eigentlich vorsehen, schafft der kleine Konvent nicht. Deshalb sind die Schwestern froh, dass viele Laien mitbeten. Bischof James Conley hat je drei Frauen aus den elf Pfarreien seiner Diözese gebeten, das Kloster zu unterstützen. Jede hat ihre „heilige Stunde“, in der sie in der Kapelle betet. Der Bischof möchte damit die Schwestern in ihrer strengen Klausur zu einem selbstverständlichen Teil seiner Diözese machen und ihr Gebet mit dem Gebet in den Pfarreien vereinen.

Den Blick geweitet

Maryann Spahni ist eine der Laien-Beterinnen. Sie war eine junge Frau von 20 Jahren, als die Schwestern 1973 aus dem Süden der USA nach Lincoln kamen. „Seitdem komme ich jede Woche hierher und betrachte das eucharistische Gesicht Jesu.“ Ihre Freundin Linda Terrano sagt einfach nur schlicht: „Es ist schön, für mich, hier in der Kapelle zu sein.“

Für Amerikaner, die sich für den Rest der Welt kaum interessieren, ist die Internationalität der Rosa Schwestern eine echte Bereicherung: „Vorher hatte ich nur Lincoln im Blick“, gibt Maryann Spahni zu. „Jetzt schaue ich weltweit!“

@Jörg BöthlingDie Unterstützerinnen beten aber nicht nur, sie packen auch an. Bei der Gelübdefeier von Schwester Louise Mary servieren sie den Gästen rosa Kuchen und kleine Köstlichkeiten. Sie fahren die Schwestern auch zum Arzt oder zeigen die Wege durch die Stadt, die den Schwestern hinter ihren Klostermauern nicht vertraut sind. „Aber wir fühlen uns den Leuten draußen sehr verbunden, wir sind Teil der Diözese“, versichert Schwester Mary Christia und lächelt verschmitzt: „Unsere Gebete durchbrechen die Wände!“

Auch für den Bischof von Lincoln, James Conley, sind die Schwestern, wie er sagt, „ein Segen, ein Licht für die ganze Gegend“. Angesichts des Missbrauchsskandals, der die komplette Kirche in den USA schwer getroffen hat, hofft er auf die Kraft der Schwestern. „Sie haben ihre Augen auf Jesus gerichtet“, sagt er. „Sie erinnern uns daran, dass wir Jünger Jesu sind. Auch wir sollten unsere Augen auf Jesus richten.“

"Die Menschen wollen anbeten"

Für die Schwestern ist klar: Sie beten und geben anderen einen Raum zum Beten. „Es sitzen immer Leute in der Kapelle“, hat Schwester Louise Mary beobachtet. „Die Menschen wollen anbeten, sie brauchen einen stillen Raum in einer lauten Welt.“ Nach 25 Jahren ist sie noch immer glücklich über ihre Berufung. „Ich liebe das Charisma von Arnold Janssen, und ich bin froh, dass so viele Leute uns unterstützen, damit wir in seinem Sinne wirken können“, freut sich die Jubilarin.

Ihre Dankbarkeit wollen die Frauen von draußen nicht hören, sie fühlen sich durch die Schwestern beschenkt. „Sie geben mir das Gefühl, etwas wert zu sein“, sagt Linda Terrano. „Mit ihnen zu sein, gibt mir Frieden, egal was passiert. Das macht mich wirklich glücklich.“ 

Christina Brunner

Dezember 2019

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