Steyler Welt

Südsudan: Mit den Steylern von der Zukunft träumen

Im Lager Bidi-Bidi haben Hunderttausende Flüchtlinge aus dem Südsudan eine sichere Zuflucht gefunden. Das Steyler Team, das dort arbeitet, träumt mit ihnen von der Rückkehr in die Heimat.

Die Idylle täuscht: Im Flüchtlingslager Bidi-Bidi hoffen über 250.000 Flüchtlinge auf eine Rückkehr in den Südsudan.

Eine hügelige Landschaft, rote Erde, Bananenstauden, daneben runde Lehmhäuser mit kleinen Gärten. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein afrikanisches Dorf, ist in Wirklichkeit ein Flüchtlingslager. Mehr als 250.000 Menschen – so genau weiß das niemand – leben hier. Sie flohen aus dem Südsudan. Die Nachbarländer nahmen sie auf. 1,1 Millionen Flüchtlinge leben inzwischen allein in Uganda. Bidi-Bidi an der Nordwest-Grenze war jahrelang das größte Flüchtlingslager der Welt.

@Christa Petra Ahrer SSpS„Sie nennen es nicht Lager, sondern Settlement (Ansiedlung), weil alle wissen, dass die Flüchtlinge in absehbarer Zeit nicht nach Hause zurückkehren werden“, berichtet Schwester Christa Petra Ahrer. Als Missionsprokuratorin in Österreich hat sie die Steyler Schwestern und Brüder in Bidi-Bidi besucht und sich ein Bild von der Situation gemacht. „Ein Lager stellt man sich ja auch immer als einen Ort mit Zäunen und Wachtürmen vor, in dem jeder Schritt bewacht wird“, erklärt Pater Francis Naduviledathu SVD. „Aber hier gibt es keinen Stacheldraht, wir können uns ganz frei bewegen.“

Bis der Friede kommt

Im Südsudan ist Ende 2013 ein Bürgerkrieg ausgebrochen. In der Hauptstadt Juba kam es im Juli 2016 zu gewaltigen Gefechten, die auch viele Opfer der Zivilbevölkerung gefordert haben. Die Menschen fliehen in die umliegenden Länder wie Sudan, Kenia, Äthiopien, DR Kongo oder Uganda, um Schutz zu suchen. Die meisten Flüchtlinge sind Kinder, Jugendliche und Frauen.

@Christa Petra Ahrer SSpSAls die Kämpfe ausbrachen, mussten die Steyler Missionare den Südsudan verlassen. So auch Pater Francis. Heute arbeiten fünf Missionare und sieben Missionsschwestern in dem riesigen Gebiet. Die Flüchtlinge in ihrem neuen Leben in Uganda zu begleiten, ist für sie selbstverständliche Solidarität, denn das Schicksal, Flüchtling zu sein, verbindet sie. „Wir beten jeden Tag für den Frieden!“, sagt Pater Francis. „Und wenn dieser Friede kommt, werden wir mit unseren Leuten natürlich zurück in die Heimat gehen.“ Schwester Benigilda Ladia bleibt realistisch: „Sie wissen, dass sie hier nur geduldete Gäste sind. Hier müssen wir anfangen, den Frieden einzuüben, damit wir ihn in der Heimat leben können!“

Das Projekt

Das Leben im Flüchtlingslager ist mühselig, es gibt viele Schwierigkeiten in der Infrastruktur, so etwa im Bildungsbereich: Den weitausmeisten Jugendlichen, die bereits die Grundschule abgeschlossen haben, ist es nicht möglich, die weiterführende Mittelschule zu besuchen, da die fünf in Bidi Bidi vorhandenen Mittelschulen viel zu klein sind.

@Christa Petra Ahrer SSpSDurch das Projekt sollen Jugendliche finanziell unterstützt werden, um die regulären Mittelschulen außerhalb von Bidi Bidi besuchen zu können. Hier gehen sie mit Schülern aus Uganda in die gleichen Klassen. Neben den üblichen Schulgebühren fallen auch Kosten für Unterbringung, Verpflegung und Ausstattung an. Damit die jungen Menschen ihren Abschluss machen können, ist die Förderung auf vier Jahre ausgelegt.

Uganda gilt als vorbildlich im Umgang mit Flüchtlingen. Sie bekommen ein 30 mal 30 Meter großes Stück Land für Haus und Garten „geliehen“ und dürfen kleine Jobs, zum Beispiel bei den Nichtregierungsorganisationen (NGOs) übernehmen. Um den sozialen Frieden zu wahren, sorgt die Regierung dafür, dass von der Hilfe auch die Alteingesessenen profitieren. Und wenn im Dorf dann plötzlich sauberes Wasser und Solarenergie vorhanden sind, die Straßen ausgebessert und Schulen eröffnet werden, sind die Flüchtlinge keine Konkurrenten mehr, sondern respektierte Nachbarn. 

„Wir hoffen, dass sie damit eine bessere Zukunft haben“, sagt Schwester Beni.

Die ganze Geschichte lesen Sie bei uns im Heft. Weitere Informationen zur Situation in Bidi-Bidi gibt es hier. Ebenso haben wir hier Wissenswertes zu den Flüchtlingen aus dem Südsudan nach Uganda. 

Christina Brunner

Januar 2020

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Bisherige Beiträge

Lepra ist keineswegs ausgestorben. Als „Krankheit der Armen“ grassiert sie weiterhin, zum Beispiel in Indien. Die Betroffenen sind ein Leben lang...

[weiter...]

Alkohol, Depressionen, Überforderung – wer mit diesen Problemen kämpft, kann nicht für seine Kinder da sein. Hier hilft der Steyler Priester Edward...

[weiter...]