Titelthema

Verleumdet und verfolgt

Die Menschen am Amazonas sind ihm wichtig: Pater José Boeing SVD setzt sich als Rechtsanwalt für sie ein

Menschen wie diese unterstützt der Steyler Pater José Boeing

Ich stamme aus dem Süden Brasiliens und begann meine Mission in Amazonien 1991 unmittelbar nach meiner Priesterweihe. Seitdem arbeite ich in Projekten, die sich für die Verteidigung des Landbesitzes und der Umwelt einsetzen: in Solidarität mit den Indianern, Fischern, Waldarbeitern und landwirtschaftlichen Familienbetrieben.

© Stephan NeumannEs gibt viele Möglichkeiten, das Leben zu verteidigen, vor allem in schwierigen Zeiten für die Umwelt und die indigenen Völker. Ich sehe Fortschritte bei der Bildung, im Kampf um die Bürgerrechte und im Lösen von Konfliktsituationen. Viele Führungskräfte haben die sogenannte „Schule für Vergebung und Versöhnung“ durchlaufen.  Sie helfen, Gewalt zu vermeiden und eine Aussöhnung einzuleiten, um so gerichtlichen Auseinandersetzungen vorzubeugen. Das Ziel ist es, Verträge zu schließen, bevor die Causa vor Gericht gelangt.

Andererseits sind die Probleme und Herausforderungen Amazoniens riesig. Mächtige Bergbaugesellschaften, Abholzung mit illegalem Holzhandel, Erschleichung falscher Besitztitel (öffentliches Land wird als privat deklariert), Invasion von Goldsuchern und Holzfällern auf indianischem und öffentlichem Land, die Verhinderung der Landreform ... Unter der jetzigen Regierung wird die Ausbeutung des Landes und des Wassers weiter vorangetrieben, vor allem durch die Ausweitung des Sojaanbaus und des Lastwagen-verkehrs zu den Häfen. Dazu kommen der Bau der Staudämme von Belo Monte und Tapajós sowie die Errichtung der Eisenbahnlinie für den Transport von Soja und Mais. Es fehlt eine Landwirtschaftspolitik für die kleinen Familienbetriebe und den ökologischen Anbau der Region. Angesichts dieser Fakten gab es unzählige Konflikte und Morde an religiösen Führungskräften, Gewerkschaftlern und Umweltaktivisten. Viele Verteidiger der Menschenrechte werden bedroht und brauchen staatlichen Schutz. 2006 wurde auch ich selbst bedroht, als ich gegen die illegale Errichtung eines Hafens für Soja durch das Unternehmen Cargill in Santarém protestierte. Zehn Jahre später wurde ich als Pfarrer der Gemeinde in Trairão und gleichzeitig Rechtsanwalt verleumdet und verfolgt durch Holzfäller und Landbesitzer, die die Ländereien illegal ausbeuten. Sie wollen den Protest der Führungskräfte, die die Armen und die Völker des Waldes verteidigen, nicht hören.

Aber die katholische Kirche Amazoniens hat den Widerstand gegen die Interessen der Wirtschaft aufgenommen, zusammen mit den Indianern und Kleinbauern. Sie baut ökologisch-landwirtschaftliche Netzwerke auf, in denen eine schonende Bearbeitung des Landes und eine biologische Produktion propagiert werden. So halten die ökologisch orientierten Bauernverbände bereits eigene Märkte ab und verkaufen 30 Prozent ihrer Produkte für die Schulspeisung!

Wir alle sind eingeladen, an diesem Kampf für die soziale Gerechtigkeit teilzunehmen, denn das Reich Gottes wird durch menschliche, gerechte und geschwisterliche Beziehungen aufgebaut, im Dialog mit dir selber und dem anderen

Bearbeitet von Christina Brunner

Oktober 2019

Kommentare (1)

  • Alfred Coenen
    Alfred Coenen
    am 27.09.2019
    Hier im Amazonas hat die Kirche eine großartige Aufgabe und Möglichkeit,die Heilsbotschaft Jesu Christi zu verwirklichen.
    Pater Neumann und seinen Mitstreitern wünsche ich Erfolg und Gottes Segen.

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