Ratgeber - Psychologin

Vom Reliunterricht abmelden?

Meine 14-jährige Tochter möchte sich vom Religionsunterricht abmelden. Sie sagt, die Stunden seien langweilig und bringen ihr nichts. Wie kann ich sie davon überzeugen, dabeizubleiben?

Ab dem 14. Lebensjahr sind Jugendliche religionsmündig und können sich vom Religionsunterricht abmelden. Damit wird ihnen zugetraut, eine Entscheidung für sich und ihr Leben selbstständig zu treffen. Für viele Jugendliche ist das eine Verlockung. Zum einen, weil es ihrem Drang nach Selbstbestimmung in diesem Alter sehr entgegen kommt. Zum anderen, weil Religionsunterricht tatsächlich oft als langweilig empfunden wird. Sich einfach davon abmelden zu können, scheint da eine sehr schnelle und unkomplizierte Lösung des Problems. Allerdings hat diese Herangehensweise etwas Reflexartiges. So wie wir eine uninteressante Seite im Internet wegklicken oder eine irrelevante Nachricht vom Handy wischen. Nicht immer steckt dahinter auch eine wirkliche Entscheidung. Denn entscheiden bedeutet ja, verschiedene Optionen in den Blick zu nehmen, sie gegeneinander abzuwägen, darüber ein Urteil zu fällen und dann verantwortlich zu handeln.

All das wird Ihrer Tochter mit 14 Jahren zugetraut, und genau auf dieses Zutrauen könnten Sie sie aufmerksam machen. Regen Sie sie an, zu überlegen, welche Alternativen es zu einer Abmeldung vom Religionsunterricht gibt: mit der Lehrkraft sprechen, eine Diskussion darüber in der Klasse entfachen, nach Themen und Methoden suchen, die den Unterricht ansprechender machen würden … Vielleicht merken Sie im Gespräch aber auch, dass die Frage nach dem Religionsunterricht nur obenauf liegt, es aber eigentlich um etwas anderes geht, nämlich: Wie gehe ich mit Langeweile um? Wie mache ich das Beste aus einer Situation, die mir augenscheinlich „nichts bringt“. Abmelden? Abschalten? In einen passiven Modus umschalten? Oder vielleicht doch konstruktiv damit umgehen, indem ich in der Situation Initiative ergreife? In jedem Fall ist diese Situation eine Chance, sich im Erwachsensein zu üben. Als Eltern können Sie Ihre Tochter dazu anstoßen, diese Chance nicht ungenutzt zu lassen. 

Juni 2018

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