Steyler Welt

Von Österreich zur Mission nach Ghana

Schon als Kind zog es Anton Fencz zu den Steyler Missionaren. Als Erwachsener schickte der Orden ihn dann nach Ghana.

Pater Anton Fencz wurde 1946 im österreichischen Ollersdorf/Burgenland geboren. Er besuchte die Schulen der Steyler Missionare in St. Severin und St. Rupert und trat 1965 in die Gesellschaft des Göttlichen Wortes ein. 18 Jahre arbeitete er als Missionar in Ghana. Nach seiner Rückkehr war er Pfarrer in Wien, später Provinzial, Koordinator der Europa-Zone der SVD und sechs Jahre Rektor des Missionshauses St. Gabriel.

Schon mit elf Jahren stand für mich fest: Ich werde Missionar! Ich bin im Südburgenland aufgewachsen. Einer meiner Freunde besuchte bereits die Schule und das Internat der Steyler Missionare in Fürstenfeld. Als er einmal zu Besuch war, erzählte er mir von St. Severin. Da fuhr es wie ein Blitz durch mich und ich wusste: Ich will auch dorthin gehen und Missionar werden! Meine Eltern hatten nicht damit gerechnet, dass ich Priester werden wollte, aber sie unterstützten mich.

©Franz Helm SVDAn die Schul- und Internatszeit in St. Severin und später in St. Rupert in Bischofshofen habe ich überwiegend positive Erinnerungen, nur das verregnete Wetter in den Salzburger Bergen war für mich sonnengewöhnten Burgenländer schwer auszuhalten. Wir haben bereits in der Schule wie SVD-Mitglieder gelebt: Gebet, Messfeier, Unterricht, alles war geregelt. Das Theologiestudium in St. Gabriel war äußerst inspirierend. Wir hatten hervorragende Professoren. Das Konzil war gerade zu Ende gegangen und es herrschte ein Aufbruchsgeist. Immer wieder kamen Missionare auf Heimaturlaub und berichteten in Lichtbildvorträgen von ihren Einsatzländern und Aufgaben. Und es kamen auch Steyler aus anderen Kontinenten zum Studium nach St. Gabriel. Das erweiterte unseren Horizont ungemein.

Zur Mission nach Ghana

Meine Missionsbestimmung lautete Ghana – mein Wunschziel. Ich reiste mit einem Frachtschiff von Genua nach Accra, zehn Tage dauerte die Überfahrt. Dann übernahm ich in Zentralghana ein Gebiet, das von einer bestehenden Pfarre abgetrennt wurde und so groß wie meine Heimatdiözese, das Burgenland, war. Zu meiner Pfarre gehörten anfangs 17 Außenstationen, zu denen ich mit einem noch rechts gesteuerten alten VW fuhr, in manchen der Stationen war seit sieben Jahren kein Priester mehr gewesen. Aber trotzdem gab es ein Gemeindeleben. Da dachte ich mir: Nimm dich nicht so wichtig, der liebe Gott war schon vor dir da!

©privatSchulen und Brunnen

Die Aus- und Weiterbildung der Katechisten in den Außenstationen lag mir besonders am Herzen. Und auch die Entwicklungsarbeit war uns Steylern ein großes Anliegen: Schulen wurden gebaut, und ein Mitbruder bohrte hunderte Brunnen, mit denen die Bevölkerung mit sauberem Wasser versorgt wurde. Es waren vor allem die Frauen in den Dörfern, die alles aufrechterhielten. Dass Afrika funktioniert, verdankt es weithin den Frauen.

1993 kehrte ich auf Wunsch der Provinzleitung nach Österreich zurück. Am Tag meiner Abreise legten die Menschen in meiner Pfarre ihre Trauergewänder an, und auch mir fiel der Abschied sehr schwer. Ich bin bewusst nie mehr nach Ghana gefahren, ich wollte mir den Schmerz nicht noch einmal antun. Umso größer war meine Überraschung und Freude, als im Jahr 2000 ein junger Mann vor mir stand. Aus Patrick, dem großgewachsenen Burschen mit den fröhlichen Augen aus meiner Pfarre in Ghana, war der Steyler Missionar Pater Kodom geworden! Seit 20 Jahren arbeitet er in Österreich in der Betreuung von geflüchteten Menschen. Es ist diese Internationalität, die mich an unserer Ordensgemeinschaft fasziniert.

Die gesamte Geschichte lesen Sie bei uns im Heft.

Aufgezeichnet von Ursula Mauritz

Juli 2020

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