Interview

"Was Du verdrängst, das bleibt bestehen, was Du annimmst, kann vergehen"

Maria Bachmann ist Schauspielerin und Autorin. Mit stadtgottes sprach sie über Glaube und Gebet.

Das "Vater unser" betet Maria Bachmann fast täglich.

Sie haben viel ausprobiert, waren bei Heilern, Schamanen, meditierten mit Buddhisten und Katholiken. Welche Spiritualität leben Sie heute?

Ich glaube an das Göttliche, an das große Bewusstsein, in dem alles vorhanden ist. An den strafenden Gott aus meiner Kindheit glaube ich nicht mehr. Wie zu meiner Jugend die Bibel ausgelegt wurde, der Glaube übersetzt wurde, das hat mich nicht fürs Leben stark gemacht, sondern geschwächt. Durch die Auseinandersetzung mit mir kann ich die Texte aus der Bibel ganz anders interpretieren, da finde ich Juwelen.

Zum Beispiel ...

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ (Joh 15,5). Jesus will damit ausdrücken: Wie ich das Göttliche für mich verinnerliche, so könnt ihr das auch. Durch seine Gleichnisse ist er für mich ein Begleiter, ein Wegweiser. Es bedeutet für mich auch, bei mir zu bleiben und nicht außen zu suchen.

Auch in Ihrer Kindheit gab es solche Zeichen eines liebenden, wegweisenden Gottes, so zum Beispiel als Sie im Jugendgottesdienst sangen: „Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer, wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus.“

Damals habe ich den liebenden Gott nur im Jugendgottesdienst gespürt, aber Gottvertrauen habe ich erst als Erwachsene gefunden. Als Kind war ich in einer Abhängigkeit und Ohnmacht gefangen, ein braves, liebes Mädchen zu sein, um Liebe zu verdienen. Zum Glück war ich auch sehr neugierig auf die große, weite Welt.

Was bedeutet diese Liedzeile heute für Sie?

Das Wunder Gottes ist überall; in der Natur, der Stille, in Dingen, die mich beflügeln, die meine Seele tragen. In guten Freundschaften und Gesprächen. Ich habe dieses Gottvertrauen gefunden, kann es fühlen. Früher war ich oft verzagt, hatte das Gefühl, die Welt ist schlecht. Ich bin den Menschen, weil es mir meine Eltern vorgelebt haben, mit Misstrauen begegnet. Das war für sie nach dem Krieg eine plausible Vorsichtsmaßnahme. Heute fühle ich mich hier auf der Erde sehr willkommen.

Als Kind und Jugendliche mussten Sie in die Kirche gehen. Welche Beziehung haben Sie heute zu Gotteshäusern?

Manchmal gehe ich in leere Kirchen, schließe die Augen, genieße die Stille, gehe in mich, halte Zwiesprache.

Was bedeutet Ihnen das Gebet?

Das Gebet habe ich wieder neu entdeckt. Es ist für mich wie Balsam. Ich kann meine Sorgen und Ängste abgeben und loslassen. Dadurch können sich Lösungen zeigen. Wenn ich als Jugendliche geschmettert habe „... auf dich bau ich, auf dich vertraue ich ...“ wusste ich gar nicht, was ich da singe. Ich habe mich lediglich in den Klängen verausgabt, aber was das heißt, spürte ich nicht.

Wie beten Sie?

Ich bete fast jeden Tag das „Vater unser“. Es erdet und ankert mich.

Melanie Fox

Dezember 2019

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Zur Person

Maria Bachmann, 55, ist gelernte Arzthelferin und Krankenschwester. Sie arbeitete als Radiomoderatorin und absolvierte eine Schauspielausbildung in Hamburg. 1994 wurde sie mit dem Werbespot „... dann klappt‘s auch mit dem Nachbarn“ entdeckt. Seither ist sie einem großen Publikum aus TV- und Kinoproduktionen bekannt. Zudem ist sie Motivationscoach und Autorin.

Buchtipp

"Du weißt ja gar nicht, wie gut du es hast" von Maria Bachmann, Knaur, 19,99€, 23,90 CHF