Gesellschaft

Was ich nicht brauche

Zero Waste heißt übersetzt null Müll, aber auch null Verschwendung. Wir vergeuden keine kostbaren Rohstoffe mehr – und fühlen uns besser. Das kann unsere Autorin bestätigen. Ein Selbstversuch

Müll vermeiden, Verpackung sparen: In den Unverpackt-Läden kann man den Einkauf in eigenen Behältern nach Hause tragen

Langsam vermischt sich der Kaffee mit dem Milchschaum. Noch einmal rühre ich mit dem kleinen weißen Stäbchen um, dann greife ich nach einem der Plastikdeckel, die in der Bäckerei bereitliegen. Den ersten Kaffee am Morgen trinke ich schnell, schon nach zehn Minuten landet mein Becher im nächsten Mülleimer. Gleichzeitig wirbeln 17 000 Kilometer entfernt Millionen Einkaufstüten, PET-Flaschen und andere Kunststoffprodukte immer wieder durcheinander. Im Nordpazifikstrudel schwimmt ein Müllteppich, der die Größe Mitteleuropas erreicht hat. Die Plastikteilchen sind von Mülldeponien ins Meer geweht oder durch Flüsse hineingeschwemmt worden und bedrohen unser Ökosystem. 

Wie ich mit meinem alltäglichen Verhalten die Umwelt beeinflusse, war mir lange nicht bewusst; Lebensmittel, Kosmetikartikel und Kleidung kaufte ich nach Lust und Laune. Doch als ich begonnen habe, die Produkte und Zusammenhänge zu hinterfragen, konnte ich nicht mehr aufhören: Aus welchen Inhaltsstoffen besteht meine Creme, und wohin kommt die Verpackung, wenn die Müllabfuhr sie abgeholt hat? Brauche ich den ganzen Kram aus der Werbung wirklich, oder wird mein Leben nicht viel einfacher, wenn ich nur drei verschiedene Hosen besitze? 

Sogenannte Minimalisten versuchen, mit möglichst wenigen Dingen zu leben. Sie wählen einen Lebensstil des Verzichts, um Platz für das Wesentliche zu schaffen. Bücher, Kleidung und Haushaltsgegenstände werden jedoch nicht weggeworfen: Ungenutzte Dinge kann man in vielen Städten in „Gift-Boxes“ (englisch für Geschenk-Kästen) hinterlegen, wo sie jemand anderes einfach mitnehmen kann. Auch die Bewegung Zero Waste (null Müll) setzt auf Verzicht zum Schutz der Natur. Wer Kosmetika oder Putzmittel selbst herstellt, vermeidet Müll und Giftstoffe. In vielen Städten gibt es bereits Unverpackt-Läden, in denen Nudeln, Müsli und Getreide in mitgebrachte Behälter gefüllt werden können – für einen Einkauf ohne Abfall. 

Bei der Müllvermeidung kreativ zu werden, macht Spaß und spart Geld. Im Keller meiner Großeltern lagen stapelweise Stofftaschentücher, die ich jetzt anstelle von Papiertaschentüchern, Servietten oder Küchenrolle verwende. Im Winter stelle ich meinen Kühlschrank aus und lagere die Lebensmittel einfach gut verschlossen auf dem Balkon. Es lohnt sich, kreativ zu werden und neue Ideen auszuprobieren. Brötchen kann man in der Bäckerei zum Beispiel einfach in einen mitgebrachten Stoffbeutel füllen lassen. Zu Beginn kostet es Überwindung, Extrawünsche zu äußern, und manchmal kommt der Gedanke: Eine Verpackung mehr oder weniger – macht das wirklich so viel aus? Ja, denn es dauert mehr als 400 Jahre, bis eine Plastiktüte verrottet ist. So viel Zeit haben wir nicht! Immer mehr Cafés gewähren übrigens mittlerweile Rabatt, wenn man seinen eigenen Thermobecher füllen lässt. Daraus schmeckt der Kaffee noch viel besser.

C.G.

Dezember 2017

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Bisherige Beiträge

Wenn es in der Kirche kracht oder die Pfarrei sich verändern möchte, bieten die Bistümer Hilfe an: Gemeindeberatung kostet nichts und hilft durch den...

[weiter...]

Seit Jahrhunderten hat das Spiel vom Leiden und Sterben Jesu Christi in der Tiroler Gemeinde Erl Tradition. Mehr als 500 Bewohner vom Baby bis zur...

[weiter...]