Reportage

Wasser, Mehl und viel Handarbeit

In der Hostienbäckerei der Steyler Missionare in Mödling werden pro Monat 400.000 Hostien produziert. Wir waren zu Besuch in der Backstube

In drei Größen werden die Hostien ausgestanzt.

Die Herz-Jesu-Pfarre mit dem markanten Kirchturm liegt in einer ruhigen Wohngegend von Mödling. Schon beim Eingang ins Pfarrhaus strömt uns der Geruch von Frischgebackenem entgegen. Wir sind also auf dem richtigen Weg in die Hostienbäckerei!

Seit mehr als 90 Jahren werden hier Hostien für Pfarren und Klöster in ganz Österreich gebacken. 2018 verließen etwas mehr als 4 Millionen Stück der kleinen runden Oblaten die Backstube einer der größten Hostienbäckereien Österreichs. „Die Hostienbäckerei ist ein Betrieb der Steyler Missionare und wurde 1926 gegründet“, erzählt uns die Leiterin Johanna Nemetz. Das Missionshaus der Steyler liegt nur wenige Minuten von der Herz-Jesu-Pfarre entfernt, die ebenfalls von der Ordensgemeinschaft betreut wird. „Früher waren es Steyler Schwestern, die mit einfachen Waffeleisen die Hostien herstellten“, berichtet Nemetz. Heute ist sie zusammen mit einem dreiköpfigen © Monika SloukDamen-Team für die Produktion zuständig. An zwei Tagen in der Woche wird gebacken, die restliche Zeit brauchen die Frauen für das Stanzen, Verpacken und den Versand der Hostien. Auch an der Steyler Hostienbäckerei gehen der Rückgang an Messbesuchern und die Auflösung von Klöstern nicht spurlos vorbei. Jedes Jahr wird die Nachfrage nach Hostien geringer.

Die richtige Mischung

Aber nun sind wir gespannt, wie die Hostien entstehen! Johanna Nemetz führt uns in einen Raum, in dem große Mehlsäcke lagern. Hier wird der Teig gemischt. „Pro Backtag verarbeiten wir 60 Kilogramm Mehl“, erklärt Nemetz. „Wir verwenden hochwertiges Weizenmehl, eine Mischung aus glatt und griffig.“ Michaela Eidler wiegt das Mehl ab, füllt es in einen Kessel und leert Wasser dazu. Für die richtige Mischung braucht es viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl, denn das Mehl enthält z. B. im Frühjahr und Herbst unterschiedlich viel Kleber. „Der Teig darf nicht zu dick oder zu dünn sein“, betont Johanna Nemetz, „wenn die Mischung nicht stimmt, kann es passieren, dass die Maschine verklebt und zwischendurch gereinigt werden muss.“

Michaela Eidler bringt den Teigbehälter in den Nebenraum. Hier sitzt Andrea Seif am Backautomat. Seit 25 Jahren gehört sie bereits zum Team. Ein Schlauch pumpt den dünnflüssigen Teig in die Maschine, wo er auf zwölf heiße, rotierende Waffeleisen aufgespritzt wird. Ein Teil der Waffeleisen hat ein Kreuz eingeprägt, der Abdruck wird später auf den Priesterhostien zu sehen sein.

Die Eisen schließen sich und backen in wenigen Minuten rechteckige Teigplatten. Andrea Seif entnimmt sie, schneidet überstehende Teigränder ab und stapelt die Platten aufeinander. Eine anstrengende, schweißtreibende Arbeit! „Unsere Backmaschine stammt noch aus den 1970er Jahren. Sie wird jedes Jahr gewartet und hält hoffentlich noch lange“, wünscht sich Johanna Nemetz. Nach jedem Backvormittag wird die Maschine gründlich geputzt, das dauert bis zu drei Stunden.

© Christian Tauchner SVDDie frisch gebackenen, knusprigen Platten müssen nun in den Befeuchtungsraum, wo sie Katarina Gajic in Regalen auflegt. Hier bleiben die Hostienplatten über Nacht, sonst würde das spröde Backwerk beim Stanzen zerbröseln. Wie das funktioniert, zeigt uns Frau Gajic mit in der Vorwoche gebackenen Platten. Drei verschiedene Größen stanzt die Mitarbeiterin mit einer Art Bohrmaschine aus: die kleinen Hostien für die Gläubigen, die Priesterhostien mit 6 cm Durchmesser und die 13 cm großen Konzelebrationshostien, die beispielsweise zu Fronleichnam in die Monstranz kommen.

Gluten muss sein

Katarina Gajic arbeitet konzentriert und präzise, sodass möglichst wenig „Abfall“ entsteht. Anschließend werden die Hostien in der Rüttelmaschine vorsortiert, um gebrochene Exemplare auszusondern, danach wird noch einmal per Hand „verlesen“. Der letzte Arbeitsschritt ist die Verpackung. Die kleinen Hostien füllen die Frauen in Säckchen zu 250, 500 oder 1000 Stück, die großen Hostien werden in Rollen zu 50 Stück eingepackt. „Einmal pro Woche erfolgt der Versand an unsere Abnehmer“, erläutert Johanna Nemetz.

Seit den letzten Jahren steigt die Nachfrage nach glutenreduzierten Hostien für Personen mit einer Glutenunverträglichkeit. In der katholischen Kirche müssen Hostien aus ungesäuertem Weizenmehl hergestellt werden und dürfen nicht völlig glutenfrei sein. „Der Anteil bei glutenreduzierten Hostien ist aber so gering, dass es zu keinen Beschwerden kommt“, so Nemetz. In der Hostienbäckerei der Steyler Missionare werden diese Spezialhostien nicht selbst hergestellt – „das funktioniert mit unserer Maschine nicht“ –, sondern aus Deutschland bezogen.

Der Backvormittag in der Hostienbäckerei neigt sich dem Ende zu. Auf dem Verpackungstisch stapeln sich kleine Päckchen mit Adressklebern. Bald werden die Hostien in Pfarren in Wien, dem Burgenland, der Steiermark, Kärnten, Osttirol, Oberösterreich und Salzburg ankommen und bei Eucharistiefeiern, bei Erstkommunionen und bei Fronleichnamsfesten Verwendung finden. Der Priester wird die Wandlungsworte sprechen und Jesus im Brot gegenwärtig. Johanna Nemetz: „Bei unserer Tätigkeit sind wir uns immer bewusst, dass die Herstellung der Hostien etwas ganz Besonderes ist!“

Ursula Mauritz

Juni 2019

Kommentare (2)

  • M.Aarssen
    M.Aarssen
    am 29.05.2019
    Hallo,
    Es isst eine schone Arbeid, und sie haben es schon gut erklart wie es gebacken wird. Werden er Glutenfrei oder Glutenarm, eine bisonders Deig gemacht fur menschen die "die Gewone Hostien" nicht mochte essen, aber dort den Communion wollten entfangen?
    Entschuldigung fur die nicht ganze gute sprache ihn Deutsch
    Danke schon und Gottes Segen fur Sie.
    Aufwieder horen,
    Frau M.Aarssen Einer Steyler,
  • Christina Brunner, Redaktion stadtgottes
    Christina Brunner, Redaktion stadtgottes
    am 03.06.2019
    In der Hostienbäckerei in St. Gabriel werden keine glutenfreien Hostien gebacken. Andere Hersteller haben Hostien aus Weizenstärke, die sehr wenig Gluten enthalten, im Angebot, z.B. in Kevelaer. Diese entsprechen auch dem Kirchenrecht.

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