Brauchtum

Wenn die Engel zu Christi Himmelfahrt tanzen

Am Fest Christi Himmelfahrt pflegen einige Kärntner Pfarren ein besonderes Brauchtum – das Engel- oder Heilandaufziehen! Alt und Jung sind begeistert dabei.

Die Gläubigen blicken gebannt empor während zuerst die Engel und dann auch die Christusfigur durch die Luke entschwinden.

„Wann kommen endlich die Engel?“ – Die jüngsten Gottesdienstbesucher in der kleinen Pfarrkirche von Steinbichl in Kärnten werden ungeduldig. Die Predigt von Pfarrer Charles Ogbunambala dauert ihnen zu lange. Denn an Christi Himmelfahrt findet während der Heiligen Messe eine Tradition statt, auf die Jung und Alt gespannt warten.

©Anton WieserDie 72-Einwohner-Gemeinde Steinbichl im Bezirk St. Veit an der Glan ist eine von nur noch sieben Pfarreien in Kärnten, in denen das vermutlich aus der Barockzeit stammende Engel- oder Heilandaufziehen noch bis in unsere Tage gepflegt wird. Anschaulich erleben die Gläubigen die Himmelfahrt Jesu, wenn eine Christusfigur, begleitet von kleinen Engeln, durch eine Luke in der Decke entschwindet.

In der kleinen frühgotischen Kirche von Steinbichl ist es jetzt so weit: Unter den aufmerksamen Blicken der Mitfeiernden trägt Mesner Sieghart Egger die Statue des Auferstandenen, die in der einen Hand eine Fahne und in der anderen Blumensträußchen hält, zu einem kleinen Tisch, der sich direkt unterhalb der Himmelsluke im Kirchengewölbe befindet.

©Anton WieserPfarrer Ogbunambala segnet den Auferstandenen mit Weihrauch, dann befestigt Sieghart Egger das Seil mit einem Haken an der barocken Figur. Während die Steinbichler das „Großer Gott, wir loben dich“ anstimmen, drehen die Männer am Dachboden die Spindeln und lassen die Engel von der Kirchendecke schweben. Die Schnüre drehen sich, es scheint als würden die Engel „tanzen“. Auch die Jesusfigur bewegt sich langsam empor – auf der Höhe des Chors wird sie von den Engeln in Empfang genommen und zum „Himmel“ begleitet. Nach und nach verschwinden zuerst die Engel durch die Öffnung im Kreuzgewölbe, dann folgt die Christusstatue.“

©Anton WieserWährend sich die Dorfgemeinschaft nach der Festmesse beim Pfarrfest mit Speis und Trank stärkt und die Musikanten dazu aufspielen, ist Mesner Egger noch beschäftigt: Die Protagonisten des Brauchtums müssen wieder an ihre angestammten Plätze gebracht werden. Zwei der Engel stehen während des Jahres beim Tabernakel, die beiden anderen Engelchen mit Herz und Kreuz in den Händen zieren den Marienaltar. Die Christusskulptur bewahrt Egger bis zum nächsten Osterfest in der Sakristei auf.

40 Tage steht der Auferstandene auf dem Hauptaltar, ehe er zu Christi Himmelfahrt wieder vor den Augen der Gläubigen entschwindet.

Die ganze Geschichte lesen Sie bei uns im Heft.

Ursula Mauritz

Mai 2020

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