Ratgeber - Lebens- und Familienberatung

Wie kann ich meinem Enkel Halt geben?

Mein Enkel hat überhaupt keine Lust mehr auf die Schule. Er ist jetzt 16 Jahre alt. Seine Noten werden immer schlechter, seine Eltern wissen nicht weiter. Wie können wir den Jungen motivieren? Es geht ja auch um seine berufliche Zukunft.

Die Zeit der Pubertät ist eine schwierige Zeit – für alle Beteiligten! Jeder und alles verändert sich und niemand weiß so recht, wie es werden wird. Chillen, abhängen – das ist oft scheinbar  das Einzige, was die Jungs und Mädels in diesem Alter so tun. Und genau das braucht es in dieser Lebensphase, denn es will ja etwas wachsen – und dazu braucht es Zeit und Raum. Aber es ist eben auch die Zeit, in der oftmals die Weichen gestellt werden für die berufliche und persönliche Zukunft.

Pubertät schluckt viel Energie und Anderes ist wichtiger als Schule und Lernen. Deshalb ist es oft wirklich nicht leicht, einen 16-Jährigen zum Lernen zu bewegen. Diese Unlust hat aber durchaus auch einen positiven Aspekt. Sie spiegelt ja ein Problem unserer Zeit. Die Jungen grenzen sich damit von den Eltern und gesellschaftlichem Grunddenken mit Dauerstress und Leistungsdruck ab. Sie versuchen ein Gegenmodell auszuprobieren und zeigen, was sie bei den Eltern vermissen: Gelassenheit und Zuversicht in die Zukunft. Die Sorge der Eltern ist dann oft: Wenn er jetzt nicht lernt, dann macht er später ein schlechtes Abitur und droht ins materielle und existenzielle Nichts abzustürzen. Natürlich hat das Abhängen eine Grenze, denn irgendwann geht der Anschluss verloren und die Dinge lassen sich nicht mehr aufholen. Die meisten Jugendlichen entwickeln gerade noch rechtzeitig die nötige Eigenmotivation und bekommen die Kurve um „Fünf vor Zwölf“.

Was aber könnte denn jetzt helfen, dass vor allem Jungs, in die Balance kommen, zwischen Lustlosigkeit und Engagement, zwischen Verantwortung und Freiraum, zwischen dem Bedürfnis nach Zärtlichkeit und der Notwendigkeit von robustem Widerstand? Wenn etwas stark ins Schwingen gerät, braucht es eine starke Gegenkraft, die soweit Halt gibt, dass nichts auseinanderfliegt. Hier sind die Eltern gefordert, mit klaren Positionen Halt und Orientierung zu geben. Stärke, logische und transparente Konsequenz und Geduld sind nötig, damit für den Jungen ein Weg sichtbar wird und er nicht zu lange im Nebel der Möglichkeiten umherirrt. Nicht Rechthaberei, nicht autoritäres Befehlen, nicht Besserwisserei ist gemeint – sehr wohl aber zu Werten und Haltungen zu stehen, selbst wenn es mal unbequem wird oder zu Konflikten führt. Eltern müssen Grenzen setzen und darauf achten, dass sie eingehalten werden. Aber genau dabei zeigen sie oft eine große Unsicherheit. Viele wissen nicht, wie sie das umsetzen sollen. Harmonie und der Wunsch mit den Kindern so umgehen, dass sie keine leidvollen Erfahrungen machen führt mitunter zu Angst davor, autoritär und lieblos zu wirken. Sie ziehen sich zurück, wenn es zu Konflikten kommt. Das führt aber dazu, dass die Beziehung gelockert wir, der Umgang mit Konflikten nicht gelernt wird und die Orientierung verloren geht.

Die Phase de Pubertät ist im allgemeinen eine Lebensphase, die mit Konflikten gespickt ist. Das kostet auch Eltern viel Kraft. Wichtig ist vor allem, nicht aus der Beziehung zu gehen. Dazu hilft eine wertschätzende Kommunikation – eine echte Herausforderung, wenn es gerade mal wieder gekracht hat. Eine solche Kommunikation ist nicht loben: „das hast du aber gut gemacht“. Wertschätzende Kommunikation ist die Mitteilung, dass etwas, was ein anderer getan hat, für das Gegenüber etwas Bereicherndes hatte. Also nicht: „Toll, dass du in Mathe eine Vier geschafft hast“ – sondern: „Dass du in Mathe eine Vier geschafft hast, entspannt mich, dann wirst du die Klasse sicher schaffen.“

Ermutigen ist eine weitere wichtige Haltung, damit junge Menschen sich orientieren können und ihre eigenen Wege finden und gehen können. Der Glaube an sich selbst und die eigenen Fähigkeiten ist ein ganz wesentlicher Helfer auf dem Weg zu mehr Motivation und vor allem auch zum Erwachsenwerden. Ausprobieren, Erfolge erzielen, Widerstände überwinden lernen, kann mehr und mehr wieder die Lust am Lernen entfachen.

Halt und Orientierung geben, in Beziehung bleiben und ermutigen – das sind die zentralen „Tu-Wörter“ für Eltern in der Pubertät.

Mai 2019

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