Titelthema

Wird der Papst uns hören?

Die Amazonas-Synode in Rom soll Antworten auf die ökologisch-sozialen Herausforderungen der Welt und die Ämterfrage in der Kirche liefern. „Neue Wege für die Kirche. Zu einer integralen ökologischen Pastoral“ – so das Motto der Synode. Die Steyler Schwester Aurélia lebt mit den Indianern am Amazonas

Die indigenen Kulturen wollen vom Papst gehört werden

Was tun Sie am Amazonas?

In der Gemeinde, wo wir Steyler Schwestern seit 2017 leben, arbeiten wir vor allem in der Pastoral mit Menschen aus zwei verschiedenen Indianer-Stämmen: Macuxi und Wapichana. Darüber hinaus gibt es zehn indigene Gemeinden, wo wir mit Kindern und Jugendlichen sehr aktiv sind. Wir bieten verschiedene Kurse für Frauen an und leiten spirituelle Veranstaltungen.

Wie hat sich Ihr Leben verändert?

Die größte Herausforderung war für mich zu erkennen, was am wichtigsten war und nach welchen Kriterien ich leben wollte. Es gibt Momente, wo es mir klar wird, dass von der slowakischen Missionarin, die vor 19 Jahren den brasilianischen Boden berührt hat, nicht viel übrig geblieben ist. Ich habe mich verändert!

Womit haben Sie zu kämpfen?

© privatWas mich am meisten bedrückt, ist die ökonomische und soziale Ungleichheit und Ungerechtigkeit. Es gibt viele Menschen, denen alles fehlt, um ihre Grundbedürfnisse zu decken, und andere, die im Reichtum schwimmen. Egoismus und falsch verstandene Ethik machen aus den Menschen Existenzen mit deformiertem Charakter. Brasilien ist ein wunderschönes und reiches Land, wenn es um natürliche Ressourcen geht. Die Indianer haben sich um diese Ressourcen 100-prozentig und nachhaltig gekümmert. Zu ihrer indigenen Kultur gehört der natürliche Schutz der Umwelt. Doch diese Kulturen sterben aus  und damit auch die Indianer-Bevölkerung. Sie haben keine Kraft mehr zu kämpfen. Obwohl das Land ursprünglich ihnen gehörte, wurden sie zur Minderheit in ihrer eigenen Heimat. Deshalb setzten wir uns für sie und ihre Rechte ein, die zwar in der Verfassung stehen, aber leider nur auf dem Papier.

Bei der Amazonas-Synode will Papst Franziskus auf die Bevölkerung hier hören und vor allem auf die Stimmen der Indianer. Aber wir fragen uns, ob die Rufe der indigenen Völker überhaupt sein Ohr erreichen? Wird er in der Lage sein, den Hilferuf dieser Menschen zu verstehen? Denn so heißt es in einem indianischen Sprichwort: „Wenn du die Indianer verstehen willst, musst du eine Strecke lang mit ihnen gehen.“ Das ist eine große Weisheit der Indianer am Amazonas und auch meine Erfahrung.

Christina Brunner

Oktober 2019

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Die Synode in Rom

Vom 6. bis zum 27. Oktober treffen sich in Rom Bischöfe, Fachleute und Vertreter der indigenen Völker, um über die Zukunft Amazoniens zu beraten. Das Arbeitspapier sieht auch Beratungen über die Priesterweihe für verheiratete Männer und neue Ämter für Frauen vor. Einen Schwerpunkt bilden die Umweltzerstörung und der Schutz der einheimischen Völker. Maßgeblich beteiligt ist das panamazonische, kirchliche Netzwerk REPAM (Red Eclesial PanAmazónica), zu dem auch die Hilfswerke Adveniat und Misereor gehören.