Steyler Welt

Zuflucht im Klosterkeller

Die Keller des Klosters in Steyl erzählen eine Geschichte vom Krieg, von Verstecken und von Hunger. Während der NS-Zeit verbargen die Steyler Missionare dort Menschen vor den Nationalsozialisten.

Die Steyler informierten in der Klosterkirche über das Leben im Keller.

„In Steyl ist es schwer: kein Licht, also nach 5 Uhr jeder in dunklen Kellern, denn es gibt keine Kerzen mehr und nirgends Heizung!“ „Im Keller vom Missionshaus herrscht eine schreckliche Plage: Kleiderläuse! Wir haben auch fast alle Kopfläuse.“  Während die Bomben fielen, hockten sie im Klosterkeller und sehnten sich nach den Befreiern: 100 Tage lang blieben die Einwohner von Steyl in den engen Gängen unter den Klostergebäuden von Steyl. Sie aßen die Kartoffeln mit Schale, und als nichts anderes mehr da war, bekam jeder 6 Scheiben Brot. 200 Frauen und Kinder, Alte und Kranke drängten sich auf den dünnen Matratzen zusammen, lauschten in die Dunkelheit, beteten und hofften zu überleben.

©Heinz Helf SVDNoch schlimmer war die Situation für die jungen Männer, die von den Nazis gesucht wurden: Sie mussten sich in den unterirdischen Gängen des Missionshauses verbergen, niemand durfte von ihnen wissen. Bei den Missionsschwestern lebte die SS im Klostergebäude, die niederländischen Schwestern versteckten sich mit polnischen Priestern im Keller. Für sie wurde eine provisorische Kapelle im Nazarenerstil ausgemalt: viel Blau, zahllose Engel – der Himmel im Untergrund.

Indem sie die Gesuchten versteckten und verpflegten, stellten sich die deutschen Ordensleute in Steyl gegen ihre eigenen Landsleute, die deutschen Besatzer. Sie setzten sich selbst auf Hungerrationen, gaben alles, was der klostereigene Bauernhof lieferte, an die Bevölkerung von Tegelen ab und riskierten damit ihr Leben. 

©Heinz Helf SVDAus Tagebüchern und Erzählungen der Überlebenden hat Maurice Ambaum, selbst gebürtiger Steyler, eine Ausstellung konzipiert, die das Elend dieser letzten Tage des Krieges, aber auch den Mut und den festen Glauben der Bewohner von Steyl spürbar werden lässt. Man kann sie im Rahmen einer Führung besuchen. Dabei zeigt Maurice Ambaum auch die anderen Orte des Krieges bei den Rosa Schwestern und den Missionsschwestern. Den Erlös will er nutzen, um seiner Wanderausstellung „100 Tage in den Klosterkellern von Steyl“ nun einen festen Platz an den Originalschauplätzen im Missionshaus zu geben.

Alle Informationen dazu gibt es auch auf Deutsch hier.

Christina Brunner

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