Ratgeber - Glaubenspraxis

Brauchen Kinder den Nikolaus

Wir erziehen unsere Kinder katholisch und bereiten die christlichen Feste entsprechend mit ihnen vor. Nun hat unser fünfjähriger Sohn die Kinder seines konfessionslosen Kindergartens korrigiert, als sie vom Weihnachtsmann erzählten. Den gäbe es gar nicht, der sei eine amerikanische Erfindung. Ob sie denn nichts vom Nikolaus wüssten? Daraufhin musste ich mich mit wütenden Eltern auseinandersetzen, weil wir deren Kinder in tiefe Verwirrung gestürzt hätten. Soll ich meinen Sohn bitten, sich zurückzuhalten?

Es steht einem gläubigen Katholiken gut zu Gesicht, Zeugnis zu geben von seinem Glauben. Auch wenn der Betreffende erst fünf Jahre alt ist. Mit dem Zurückhalten ist das so eine Sache. Wir wollen ja alle keinen Unfrieden stiften, aber manche Dinge sollten vielleicht einmal angesprochen werden, auch und gerade mit den Kindern. Was den Weihnachtsmann (Santa Claus) betrifft, ist das alles gar nicht so einfach. Natürlich steht für uns Katholiken der Heilige Bischof Nikolaus (4. Jh.) von Myra im Mittelpunkt der Verehrung und wird traditionell schon seit dem 13. Jh. am 6. Dezember gefeiert. Mit diesem Brauch begann man damals in klösterlichen Jugendstiften und Internaten. Der Nikolaus brachte Geschenke und lobte gutes Verhalten, aber er tadelte auch schlechtes Benehmen. In der Reformationszeit war besonders Martin Luther daran gelegen, von der Heiligenverehrung wegzukommen und den Blick mehr auf Weihnachten und die Geburt Christi zu lenken.

Er sprach vom „Heiligen Christ“ und das Schenken verlagerte sich auf den 24./25. Dezember. Daraus hat sich dann in einigen europäischen Ländern der „Weihnachtsmann“ entwickelt. Großen Anteil an der Verbreitung des Weihnachtsmannes hatte der Schriftsteller August Heinrich Hoffmann von Fallersleben mit dem 1835 entstandenen Lied „Morgen kommt der Weihnachtsmann“. Es ist nicht gänzlich richtig, dass der heute bekannte Weihnachtsmann eine amerikanische Erfindung ist. Diese Tradition wurde von europäischen Einwanderern mitgebracht. Der heute bekannte Weih­nachtsmanntyp stammt aber aus den USA, aus New York, und wurde 1823 in dem Gedicht „The Night Before Christmas“ als der Mann mit Rauschebart und Rentierschlitten beschrieben. Seit 1931 hatte ein großer amerikanischer Getränkekonzern den Weihnachtsmann/Santa Claus für seine weihnachtlichen Werbekampagnen benutzt. Dadurch gelangte Santa Claus zu der Popularität, die er heute hat. Und die meisten Menschen denken, er sei eine konsumorientierte amerikanische Erfindung. Seinen Ursprung hat die Figur aber ganz sicher im heiligen Nikolaus. 

Bedauernswert ist, dass der eigentliche Sinn der Figur, der in der Freude über die Menschwerdung Gottes liegt, ganz in den Hintergrund geraten ist. Ich halte es deshalb für wichtig, gerade mit Kindern über den heiligen Nikolaus zu sprechen, dessen Brauch unbedingt beibehalten werden muss. Für Weihnachten war bei uns ja immer das Christkind zuständig, aber diese Figur ist gänzlich aus der Mode gekommen. Den amerikanischen Weihnachtsmann werden wir nicht mehr aus dem Dunstkreis des Weihnachtsfestes verbannen können. Die Kommerzialisierung ist zu stark und das Schwinden der religiösen Praxis tut ein Übriges. Es macht auch wirklich keinen Sinn, sich jedes Jahr pünktlich zu Weihnachten über den „amerikanischen“ Weihnachtsmann aufzuregen. Wir sollten aufklären, die Geschichte kennen und sie mit den Kindern besprechen. Sie müssen lernen, in dieser oft etwas verrückten und verwirrten Welt zurechtzukommen. Eine Parallelwelt können wir ihnen nicht bieten. Vielleicht hat Ihr fünf­jähriger Sohn ja auch eine fruchtbare Diskussion in Gang gebracht. Solche Konflikte sollten auch von den Kindergärtnerinnen aufgegriffen werden. Ich denke schon, dass sich dann vieles entschärfen lässt.

Dezember 2016

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Pater Fabian Conrad

Bibelwissenschaftler, Seelsorger, Schulrektor des Arnold-Janssen-Gymnasiums in St. Wendel, Missionssekretär der Deutschen Provinz

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