Ratgeber - Rat in der Glaubenspraxis

Er möchte eine Seebestattung

Mein Mann wünscht sich eine Seebestattung, ich möchte ein Erdgrab für uns beide. Da mein Mann 15 Jahre älter ist als ich, wird er wahrscheinlich vor mir sterben. Ich kann ihm seinen Wunsch nicht erfüllen!

 

Sie stellen mich da vor eine sehr schwierige Frage, die ich in letzter Konsequenz nicht beantworten kann. Eine Seebestattung ist legitim. Normalerweise ist der letzte Wille eines Menschen heilig. Ihn nicht zu erfüllen, wird eine Angelegenheit werden, die Sie mit Ihrem Gewissen ausmachen müssen. Aber ich kann verstehen, dass Ihnen eine solche Bestattungsform nicht recht ist. Die meisten Menschen brauchen zur Bewältigung der Trauer einen Ort, an den sie gehen können, wo sie weinen dürfen, wo noch eine Präsenz ist. Ich kenne etliche Fälle, bei denen im Nachhinein die Anonymität der Bestattung als sehr schmerzlich erfahren wurde. Oft wird zu Lebzeiten das Danach für die Hinterbliebenen nicht wirklich und schon gar nicht gründlich bedacht.

Die Perspektive ändert sich ja auch: Wir Lebenden haben unsere Vorstellungen, äußern Wünsche, legen Verschiedenes fest. Aber nach unserem Tod müssen die anderen mit dem klarkommen, was wir verfügt haben. Da werden nicht selten ganz unbewusst Bürden geschnürt, die schwer zu tragen sind. Ich persönlich verstehe nicht wirklich die Wichtigkeit solcher Arrangements zu Lebzeiten. Wenn ich einmal die Bühne dieser Welt verlasse, dann muss ich doch auch einsehen, dass ich dann den Taktstock abgegeben habe. Die anderen leben weiter und müssen den Verlust und die Trauer verschmerzen. Muss ich ihnen dann immer noch meinen Willen aufzwingen? Das ist meine ganz persönliche Meinung und auch Argumentation! Ich habe nicht selten den Eindruck, dass viele am liebsten bis in alle Facetten von Leben und Tod hinein gerne Herrgott spielen würden: Ich muss alles regeln und das so, wie ich es will und für richtig halte. Leider wird zu selten bedacht, was damit auch angerichtet werden kann. Reden Sie mit Ihrem Mann; argumentieren Sie! Und tun Sie dann, was Sie danach auch leben können.

März 2018

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Pater Fabian Conrad

Bibelwissenschaftler, Seelsorger, Schulrektor des Arnold-Janssen-Gymnasiums in St. Wendel, Missionssekretär der Deutschen Provinz

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