Ratgeber - Rat in der Glaubenspraxis

Firmung erst mit 17 Jahren?

Unser Pfarrer hat vor einigen Jahren das Zulassungsalter der Firmlinge auf mindestens 17 Jahre heraufgesetzt. Seitdem melden sich nur noch etwa 25 Prozent der Jugendlichen zur Vorbereitung auf das Sakrament an. Kann das richtig sein? Alle anderen werden die Firmung wohl nie mehr in ihrem Leben empfangen.

hre Frage berührt ein altes und schon oftmals diskutiertes Problem: Sollten Sakramente generell nur dann gespendet werden, wenn die Empfänger sich eigenverantwortlich dafür entscheiden können?
Es ist ganz sicher so, dass jedem Sakrament eine Gnade, ein Wirken Gottes innewohnt, das wir weder fassen noch begreifen können. Aus diesem Grund bin ich auch ein absoluter Verfechter der Kindertaufe. Wie sollen die Kinder etwas vom Glauben mitbekommen, wenn man sie nicht auf den Weg mit Gott stellt? Hierbei fällt natürlich den Eltern und dem ganzen Umfeld auch eine große Verantwortung bei der Glaubensvermittlung zu. 

Was jedoch die Firmung angeht, so muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich Ihren Pfarrer und seinen Mut bewundere. Er geht einen Weg, der sicherlich nicht von allen mitgetragen wird, der aber vernünftig ist. Die Firmung ist in gewisser Weise eine Bestätigung der Taufe. Der junge Mensch soll sich aus freien Stücken zu dem in der Taufe grundgelegten Glauben bekennen und dafür Gottes Beistand erhalten. Es ist nun einmal so, dass 17-Jährige zu einem solchen Schritt eher in der Lage sind als 13-Jährige. Nach menschlichem Ermessen kann man davon ausgehen, dass in dem Alter die Ernsthaftigkeit eines solchen Schritts besser verstanden wird. 

Mit der gängigen Praxis der früheren Firmung kann man ja auch nicht immer vorbehaltlos einverstanden sein. Viele Jugendliche sitzen die Katechese gelangweilt ab. Sie machen mit, weil das Umfeld es so will, und sie selbst eigentlich noch gar nicht wissen – auch nicht wissen können –, was sie wirklich wollen. Das ist nicht immer so, aber das Phänomen ist auch nicht gerade selten, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Orthodoxe Kirchen gehen mit dieser Frage ganz anders um und spenden Taufe, Firmung und Kommunion zusammen, und zwar dem Kleinkind. Da wir Katholiken die Firmung aber als eine Bestätigung des Taufversprechens verstehen, ist das höhere Alter einfach die vernünftigere Lösung. 

Es ist bedauerlich, dass sich dann viel weniger junge Menschen für das Sakrament interessieren. Aber geht es um geliebte Massenveranstaltungen oder um junge Menschen, die sich nach reiflicher Überlegung und aus wirklich freien Stücken für das Sakrament entscheiden? In Glaubensfragen haben wir alle Verantwortung zu tragen. Sakramente sind keine magischen Rituale, sondern verlangen auch nach einer entschiedenen Antwort im Leben, die ganz sicher auch von Reife und Persönlichkeit abhängt.

September 2014

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Pater Fabian Conrad

Bibelwissenschaftler, Seelsorger, Schulrektor des Arnold-Janssen-Gymnasiums in St. Wendel, Missionssekretär der Deutschen Provinz

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