Ratgeber - Glaubenspraxis

In meiner Gemeinde gibt es keine Messe mehr!

In unserer Kirche finden am Samstagabend Wortgottesdienste statt, weil unser Pfarrer mehrere Pfarreien betreut und auch will, dass wir Laien uns vorbereiten auf den Zeitpunkt, an dem wir keinen Pfarrer mehr haben. Ich fühle mich in meiner Gemeinde zu Hause und fahre nicht gerne in eine fremde Kirche, um dort die Messe mitzufeiern. Auf der anderen Seite finde ich die Wortgottesdienste oft ziemlich mühsam und schätze auch eine schön gestaltete Eucharistie. Jetzt bin ich hin- und hergerissen: Soll ich meine Heimatgemeinde unterstützen, obwohl ich die Feiern nicht mag? Oder doch lieber eine Messe besuchen, egal wo?

Bei der Beantwortung Ihrer Frage muss ich die Qualität der Wortgottesdienste ausblenden. Die kann ich nicht beurteilen, weil ich sie nicht kenne. Generell können Wortgottesdienste durchaus ansprechend sein. Aber es geht hier um eine ganz andere Frage: Eucharistie oder Wortgottesfeier am Sonntag? Früher (das wurde nie geändert, aber es spricht keiner mehr darüber) haben wir kirchlicherseits unter Androhung von Sündenstrafe den sonntäglichen Kirchgang gefordert. Dieser war mit einer Eucharistie verbunden. Heute haben wir Probleme, diese Eucharistiefeiern flächendeckend anzubieten, weil nicht genügend Priester zur Verfügung stehen. Und viele Pfarrer versuchen ihre Gemeinden auf den Fall vorzubereiten, dass wirklich kein Priester mehr da sein wird – und diese Situation ist in vielen Regionen absehbar. 

Das Ideal ist natürlich die heilige Messe am Sonntag, weil es die Gedächtnisfeier des Leidens, des Sterbens und der Auferstehung unseres Herrn ist. Dort wird das getan – im Opfer und im Mahl –, was Jesus Christus uns geheißen hat zu tun, wenn wir uns in seinem Namen versammeln. Jesus Christus war es wichtig, und das können wir biblisch sehr gut belegen, dass sich die Gemeinde in seinem Namen trifft. Die heutige Eucharistie war nicht immer so, wie wir sie kennen, es gab die verschiedensten Formen. Aber eines war immer wichtig und unumgänglich: Die Gemeinde soll sich am Sonntag treffen und bei ihrer gemeinsamen Feier Jesu Christi gedenken. 

In vielen Gemeinden gibt es Wortgottesfeiern, in denen auch Kommunion ausgeteilt wird. Dort sind alle wichtigen Elemente vereint, die einen Gottesdienst zu dem von Jesus Christus gewollten Gebetstreffen machen. So wenig befriedigend es ist, dass nicht mehr überall Eucharistie gefeiert werden kann, so wichtig ist der Zusammenhalt der einzelnen Gemeinde. Sie soll sich treffen, beten, Kommunion empfangen und zusammenhalten. 

Man kann natürlich in die nächste Gemeinde fahren, dort den Gottesdienst aufsuchen, der einem besser gefällt, aber es ist nicht meine Gemeinde, nicht der Ort, wo mein Glaube geworden ist. Das Wichtigste ist der Zusammenhalt in Jesus Christus, dort, wo man lebt und zu Hause ist. Ansonsten wird unser christlicher Glaube von dem Konsumismus gefressen, den wir sonst so gerne und schnell der zivilen Gesellschaft vorwerfen. Natürlich gäbe es auch noch Schritte, die die offizielle Kirche tun könnte: gestandene Männer zu Priestern weihen (viri probati), Frauenordination … Wenn die Eucharistie so wichtig ist (und das ist sie!), dann muss man alles tun, sie am Leben zu erhalten.

Oktober 2017

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Pater Fabian Conrad

Bibelwissenschaftler, Seelsorger, Schulrektor des Arnold-Janssen-Gymnasiums in St. Wendel, Missionssekretär der Deutschen Provinz

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