Ratgeber - Rat in der Glaubenspraxis

Kinder hadern mit der Kirche

Unsere Kinder sind nicht mehr kirchlich engagiert. Sie lassen sie sich nur noch von all dem Negativen, was in der Vergangenheit berichtet wurde, beeinflussen. Was können wir tun? Für mich und meinen Mann ist das eine große Not, die immer einen sehr bitteren Nachgeschmack hinterlässt.

Ganz sicher können Sie nicht auf alles, was da vorgetragen wird, eine Antwort haben. Das kann niemand. Es ist eine Tatsache, dass in den letzten Jahren und Monaten viel an die Oberfläche kam, was kein gutes Licht auf Teile der offiziellen Kirche geworfen hat. Nicht wenige hauptamtliche und auch nebenamtliche Mitarbeiter der Kirche – in all ihren Facetten – sind in Erklärungsnot geraten, obwohl bei Weitem nicht alle mit den misslichen und schlimmen Vorwürfen und Vorgängen zu tun haben. 

Es wäre vollkommen falsch, alles Geschehene von der Hand zu weisen. Es wäre ebenso falsch, jeden Vorwurf einfach so im Raum stehen zu lassen. Die Details helfen nicht wirklich weiter. Kirche ist eine große Organisation, in der sich immer wieder Menschen vergehen werden. Sie ist aber auch eine Organisation, in der sich sehr viele auf wunderbare Weise engagieren. Beides steht nebeneinander und birgt eine natürliche Spannung, die nie ganz verschwinden wird. Es muss möglich sein, über alle Verschiedenheiten hinaus, das Gespräch in eine ganz andere Richtung zu lenken. Das Üble, das Schlimme, ist Realität. Ist es aber nicht das Schöne und Gute, das uns am Leben hält? Die Klage ist eine Sache; die Freude eine andere! 

Vielleicht wird das Ihre Kinder nicht sofort überzeugen, aber wir können und dürfen nicht bei der Misere stehen bleiben! So kommen wir doch alle nicht weiter – nicht in dieser Frage und in keiner anderen unseres Lebens! Es ist wichtig, das Negative anzuerkennen und nicht zu leugnen. Genauso ist es aber auch wichtig, die Zeichen der Hoffnung zu sehen, die es auch gibt. Gerade Papst Franziskus ist ein solcher Hoffnungsschimmer, wenn er den viel gelobten und oft recht flachen Optimismus in unserer Gesellschaft nicht einfach so anerkennt, sondern in die christliche Tugend der „Hoffnung“ umbenannt sehen will. Ein kleiner Schritt, aber ein wirksamer, denn der Papst spricht da von einer Haltung, die mehr ist als der Blick durch die rosarote Brille. 

Jeder von uns lebt aus einer Hoffnung heraus, die wir nicht alle bis in die kleinsten Details benennen können, aber wir wollen, dass das Leben „gut geht“. Wir wollen Sinn und Halt. Trotz aller Stolpersteine und Fehlhaltungen gibt es diese Menschen wie Franziskus, die uns auch vorleben, was sie glauben und vermitteln wollen. Und das wird Früchte tragen, das wird sich fortpflanzen und viel Heiliges nach sich ziehen.

Februar 2014

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Pater Fabian Conrad

Bibelwissenschaftler, Seelsorger, Schulrektor des Arnold-Janssen-Gymnasiums in St. Wendel, Missionssekretär der Deutschen Provinz

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