Ratgeber - Rat in der Glaubenspraxis

Mache ich mich mit Billigkleidung schuldig?

Ich lese seit Jahrzehnten die stadtgottes und stoße immer wieder auf Beiträge, die darüber berichten, dass ArbeiterInnen in Afrika ausgebeutet werden. Wegen meiner kleinen Rente kann ich mir aber nur preiswerte Kleidung leisten. Versündige ich mich?

Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, dass diese Frage nicht einfach zu beantworten ist. Aber ich möchte schon vorwegnehmen, dass Sie sich ganz sicher am wenigsten versündigen, weil Sie eigentlich nie wissen können, was Sie kaufen. Da liegen die Fehler im System unseres Marktes. Kaum jemand kann nachvollziehen, woher die Stoffe und die Waren kommen, die in unseren Geschäften angeboten werden. Es kann sehr wohl auch so sein, dass richtig teure Textilien von Märkten stammen, die Kinderarbeit und unterbezahlte Erwachsenenarbeit fördern und zulassen. Transparenz ist in diesem Geschäft nicht vorhanden. 

Es gibt aber einige Dinge, die jeder normal denkende Mensch verstehen kann: Eine Jeans für 9,99 Euro kann nicht unter fairen Bedingungen entstanden sein; genauso ein Fünferpack T-Shirts für 10 Euro. Da muss in der langen Kette der Produktion und Vermarktung irgendjemand Federn gelassen haben. Und wenn wir ehrlich sind, dann wissen wir, dass es die Kleinen und Rechtlosen am unteren Rand sind und nicht die Großen, die das alles so organisieren und bei uns vermarkten. 

Aber es gibt dann auch noch die andere Seite: Ihre kleine Rente. Sie können sich keine teuren Kleider leisten. Vielleicht können Sie aber in Erfahrung bringen, welche Geschäfte „faire Ware“ handeln, das gibt es nämlich auch, und die müssen nicht immer die teuersten sein. In meiner Stadt gibt es ein alteingesessenes Textilgeschäft, das viele Marken aus seinem Sortiment verbannt hat, die alle mit Kinderarbeit und Unterbezahlung in Verbindung gebracht wurden. Dieses Geschäft ist keines von den teuren. 

Vielleicht kann Ihnen ein solches Vorgehen helfen. Uns wird zu oft vorgegaukelt, dass all das, was nicht unter mysteriösen Bedingungen hergestellt wird, zu teuer wird. Das muss in keiner Weise stimmen. Letztlich ist es die Gier von wenigen, die einem solchen Markt Raum schafft. Da liegt die Schuld nicht bei Ihnen, die Sie für Kleider nur eine bestimmte Summe Ihrer schmalen Rente ausgeben können. Wir könnten alle „fairer“ kaufen, wenn es weniger Profitgier gäbe. Aber irgendwie haben wir alle nicht wirklich eine Wahl, weil wir ja auch nicht wissen, wo unsere Waren herkommen und wie sie entstanden sind. Die Politik müsste der Wirtschaft nicht nur hier deutlicher auf die Finger schauen.

Februar 2015

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Pater Fabian Conrad

Bibelwissenschaftler, Seelsorger, Schulrektor des Arnold-Janssen-Gymnasiums in St. Wendel, Missionssekretär der Deutschen Provinz

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