Ratgeber - Rat in der Glaubenspraxis

Nur zur Erstkommunion in die Kirche?

Ich bin immer irritiert, wenn ich bei der Erstkommunionfeier Kinder und deren Familie in der Kirche sehe, die ich noch nie gesehen habe und die auch nach dem Fest nicht mehr zur Messe kommen werden. Was soll dieses Sakrament, wenn doch für die allermeisten die „Erstkommunion“ auch „Letztkommunion“ ist?

Ihr Anliegen ist absolut berechtigt, aber eine Lösung ist alles andere als einfach; wahrscheinlich unmöglich! Das Sakrament der Erstkommunion ist eigentlich ein Initiationsritus, weil die Kinder nun zum Tisch des Herrn zugelassen werden. Sie haben als Getaufte einen weiteren Schritt getan, erwachsene Christen zu werden. Die Firmung ist die Bestätigung der Kindertaufe: Angehende Erwachsene bestätigen ihren Glauben, in dem sie als Kinder getauft wurden. Die Teilnahme am eucharistischen Mahl ist ein wichtiger Schritt im Leben eines Christen. Die orthodoxen Christen machen das meist alles in einem: Taufe, Kommunion und Firmung. Wir Katholiken siedeln die Sakramente in Lebensphasen an, die uns geeignet erscheinen. 

Es ist eine grundlegende Überzeugung, dass sich Christen am Sonntag versammeln, um Gottes Wort zu hören und miteinander Mahlgemeinschaft feiern. Unsere Realität sieht anders aus. Es ist nur eine kleine Prozentzahl, die diese wöchentlichen Messfeiern ernstnimmt. Besonders deutlich wird die Abwesenheit derer, die im betreffenden Jahr zur Kommunion gehen, lautstark beklagt. 

Ist dies zu ändern? Ich wage das zu bezweifeln! Wir können und dürfen Gläubige nicht sklavisch verpflichten. Katholischerseits gab es immer das „Sonntagsgebot“, das auch nie widerrufen wurde. Aber wenn 90 Prozent der Katholiken diesem nicht nachkommen, dann müssen wir uns berechtigt Fragen stellen. Ich sehe nur die Tatsache, dass wir Katholiken mit der uns gegebenen Freiheit nicht umgehen können. Alles zu reglementieren und ein Zuwiderhandeln mit Sündenstrafe zu belegen, kann nicht der Weg einer offenen und modernen Kirche sein. Paulus hat viel von der Freiheit des Christenmenschen geschrieben und gesprochen. Nach 2000 Jahren sollten wir das ernst nehmen. Sakramente sind heilige Zeichen und Angebote, den Weg mit Gott zu gehen. Die Kirche hat die Aufgabe, diese Sakramente zugänglich zu machen. Der einzelne Christ ist in der Verantwortung, das erhaltene Sakrament zu leben. 

Sollte sich ein Pfarrer für mehr Konsequenz entscheiden, dann wäre das sicherlich mutig. Aber es ist zunächst einmal eine Frage an die Eltern: Warum geht Ihr Kind zur Kommunion? Sind Sie sich der Verantwortung bewusst? Ein Sakrament ist auch immer ein Geschenk Gottes, eine Gabe, die von ihm kommt. Der Beschenkte steht in der Verantwortung, anzunehmen oder nicht. Ein Dritter kann beklagen, bedauern, Fragen stellen, aber er bleibt der Dritte, der das Geschehen der Gnade zwischen Gläubigem und Gott von außen sieht. Wir können und dürfen weder den Geist noch die Gnade in menschliche Grenzen einbinden.

März 2016

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Pater Fabian Conrad

Bibelwissenschaftler, Seelsorger, Schulrektor des Arnold-Janssen-Gymnasiums in St. Wendel, Missionssekretär der Deutschen Provinz

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